Darum gehts
- Postauto-Brand in Kerzers kostet sechs Menschenleben und verletzt fünf weitere
- Täter übergoss sich mit Benzin, entzündete sich um 18.25 Uhr
- Opfer zwischen Jahrgängen 1961 und 2009, Terroranschlag ausgeschlossen
Die Bilder sind kaum zu ertragen. Flammen schlagen aus dem Postauto. Schreie sind zu hören. Panik!
Der Horror von Kerzers FR beginnt am Dienstag an einer unscheinbaren Bushaltestelle in Düdingen FR. Das Postauto hält gegen 17.45 Uhr, und ein Mann, um die 60 Jahre alt, steigt ein. Zunächst eine gewöhnliche Fahrt.
Was niemand an Bord ahnt: Der Schweizer hat noch Furchtbares vor. Doch erst einmal klappert der Bus Station für Station ab. Fast 45 Minuten vergehen. Dann passiert es.
Anrufer berichten von Rauch und Feuer
Laut den Freiburger Behörden ist es 18.25 Uhr, als sich der ältere Mann mit Benzin übergiesst und mit einem Feuerzeug selbst anzündet. Die Flammen breiten sich sofort aus. Bei der Einsatzzentrale der Polizei geht zur gleichen Zeit die Meldung über ein Postauto ein, das in Flammen steht.
Die Anrufer berichten von Rauch und Feuer im Fahrzeug sowie von brennenden Passagieren, die aus dem Bus flüchteten. Sofort rückten Feuerwehr und Polizei aus. Um 18.43 Uhr wurden zusätzlich die Rega und Ambulanzen alarmiert.
Wieso gingen die Türen nicht sofort auf?
Um 19.18 Uhr herrscht traurige Gewissheit. Sechs Menschen kamen beim Brand ums Leben. Fünf weitere wurden verletzt. Um 19.23 Uhr trifft das Care-Team ein, um die Betroffenen vor Ort zu betreuen. Zudem wurde eine Hotline für Angehörige und Zeugen eingerichtet.
Einen Tag nach dem Horror sind viele Fragen noch offen. Besonders: Wieso gingen die Türen nicht sofort auf? Wieso wurde der Bus zur Todesfalle für sechs Menschen?
«Wir überprüfen, warum die Passagiere nicht aus dem brennenden Bus gekommen sind», sagte Philippe Allain, Kommandant der Kantonspolizei Freiburg, an einer Pressekonferenz am Mittwoch. «Ich kann derzeit nur sagen, dass wir die Videos aus dem Bus analysieren.»
«Lebte am Rand der Gesellschaft»
Die offizielle Identifizierung aller Todesopfer steht noch aus. Laut ersten Erkenntnissen sind die Opfer vermutlich aus den Jahrgängen 1961 bis 2009.
Auch zum Täter konnte die Polizei bisher wenig Informationen liefern. Nur so viel ist bekannt: Der Mann ist um die 60 Jahre alt und war wohnhaft im Kanton Bern. Die Polizei bezeichnete den Schweizer mehrmals als «randständig». «Er wird als eine Person beschrieben, die am Rand der Gesellschaft lebte und gestört war», sagte Generalstaatsanwalt Raphaël Bourquin bei der Pressekonferenz.
Der Bus-Amok soll von seiner Familie vor dem Inferno als vermisst gemeldet worden sein. Laut «Tele Bärn» verschwand er am Dienstag aus einem Berner Spital. Die genauen Hintergründe sind noch nicht bekannt. Klar ist laut den Behörden aber: Ein Terroranschlag wird nach ersten Ermittlungen ausgeschlossen.
«Alle Mitarbeitenden sind wie ich schockiert»
Die Trauer nach dem Inferno ist gross. Um der Opfer in Kerzers zu gedenken, wurden in unmittelbarer Nähe des Unfallorts Zelte errichtet. Angehörige, Freunde sowie weitere Trauernde erhalten dort die Möglichkeit, Blumen niederzulegen und ihre Anteilnahme auszudrücken. Darunter auch Bundespräsident Guy Parmelin (66), der am Mittwochnachmittag nach Kerzers kam.
Stefan Regli, Postauto-CEO und Mitglied der Post-Konzernleitung, ist ebenfalls fassungslos. Er meldete sich am Mittwochmorgen zu Wort. «Alle Mitarbeitenden von Postauto und der Post sind wie ich schockiert und betroffen. Im Namen des Verwaltungsrats und der gesamten Konzernleitung spreche ich den Angehörigen unser tief empfundenes Beileid aus. Unsere Gedanken sind bei den Opfern und ihren Familien.»