Crans-Montana-Diskussion
Viele Schweizer Brandopfer müssen das Schuljahr wiederholen

Während italienische Schulen Brandopfern von Crans-Montana den Klassenaufstieg ermöglichten, müssen Schweizer Schüler das Jahr wiederholen. Das sorgt bei den Betroffenen für Kritik. Ein italienischer Angehöriger bezeichnet die Schweizer Schulen als «unmenschlich».
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Viele der 114 Brandopfer von Crans-Montana gehen noch zur Schule.
Foto: keystone-sda.ch

Darum gehts

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  • 114 Brandopfer in Crans-Montana: Schulen fordern Schuljahrwiederholung
  • Schweizer Opfer müssen wiederholen, Italiener profitieren von Fernunterricht
  • 114 Verletzte, alle italienischen Schüler in nächste Klasse versetzt
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Mattia JutzelerRedaktor News

Viele der über 100 Brandopfer von Crans-Montana gehen noch zur Schule. Wegen des langen und komplizierten Heilungsprozesses konnten viele von ihnen den Unterricht wochenlang nicht besuchen. Nach der Katastrophe in der Silvesternacht stellte sich deshalb die Frage: Dürfen sie trotzdem die nächste Schulstufe besuchen oder müssen sie das Schuljahr wiederholen?

Zumindest in Italien scheint sich diese Frage nun erübrigt zu haben. Wie der «Corriere della Sera» schreibt, haben alle betroffenen italienischen Opfer dank Fernunterricht oder individueller Lernpläne ihrer jeweiligen Schulen bestanden oder sind in die nächste Klasse versetzt worden.

«Unglaublich unmenschlich»

Anders sehe es in der Schweiz aus. Das erzählt der Vater eines italienischen Brandopfers der Zeitung. Er stehe mit den Angehörigen anderer Verletzter in Kontakt. Es sei ein gemeinsamer Chat mit anderen italienischen, französischen und schweizerischen Familien eingerichtet worden, die von der Tragödie betroffen sind.

«Die Schweizer Eltern haben uns von ihrer Situation berichtet», meint der Vater. Ihm zufolge müssen alle Schweizer Brandopfer, zu denen er Kontakt hat, das Schuljahr wiederholen. «Die Schulen sagten, man könne diejenigen, die alle Monate anwesend waren, nicht mit denen gleichsetzen, die nur wenige Monate anwesend waren», erzählt der Vater. «Ich finde das unglaublich unmenschlich.»

Kanton Waadt verteilt keine Diplome

Die zukünftige Schulkarriere der Brandopfer von Crans-Montana wird in der Schweiz schon länger kontrovers diskutiert. Bereits Ende April gab der Kanton Waadt bekannt, dass die verletzten Schulkinder ihr Abschlusszeugnis nicht erhalten werden, wenn sie die Abschlussprüfungen nicht ablegen können. Der Kanton Waadt verzeichnet mit 21 verletzten Schülern die höchste Zahl von Schulkindern in der Schweiz, die von der Brandkatastrophe betroffen sind.

Das kantonale Bildungsdepartement schrieb damals einen offenen Brief an die betroffenen Familien. Darin stand, dass trotz «zahlreicher Gespräche mit den verschiedenen föderalen und interkantonalen Stellen», die für die Anerkennung von Diplomen zuständig sind, der gesetzliche Rahmen «nicht angepasst werden kann und nichts uns erlaubt, davon abzuweichen». Der Kanton wolle die betroffenen Brandopfer trotzdem auf ihrem weiteren Bildungsweg unterstützen, etwa mit individueller Nachhilfe oder Semesterverschiebungen.

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