Darum gehts
- Anwälte fordern Anklageverschärfung gegen Morettis nach Brand in Crans-Montana VS
- Alte Whatsapp-Nachrichten zeigen Bewusstsein für Brandrisiko, sagt Anwältin Sophie Haenni
- Bis zu 20 Jahre Haft möglich bei Anklageverschärfung, Staatsanwaltschaft entscheidet über Anklageverschärfung
Zwei Anwälte, die Opferfamilien im Fall der in Crans-Montana VS ausgebrannten Bar Le Constellation vertreten, sollen laut RTS eine Verschärfung der Anklagepunkte beantragt haben. In ihren Schreiben an die Walliser Staatsanwaltschaft fordern sie demnach, das Betreiberehepaar Jacques und Jessica Moretti wegen vorsätzlicher Tötung und nicht mehr nur wegen fahrlässiger Tötung anzuklagen.
Sollte die Staatsanwaltschaft dem Antrag zustimmen, droht dem Duo eine Haftstrafe von bis zu 20 Jahren. Der Westschweizer Fernsehsender berichtet weiter, dass die Staatsanwälte dem Ehepaar Moretti am vergangenen Freitag belastende Nachrichten vorgelegt haben sollen. Es soll sich um Whatsapp-Nachrichten mit Mitarbeitern des Constellation gehandelt haben.
«Wir werden vorsichtig sein, keine Sorge»
Eine der Nachrichten ist laut RTS auf den 13. Dezember 2019 datiert. In einer Whatsapp-Gruppe mit Mitarbeitern soll Jessica Moretti zu diesem Zeitpunkt vor an Flaschen befestigten Wunderkerzen gewarnt haben. Eben diese waren mutmasslich der Ursprung des Infernos in der Silvesternacht 2025/2026.
«Wenn sie Wunderkerzen wollen, passt gut auf, bleibt dabei, bis die Kerze erlischt, denn wenn sie auf das Sofa oder auf den Boden fällt oder wenn sie zu hoch gehalten werden und den Schaum verbrennen, brennt das Constellation», zitiert der TV-Sender aus der Whatsapp-Gruppe. Ein Mitarbeiter soll den Empfang der Nachricht bestätigt haben. «Wir werden vorsichtig sein, keine Sorge», soll er geschrieben haben. Jessica Moretti soll ihm daraufhin ein Daumen-hoch-Emoji geschickt haben.
«Sie verwendet sehr präzise Worte»
«Dieser Whatsapp-Verkehr beweist, dass dem Ehepaar Moretti die hohe Entflammbarkeit des Akustikschaumstoffs durchaus bewusst war», sagt die Anwältin Sophie Haenni, die die Interessen der Familie der Kellnerin Cyane Panine (†24) vertritt, gegenüber RTS. «Trotzdem verlangten sie von Cyane, mit Kerzen in den Händen auf die Schultern einer Angestellten zu klettern.» Sie fährt fort: «Die Morettis wussten, dass die Bar in Brand geraten konnte. Sie waren sich des damit verbundenen Risikos bewusst und akzeptierten es. Es handelt sich nicht mehr um Fahrlässigkeit, sondern um Tötung mit Eventualvorsatz.»
Für Sophie Haenni ist die von Jessica Moretti verfasste Nachricht eindeutig. «Sie verwendet sehr präzise Worte, um über das damit verbundene Risiko zu sprechen. Es gibt keine Interpretationsmöglichkeit, keine versteckte Bedeutung. Im Gegenteil, sie beschreibt genau, was in der Nacht vom 31. Dezember auf den 1. Januar in Crans-Montana letztendlich geschah.»
Was macht die Staatsanwaltschaft?
Die Anwälte der Morettis sehen die Sache anders. «Wie kann man behaupten, die Morettis hätten eine tödliche Gefahr vorhergesehen? Schlimmer noch, dass sie diese in Kauf genommen hätten? Jessica war in der Unglücksnacht vor Ort. Ihre Anwesenheit ist das beste Alibi für diese absurde Anschuldigung», zitiert RTS Yaël Hayat und Nicola Meier. Der Staatsanwaltschaft müsse klar sein, dass die Anschuldigung Unsinn sei.
Nun muss die Staatsanwaltschaft entscheiden, ob die Anklage gegen die Eigentümer des Le Constellation verschärft wird oder nicht. Die Entscheidung kann noch vor Abschluss der strafrechtlichen Ermittlungen erfolgen.