Darum gehts
- Verheerende Brandkatastrophe in Bar Le Constellation forderte 40 Todesopfer
- Bar-Betreiberpaar Jacques und Jessica Moretti befragt, Jacques Moretti kam in Polizeigewahrsam
- Feuer wurde durch Wunderkerzen an Champagnerflaschen ausgelöst
Walliser Behörden bei Inspektionen offenbar überfordert
Von Angela Rosser, Redaktorin am Newsdesk
Seit der Katastrophe in Crans-Monatana stehen nach wie vor unzählige Fragen im Raum. Antworten auf diese gibt es bisher nur wenige. Nach wie vor gilt es, die Umstände zu klären, wie es zu dem verheerenden Brand hat kommen können.
Im Zentrum stehen auch die Behörden und die Durchführung der Brandschutzinspektionen – oder das Ausbleiben eben dieser. Wie «Le Temps» nun schreibt, scheint sich das Problem nicht nur auf Crans-Montana zu beschränken. Die Zeitung schreibt, man habe «umfangreiche Unterlagen» einsehen können. Diese sollen die Frage nach dem systematischen Charakter dieser Mängel aufwerfen.
Der Bericht über Excel-Tabellen und Untersuchungszyklen liest sich aber wohl genau so verwirrend, wie die Unterlagen selber. Was heraussticht: «Le Temps» konnte mit mehreren Vertretern von Walliser Gemeinden sprechen. Diese wollten zwar alle anonym bleiben, sagen aber übereinstimmend, dass es sehr schwierig, wenn nicht gar unmöglich sei, die jährliche Inspektionspflicht für öffentlich zugängliche Gebäude zu erfüllen. «Wir kommen nicht hinterher», sagte eine Quelle zur Zeitung. Man habe schlichtweg nicht genügend Personal, um das alles zu schaffen, sagt diese weiter.
«Die Anforderungen steigen exponentiell, aber die Ressourcen sind nicht unbegrenzt. Wir müssen ständig Abwägungen bei den verschiedenen Aufgaben treffen und Prioritäten setzen», sagt ein Bürgermeister einer Gemeinde.
Ein Problem sehen die Behördenvertreter auch in der Gesetzgebung. So sei ein Café mit wenigen Plätzen nicht mit einem Club in einem Keller vergleichbar. Damit meinen sie, dass eine jährliche Inspektion nicht überall gleich relevant sei. Ob mit einer Anpassung der Prioritäten das Problem gelöst werden kann, können aber auch sie nicht abschliessend beantworten.
Die Thematik rund um den Brandschutz hat unter anderem meine Kollegin Céline Zahno in einem Artikel beleuchtet. Diesen findest du hier.
Strafverfahren gegen Ex-Sicherheitsverantwortlichen eingeleitet
Von Marian Nadler, Redaktor am Newsdesk
Die Staatsanwaltschaft Wallis hat ein Strafverfahren gegen einen ehemaligen Sicherheitsverantwortlichen in Crans-Montana VS eingeleitet. Das berichtet der Westschweizer TV-Sender RTS. Der Mann soll am 9. Februar vernommen werden.
Bislang wurde nur das Betreiberehepaar Moretti mit rechtlichen Konsequenzen konfrontiert. Nun wird die Untersuchung auf die Gemeinde Crans-Montana ausgeweitet.
Der neue Beschuldigte war für mehrere Brandschutzkontrollen in der Bar zuständig, wie sein Anwalt gegenüber RTS bestätigte.
Das Verfahren dient der Feststellung einer möglichen strafrechtlichen Verantwortlichkeit im Zusammenhang mit den festgestellten Mängeln bei der Überwachung öffentlicher Einrichtungen. Es gilt die Unschuldsvermutung.
Jahrelang hatten die Behörden Sicherheitsmängel in dem Lokal der Morettis übersehen. Durch fünf Systemlücken blieb die Gefahr des Schaumstoffs unentdeckt.
Französische Bank gewährte den Morettis keine Kredite mehr
Von Janine Enderli, Redaktorin am Newsdesk
Während Schweizer Banken dem Betreiberpaar Moretti jahrelang Kredite gewährten, stoppte die französische Bank Crédit Lyonnais bereits 2021 die Finanzierung ihrer Immobiliengeschäfte – nach der Entdeckung fragwürdiger Bürgschaften. Dies berichtet die französische Satirezeitung «Le Canard Enchaîne» in ihrer Ausgabe vom Mittwoch. Die Zeitung ist bekannt dafür, investigative Recherchen zu Polit- und Wirtschaftsskandalen durchzuführen.
Im März 2021 führten Zahlungsverzögerungen dazu, dass das Institut die vom Ehepaar hinterlegten Sicherheiten für Kredite von insgesamt mehr als 1,1 Millionen Euro einer vertieften Prüfung unterzog, heisst es. Diese Kredite waren angeblich für den Erwerb einer Wohnung in Paris im Jahr 2015, einer Villa auf Korsika im Jahr 2018 sowie für die anschliessenden Renovationsarbeiten an dieser Villa im darauffolgenden Jahr bestimmt.
Laut dem Bericht hegte die «Crédit Lyonnais» den Verdacht, dass sich im Finanzierungsdossier gefälschte Dokumente befanden. Daraufhin verlangte die Bank die umgehende Rückzahlung der Darlehen. In der Folge kam es zu einem Vergleich.
Der Bank wurden daraufhin neue Sicherheiten vorgelegt. Jessica Moretti deklarierte dabei ein monatliches Einkommen von 13’827 Euro aus ihrer Anstellung im «Le Constellation».
Wir erinnern uns: Während einer Befragung gaben die Morettis an, ein Gesamteinkommen von 10700 Euro (rund 9900 Franken) aus ihren drei Unternehmen zu verdienen, wie mein Kollege Alexander Terwey am vergangenen Mittwoch in diesem Ticker erklärt hat.
Somit ergibt sich eine klare Diskrepanz zu den Recherchen von «Le Canard Enchaîne». Diese neuen Enthüllungen werfen Fragen zu den Aussagen auf.
Barchef Gaëtan T. erlebte Schreckliches: «Ich erkannte meine Mutter kaum»
Von Janine Enderli, Redaktorin am Newsdesk
Er arbeitete am Abend des 31. Dezember und musste danach mehrere Tage ums Überleben kämpfen. Barchef Gaëtan T. wollte eigentlich schon lange kündigen. Dem 28-Jährigen gefiel es nicht, dass im Le Constellation Minderjährige reingelassen wurden. Aus Angst vor einem Lohnausfall, entschied er sich jedoch, noch bis nach den Feiertagen zu bleiben.
Am Abend der Tragödie arbeitete T. im Obergeschoss der Bar. Als das Feuer ausbrach, versuchte er noch den Opfern zu helfen. Auf dem Weg nach unten verlor er das Bewusstsein.
«Ich erinnere mich an die ersten Schreie», erzählt der junge Mann gegenüber BFMTV. «Ich wurde von einem Gefühl der Panik überwältigt. Ich erinnere mich, dass ich versucht habe, mich mit meinem Arm zu schützen, um so wenig Rauch wie möglich einzuatmen und eine Person herauszuziehen.»
Inmitten der Panik erinnert er sich an fast nichts mehr, nur einige wenige Eindrücke sind ihm geblieben. «Die Menschen drängten sich auf der Treppe und es kam zu einem Stau», bestätigt er Berichte der Polizei, wonach 34 Opfer bei der Treppe gefunden wurden. Mein Kollege Daniel Kestenholz hat in diesem Artikel erklärt, wo die Forensiker auf die 40 Todesopfer stiessen.
«Ich verlor schnell das Bewusstsein... Es ging alles so schnell. Ich weiss nicht einmal, wie ich aus der Bar gekommen bin.»
T. wachte erst eine Woche später in Lausanne auf. Er hatte eine Rauchvergiftung erlitten und zehn Prozent seines Körpers waren verbrannt. «Ich habe meine Mutter kaum erkannt, konnte schlecht sprechen.»
Mittlerweile wurde T. aus dem Spital entlassen. Er glaubt, dass die Tragödie hätte verhindert werden können. Die Arbeit im Le Constellation gefiel ihm nicht. Es sei ein «Chaos» gewesen, zudem glaube er nicht, dass im Obergeschoss ein Feuerlöscher verfügbar war.
Walliser und italienische Ermittler treffen sich laut Botschafter
Von Janine Enderli, Redaktorin am Newsdesk
Die Ermittlungen rund um die Brandkatastrophe von Crans-Montana belasten auch die Beziehungen der Schweiz zu Italien. «Wir sind fassungslos», sagte beispielsweise der italienische Aussenminister Antonio Tajani am Freitag. Diverse italienische Politiker haben sich schockiert darüber gezeigt, dass die Staatsanwaltschaft im Wallis lediglich eine Kaution von 200'000 Franken für Jacques Moretti verlangte.
Nun kommt es offenbar zu einem Treffen zwischen den schweizer und Italienischen Ermittlern. Die Walliser Staatsanwaltschaft wird sich laut dem Schweizer Botschafter in Rom, Roberto Balzaretti, Mitte Februar mit der römischen Staatsanwaltschaft treffen. «Die Zusammenarbeit der Justizbehörden Italiens und der Schweiz im Fall Crans-Montana läuft bereits», sagte Balzaretti in einem Interview mit «CH Media».
Um ein solches Treffen habe Italien gebeten, noch bevor über das Rechtshilfeersuchen entschieden werde, sagte er den Zeitungen. Der Zeitpunkt des Treffens Mitte Februar sei keine «Verzögerung seitens der Schweiz, sondern das erste mögliche Datum für die Staatsanwaltschaft Rom», sagte der Botschafter zu «CH Media».
Die Staatsanwaltschaft in Rom hatte am 13. Januar ein Rechtshilfeersuchen an die Schweiz gerichtet. Das Bundesamt für Justiz habe dieses am darauf folgenden Tag an die Walliser Staatsanwaltschaft übermittelt. Bis am Freitag soll ein Entscheid stattfinden.
Die beiden Strafverfolgungsbehörden haben gemäss dem Bundesamt für Justiz auch die Möglichkeit, sich für die Ermittlung zu gemeinsamen Ermittlungsgruppen zusammenzuschliessen. Solch ein Zusammenschluss sei ein übliches Vorgehen.
Italien hatte am Montag gemeinsame Ermittlungen gefordert. Der italienische Botschafter in der Schweiz wurde nach Rom zurückgerufen und von der italienischen Ministerpräsidentin Giorgia Meloni empfangen. Wie sich Meloni geäussert hat, kannst du hier im Artikel meiner Kollegen nachlesen.
«Es gibt keine zwischenstaatliche Krise», sagte Balzaretti darauf angesprochen. Italiens Aussenminister Antonio Tajani habe gesagt, dass es kein diplomatisches Problem mit der Schweiz, sondern mit bestimmten Entscheidungen der Walliser Justiz gebe. «Das ist übrigens das Äusserste, was man als Politiker angesichts der Gewaltenteilung gegenüber einem Rechtsorgan sagen kann», sagte der Botschafter gegenüber «Le Temps».
Schweiz verweist nach Bitte Italiens erneut auf Walliser Justiz
Von Alexander Terwey, Stv. Teamlead Newsdesk
Erst am vergangenen Montag hat die italienische Regierung um Ministerpräsidentin Giorgia Meloni ihre Forderung nach einer engen Zusammenarbeit zwischen den schweizerischen und italienischen Behörden bei den Ermittlungen zur Brandkatastrophe in Crans-Montana bekräftigt. Sie beschloss sogar, die Rückkehr des italienischen Botschafters in die Schweiz von der Bildung einer gemeinsamen Ermittlungsgruppe abhängig zu machen. Der Botschafter war nach der Freilassung des Betreibers der Bar Le Constellation, Jacques Moretti, abgezogen worden.
Nun hat die Schweiz reagiert. Das Aussendepartement in Bern verwies erneut darauf, dass die Aufklärung in der Zuständigkeit der Walliser Justiz liege. Die politischen Behörden seien nicht zuständig. «Ein Grundprinzip unseres demokratischen Systems ist die Gewaltenteilung, die jedem Staatsorgan spezifische Rollen, Aufgaben und Verantwortlichkeiten zuweist», hiess es vom Eidgenössischen Departement für auswärtige Angelegenheiten (EDA) am Dienstag auf Anfrage der Nachrichtenagentur Keystone-SDA.
Unterdessen hat sich Nicolas Féraud, Gemeindepräsident von Crans-Montana, aus der Deckung gewagt. Was dahinter steckt, erklären meine Kollegen Janine Enderli und Martin Meul in diesem Artikel.
«Darauf kann einen keine Simulation vorbereiten»
Von Daniel Macher, Redaktor am Newsdesk
Knapp vier Wochen nach dem Brand im La Constellation kehren die ersten Feuerwehrleute in den Dienst zurück. Feuerwehrchef David Vocat ringt noch immer mit den Folgen jener Nacht. Gegenüber «24heures» sagt er, er wisse nicht, ob er in einem Jahr noch im Amt sein werde – «aber im Moment lasse ich meine Gemeinde nicht im Stich».
Seine Leute stehen weiter im Einsatz, trotz Schlafmangel und schwerer Erinnerungen. Mehrere Feuerwehrleute sind krankgeschrieben, er selbst arbeitet nur noch Teilzeit und kommt auf «drei bis vier Stunden Schlaf pro Nacht». Übungen und Richtlinien hätten zwar funktioniert, betont er, doch: «Ein Kind sterben lassen zu müssen, um ein anderes zu retten – darauf kann einen keine Simulation vorbereiten.»
Für Reynold Favre, einst Kommandant der Feuerwehr Sierre, sind Katastrophen wie in Crans-Montana «Ausnahmesituationen», auf die sich niemand wirklich vorbereiten könne. Trotzdem hätten nach dem Tunnelbus-Unglück von Siders kaum Leute die Feuerwehr verlassen, erinnert er sich zurück. Petra Prévôt-Lüdi, Generalsekretärin der nationalen Feuerwehr-Koordinationsstelle, sagt, Tragödien schadeten der Rekrutierung meist nicht – im Gegenteil, sie erinnerten an die Bedeutung der Feuerwehr.
Auf Kritik an der kleinen Mannschaft in der Silvesternacht reagiert Vocat mit einem Hinweis auf die Realität der Milizfeuerwehr: «Wir sind ja nicht bei Chicago Fire.» Gleichzeitig warnt er vor längeren Anfahrtszeiten durch zu starke Zentralisierung. Halt findet sein Korps in der grossen Solidarität: Blumen, Kuchen, Dankesbriefe stapeln sich in Vocats Büro – Unterstützung, die vielen hilft, weiterzumachen.
Italienischer Aussenminister kritisiert Höhe der Kaution
Von Daniel Macher, Redaktor am Newsdesk
Die Kritik aus Italien an der Schweiz ebbt weiterhin nicht ab. Italiens Aussenminister Antonio Tajani (72) nahm am Dienstag erneut Stellung und zeigte sich insbesondere über die Höhe der Kaution für den Barbetreiber Jacques Moretti irritiert. 200'000 Franken seien aus seiner Sicht deutlich zu wenig. Bei einer Straftat dieses Ausmasses könne man nicht mit einer derart tiefen Summe reagieren.
Am Rande einer Gedenkfeier in Rom sagte Tajani, die Kaution könne «für eine so schwere Straftat mit Dutzenden von Toten und Hunderten von Verletzten nicht 200'000 Schweizer Franken betragen». Wer wirklich ein Zeichen setzen wolle, müsse eine Kaution von einer Million Franken festlegen – «wie es das Gesetz vorsieht, aber nicht 200'000 Schweizer Franken».
Auch die Zuständigkeit für die Ermittlungen ist Tajani ein Dorn im Auge. Problematisch sei weniger die Schweiz als Ganzes, sondern der Kanton, der den Fall bearbeite. «Das Problem ist nicht die Schweiz als solche, sondern der Kanton, der die Ermittlungen durchführt, in dem sich die Katastrophe ereignet hat», erklärte er. Zugleich betonte er, dass die italienische Seite bereit sei, sich einzubringen: «Die Bereitschaft Italiens, sich an den Ermittlungen zu beteiligen, sollte begrüsst werden, da auch die Staatsanwaltschaft Rom Ermittlungen durchführt.»
Tajani stellte zudem klar, dass die Verantwortung nicht beim Bund liege. Strafrecht und Verfahren seien kantonal geregelt, weshalb auch die gerichtliche Arbeit auf dieser Ebene erfolge. Gerade deshalb sei der bisherige Verlauf problematisch gewesen. Die Ermittlungen hätten, so Tajani, «die Rechte der italienischen Bürger beeinträchtigt», insbesondere weil die Verhaftung zu spät erfolgt sei.
Trotz der scharfen Kritik bleibe die italienische Botschaft in der Schweiz geöffnet, ebenso das Konsulat. Auch das verstehe er als bewusstes Zeichen: «Vorsicht, es muss Klarheit geschaffen werden».
250 Überwachungskameras: Zentrale Aufnahmen aus der Brandnacht fehlen
Von Janine Enderli, Redaktorin am Newsdesk
Videos gehören bei vielen Straftaten zu den wichtigsten Beweismitteln. Sie ermöglichen es Ermittlern, Abläufe zeitlich genau nachzuvollziehen und Ereignisse zu überprüfen. Auch im Fall der Brandkatastrophe von Crans-Montana wären Überwachungsaufnahmen zentral gewesen, um das Geschehen vollständig zu rekonstruieren.
Sowohl private Kameras der Morettis als auch die über 250 öffentlichen Videokameras in der Gemeinde sind jedoch teilweise gelöscht worden, berichtet die «NZZ» unter Berufung auf einen Brief des Polizeikommandanten von Crans-Montana an die Staatsanwaltschaft.
Die Gemeindepolizei habe zwar die Aufnahmen vom 1. Januar zwischen Mitternacht und 6 Uhr gesichert, die Aufnahmen vom 31. Dezember und den Geschehnissen nach 6 Uhr am 1. Januar fehlen jedoch. Sie wurden eine Woche nach dem Unglück gelöscht.
Verstoss gegen Polizeireglement?
Das Fehlen der Aufnahmen widerspricht offenbar klar dem Polizeireglement: Daten aus der Videoüberwachung müssen für Ermittlungszwecke gesichert werden und dürfen nicht voreilig gelöscht werden, berichtet die «NZZ».
Zwar beauftragte die Staatsanwaltschaft bereits am 1. Januar die Sicherung von Kamerabildern im Umfeld der Bar Le Constellation, doch offenbar blieb unklar, welche Zeiträume betroffen sein sollten. Trotzdem hätten die Daten nicht gelöscht werden dürfen:
Das kommunale Polizeireglement schreibt vor, dass Aufnahmen bei laufenden Ermittlungen aufzubewahren sind. Zusätzlich sehen zusätzliche Vorgaben für Straftaten verlängerte Speicherfristen von bis zu hundert Tagen vor.
Erst am 15. Januar verlangte die Staatsanwaltschaft dann weitere Aufnahmen – zu einem Zeitpunkt, als diese bereits automatisch gelöscht waren.
Ob die Gemeindepolizei eine ausdrückliche Weisung zur längeren Speicherung abwartete oder fälschlich davon ausging, die gesicherten Stunden aus der Brandnacht seien ausreichend, bleibt offen.
Akustikschaum löste sich kurz vor dem Inferno von der Decke
Von Sandra Marschner, Redaktorin am Newsdesk
Videos des damaligen Barchefs des Le Constellation, Gaëtan T. (28), zeigen nun: Nur wenige Tage vor der Brandkatastrophe schien sich der Akustikschaum von der Decke zu lösen. Das Westschweizer Radio und Fernsehen RTS veröffentlichte am Montagabend in der Sendung «Mise au point» Videoaufnahmen, die Barchef Gaëtan T. an Bar-Betreiber Jacques Moretti schickte.
Zu sehen ist, wie die Schaumstoffverkleidung absackt. Billardqueues auf Hockern wurden unter anderem als Versuch eingesetzt, das Material wieder zu befestigen. In Sprachnachrichten, die RTS ebenfalls vorliegen, gab Moretti dem Barchef Anweisungen.
Anfang Dezember hatte Gaëtan T. seine Tätigkeit im Le Constellation begonnen. Bald darauf wollte er wegen der Zustände in der Bar und der Anwesenheit von Minderjährigen jedoch kündigen. Aus Sorge kein Gehalt zu bekommen, blieb er jedoch über die Feiertage, erzählte sein Vater gegenüber RTS.
In der Silvesternacht erlitt T. schwere Verbrennungen. Derzeit wird der Franzose in der Nähe des Wohnorts seiner Eltern im Département Gard weiter medizinisch betreut.