Darum gehts
Ihren ersten Freier hat Ajla Bronja (31) mit 17 Jahren – in einem Bordell in Interlaken BE. Ihre ältere Schwester führt sie in diese Welt. Kurz danach arbeitet die Jugendliche selbst dort. Nach ihrem Ausweis fragt nie jemand, auch nicht der Bordellbesitzer.
Die Minderjährige erlebt gleich beim Einstieg sexuelle Gewalt. «Der erste Freier, den ich hatte, war brutal. Es war schlimm», sagt Bronja in einem Café in Bern zu Blick.
Sie will kein Opfer sein
Trotzdem: Bronja will sich nicht als Opfer sehen und betont, dass ihre Erlebnisse im Vergleich mit anderen Frauen «schlimmer sein könnten».
Es sind Erfahrungen, die aus Ajla Bronja später die Kunstfigur Vanny machen werden. Unter diesem Namen spricht sie heute auf Social Media über ihr Leben als Prostituierte. Bronja sagt: «Vanny ist stark, selbstbewusst und unabhängig. Sie lässt sich nichts gefallen, von niemandem.»
Kokainsucht führt zu Prostitution
Mit acht Jahren kommt Ajla Bronja mit ihrer Familie aus Mazedonien über Luxemburg in die Schweiz, geht in Freiburg zur Schule. «Meine Mutter wollte aus mir eine gute Muslima machen, doch ich war ein Partygirl», erinnert sie sich. Zu Hause gibt es Ärger, der Teenager kommt ins Jugendheim. Dort hat sie erstmals Kontakt mit Drogen – Kokain hat es ihr besonders angetan. «Ich war süchtig, noch bevor ich meinen ersten Freier hatte.»
Eines Tages fällt ihr auf, dass ihre ältere Schwester immer Geld hat, sich Luxusartikel leisten kann. «Das wollte ich auch. Also fragte ich sie, wie sie das macht», sagt Bronja. So kommt es zum Kontakt mit der Prostitution.
Etwa ein halbes Jahr arbeitet die junge Frau am Wochenende als Prostituierte. Dann krempelt sie ihr Leben um. Sie will dem Wunsch ihrer Mutter nachkommen, eine Ausbildung zu machen. Sie beginnt eine Lehre als Gastronomiefachfrau in einem Restaurant. Obwohl sie weiterhin Kokain nimmt, schafft sie den Abschluss.
Zurück ins Rotlicht
Doch die Drogen bestimmen Bronjas Leben. Inzwischen ist sie im Restaurant fest angestellt, doch eines Tages fliegt ihre Kokainsucht auf. Bronja: «Ich habe mich geschämt und bin weg.» Der Drogenkonsum stürzte sie in Schulden.
2017 fasst Bronja einen Entschluss: Sie will clean werden, ein neues Leben beginnen. Auslöser ist eine Kokainüberdosis. Sie wäre fast gestorben. Bis auf einen einzigen Rückfall sei sie bis heute clean, sagt Bronja. «Der Entzug war das Schlimmste, was ich bislang durchgemacht habe!»
Doch der Neuanfang kostet Geld, und da sind noch die Schulden. Bronjas Lösung: Zurück in die Prostitution.
Gewalt und Freier
Seither bietet sie Sex für Geld an – mal in Bordellen, mal in Clubs, mal in ihrer Wohnung. Bronja: «Ich war immer meine eigene Chefin, hatte nie einen Zuhälter.»
Zu tun hatte sie mit solchen Leuten dennoch. «Es kam vor, dass mich ein Zuhälter in seinem Stall haben wollte. Weil ich mich weigerte, schickte er Leute, die mich einschüchtern sollten.»
«Männer sind Schweine, wenn...»
Über die Jahre hat die 31-Jährige ein pragmatisches Männerbild entwickelt. Bronja: «Männer sind Schweine, wenn sie nicht bekommen, was sie wollen. Aber Frauen sind da nicht anders.» Rund 95 Prozent ihrer Kunden seien Ehemänner. Bronja weiss genau, was diese suchen: «Ich gebe den Freiern mehr Liebe als ihre Ehefrauen.»
Privat ist Bronja nicht liiert. «Ich weiss nicht, ob ich noch an Liebe glaube. Das Einzige, worauf ich mich immer verlassen konnte, ist Geld.» Ihre monatlichen Einkünfte schätzt sie auf 6'000 bis 20'000 Franken, je nach Arbeitsvolumen.
Was bringt die Zukunft?
Einen guten Teil ihrer Einnahmen macht sie heute auf der Erotikplattform «OnlyFans». Dort verkauft sie erotische Bilder und Videos von sich.
In ihrer Freizeit spricht Bronja als Vanny auf Instagram über ihren Beruf. Sie will ehrliche Einblicke in den Alltag einer Prostituierten geben. Über 7000 Menschen folgen ihr.
Das kommt nicht immer gut an. Regelmässig bekommt sie Hasskommentare. «Da gebe ich dann auch gerne zurück», sagt Bronja und fügt an: «Ich liebe es, die Zeit meiner Hater zu verschwenden. Ausserdem lassen sie mich viral gehen, machen mich berühmt.»
Fragt man Bronja nach ihrer Zukunft, so wird sie nachdenklich, sagt aber klar: «Sollte ich jemals meinen Beruf wechseln, so muss es etwas sein, wo ich annähernd so gut verdiene wie jetzt.»