Darum gehts
- Manuela Andrist hat ihre entlaufene Bulldogge Murphy wieder
- Viele Helfer und Drohne suchten tagelang vergeblich in unwegsamem Gelände
- Der 9-jährige Hund kehrte am Dienstagmorgen weitestgehend unverletzt selbstständig nach Hause zurück
Die letzten Tage waren für Manuela Andrist (55) aus Lanzenhäusern BE alles andere als leicht. Ihre geliebte französische Bulldogge Murphy (9) war für mehrere Tage verschwunden. «Er ist für mich wie ein drittes Kind», sagt die zweifache Mutter zu Blick.
Das kleine Tier hat es offenbar aus eigener Kraft am Dienstagmorgen zurück nach Hause geschafft. Der Hund lief Andrists Vermieterin direkt in die Arme. Wo genau er sich in dem unzugänglichen Gebiet rund um die kleine Berner Gemeinde aufhielt, bleibt ein Rätsel. Murphy war am Freitagnachmittag beim Gassigehen entlaufen.
Seine Besitzerin berichtet von einer unglaublichen Welle der Unterstützung. «Die Solidarität, die ich in den vergangenen Tagen erleben konnte, habe ich noch nie in meinem Leben gespürt», sagt sie gerührt.
Sie hat erst vor zwei Wochen eine neue Arbeitsstelle angetreten, bekam für die Suche extra frei. «Finde deinen Hund», habe ihr Chef zu ihr gesagt. In den sozialen Medien veröffentlichte sie einen Aufruf, der Dutzende Male geteilt wurde. Hunderte Menschen boten ihre Hilfe an.
Riesige Suchaktion: «Bin extrem dankbar»
Die tagelange Suche am Fluss Schwarzwasser gestaltete sich enorm schwer, berichtet Andrist. Das Gebiet, in dem man Murphy vermutete, besteht aus dem Flussbett, hohen Felswänden, steilen Böschungen und «ohne Ende Wald», wie es die Bernerin ausdrückt. «Ich konnte nicht schlafen, Essen wurde zur Nebensache», erzählt die Bernerin.
Hilfesuchend wandte sie sich an die Feuerwehr Rüeggisberg. Die hatte aber nicht die nötige Ausrüstung für den Einsatz. Am Sonntag kamen deshalb Kräfte der Berufsfeuerwehr Bern und suchten nach Murphy. Auch die Tierretter vom Verein Pettrailer Schweiz, die Hundebesitzern bei der Suche nach ihren entlaufenen Tieren helfen, rückten an. Hinzu stiessen auch mehrere Mitglieder des Hundevereins KV Schwarzenburg, in dem Andrist Mitglied ist.
Sie selbst und ihre Familie suchten ebenfalls von morgens bis abends nach der Bulldogge, teils mit Stirnlampen ausgerüstet. Ein Bekannter von Andrist liess sogar eine Drohne mit Wärmebildkamera aufsteigen. Allem Einsatz zum Trotz blieb Murphy verschwunden. Aber immerhin: Mehrere Sucher berichteten, sie hätten ein Bellen vernommen. «Ich bin extrem dankbar für ihre Hilfe», so die Hundehalterin.
Manuela Andrist malte sich schon Horrorszenarien aus
Nachdem die grosse Suchaktion am Sonntag beendet war, sank bei Andrist jedoch die Stimmung. «Ich hatte die Hoffnung schon aufgegeben. Er ist nicht mehr der Jüngste, hat gesundheitliche Gebrechen.» Sie malte sich die schlimmsten Szenarien aus: Murphy, der von einem Tier gefressen wird oder erfriert.
Aufgeben wollte sie die Suche aber nicht. «Für mich war es wichtig, ihn zu finden, egal ob lebend oder tot.»
Umso erfreulicher, dass Murphy den Rückweg doch noch gefunden hat. Am Mittwochmorgen war Andrist mit ihrem Murphy sicherheitshalber beim Tierarzt. «Er wurde durchgecheckt, es ist alles gut. Er hat höchstens eine kleine Prellung.»