Mietobergrenzen der Sozialhilfe
Sie ist bald obdachlos – weil sie ihre Hunde behalten will

Seit über zwei Jahren sucht Marlies Meierhofer eine Wohnung, die den Kriterien für Sozialhilfeempfänger entspricht. Auf der Gemeinde hat man einen Tipp für sie: die Notschlafstelle.
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«Meine drei Hunde sind mein Lebensinhalt», sagt Marlies Meierhofer. Doch mit ihnen findet sie nur schwer eine neue Wohnung.
Foto: Christian Schnur Fotografie

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Tina Berg
Beobachter

«Ich bin verzweifelt, von morgens bis abends. Jeden Tag», sagt Marlies Meierhofer. 

Die 58-Jährige ist abhängig von der Sozialhilfe und braucht dringend eine neue Wohnung. Früher war sie selbständig und hatte ein eigenes Geschäft. In der Pandemie musste sie es schliessen, ein schwerer Schlag. Danach kam sie weder geschäftlich noch privat wieder auf die Beine. Sie brauchte ihr Pensionskassenguthaben auf, um das Geschäft zu retten, doch es nützte alles nichts.

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Im September 2023 erlitt sie einen Zusammenbruch und musste in eine Klinik. Bis heute ist sie arbeitsunfähig, und ihr Psychiater hält es für nahezu ausgeschlossen, dass sich das in absehbarer Zeit ändert. So steht es im Bericht des Psychiaters. 

«Ich finde mit dieser Limite einfach nichts»

Depressionen bestimmen den Alltag von Marlies Meierhofer. Dazu kommen Angstzustände und Panikattacken. Und vor allem die Wohnungssuche. Im September 2026 muss sie hinaus aus ihrer Wohnung. Der Vermieter hat Eigenbedarf angemeldet. 

Seit über zwei Jahren schon sucht sie vergeblich eine neue Wohnung, die den Mietzinsrichtlinien der Sozialhilfe entspricht. In Killwangen AG, wo sie wohnt, bedeutet dies für einen Einpersonenhaushalt eine Monatsmiete von 900 Franken, ohne Nebenkosten. «Es ist unmöglich, ich finde mit dieser Limite einfach nichts. Auch in umliegenden Gemeinden nicht», sagt sie. Die Mietzinsrichtlinien der Sozialhilfe passen oft nicht mit der Realität auf dem Wohnungsmarkt zusammen, darüber hat der Beobachter bereits mehrfach berichtet

Kürzlich hat Meierhofer sich beim Sozialdienst in Spreitenbach AG erkundigt, der auch für Killwangen zuständig ist. «Ich fragte: ‹Um Gottes willen, was ist, wenn ich keine Wohnung finde? Was passiert dann mit mir?›» Die Antwort war für Meierhofer wie ein Schlag ins Gesicht. Ihr wurde das Hope in Baden AG empfohlen. Eine Notschlafstelle!

Zwei-Zimmer-Wohnungen sind rar

Bevor jemand obdachlos werde, müsse man jede Unterbringungsmöglichkeit prüfen, auch vorübergehende, sagt Belinda Turnell, die Leiterin des Sozialdienstes in Spreitenbach. «Notunterkünfte können in solchen Situationen eine kurzfristige Lösung sein.»

Allerdings könnte Marlies Meierhofer ihre Hunde nicht dorthin mitnehmen. Sie hat einen Chihuahua und zwei Zwergspitze: «Meine drei Hunde sind mein Lebensinhalt», sagt sie. Wie wichtig die Tiere für sie sind, bestätigen sowohl ihr Hausarzt als auch der Psychiatrische Dienst Aargau. Verliere sie die Hunde, wirke sich das «stark destabilisierend» für Marlies Meierhofer aus, attestieren beide.

Beim Sozialdienst Spreitenbach räumt Belinda Turnell ein, dass das Wohnangebot insbesondere im unteren Preissegment in den letzten Jahren knapper geworden sei und Betroffene Mühe hätten, etwas zu finden. Vor allem Zweizimmerwohnungen seien in der Gemeinde rar. Und eine solche braucht Meierhofer gemäss ärztlichem Attest, damit sie Ruhe findet und ihre Hunde unterbringen kann.

Gemeinden erhöhen Hürden für Sozialhilfeempfänger

Die Sozialen Dienste beschränken sich gemäss Turnell auf Unterstützung innerhalb des Gemeindegebiets. «Die betroffenen Personen werden jedoch angehalten, auch ausserhalb der Gemeinde aktiv nach Wohnraum zu suchen», sagt sie. 

Das ist allerdings nicht so einfach, erklärt Andreas Hediger, Geschäftsleiter der Unabhängigen Fachstelle für Sozialhilferecht (UFS). Um keine Sozialhilfebezüger anzuziehen, geben viele Gemeinden nicht gerne preis, wie hoch ihre Mietzinsrichtlinien sind. «Der politische Wille zur Transparenz ist nicht einmal ansatzweise vorhanden.»

So seien Mietzinsrichtlinien selten online aufgeschaltet. «Die Gemeinden schaffen auf diese Weise Hürden, denn Betroffene müssen dort anrufen und nachfragen. Dann ist vielleicht die zuständige Person gerade nicht da oder die Richtlinie in Überarbeitung. Unsere Erfahrung zeigt, dass es zahlreiche Varianten gibt, wie man die Hürden noch mehr erhöhen kann», sagt Hediger. 

Marlies Meierhofer quält sich weiter täglich durch ihre Suchabos. «Ich kann an fast nichts anderes mehr denken und brauche immer mehr Medikamente.»

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