Darum gehts
- Aargauer FDP-Grossräte fordern Veröffentlichung von Blitzer-Standorten zur Unfallprävention
- Regierung lehnt Vorschlag ab, verweist auf Aufwand und mögliche Fehler
- Solothurner Pilotprojekt: Ergebnisse über Auswirkungen transparenter Radarkontrollen noch ausstehend
Der grelle Blitz, der plötzlich aufleuchtet, und der Ärger, der folgt – wer kennt es nicht? Genau über diesen Überraschungseffekt bei mobilen Radarfallen streiten Aargauer Politiker und Behörden. Die FDP-Grossräte Reto Wettstein und Tim Voser fordern, dass die Polizei die Blitzer-Standorte systematisch veröffentlicht. Ihr Argument: Wer weiss, wo geblitzt wird, fährt langsamer. Die Offenlegung wirkt präventiv und stärkt das Vertrauen in die Polizei.
Die Aargauer Regierung lehnt ab. Eine systematische Veröffentlichung ist ihr zu aufwendig und fehleranfällig – auch wenn sie den präventiven Effekt offener Kommunikation sieht. Der Regierungsrat will keine kantonalen Vorgaben erlassen, sondern den Entscheid den regionalen Polizeikorps überlassen. Die Regionalpolizei Brugg beispielsweise veröffentlicht ihre Blitzer-Standorte – andere verzichten darauf.
Das ist ein Beitrag aus dem «Beobachter». Das Magazin berichtet ohne Scheuklappen – und hilft Ihnen, Zeit, Geld und Nerven zu sparen.
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Dass Transparenz möglich ist, zeigt der Nachbarkanton Solothurn. Dort lief ein dreijähriges Pilotprojekt, bei dem die Standorte von stationären und semistationären Radaranlagen online veröffentlicht wurden. Ziel war es, herauszufinden, ob Transparenz Unfälle und Geschwindigkeitsüberschreitungen reduziert. Ob dem so ist, ist allerdings noch unklar. Die Ergebnisse wurden noch nicht veröffentlicht.
Forschung betont Wichtigkeit von psychologischem Hebel
Und was sagt die Forschung? Gemäss der Beratungsstelle für Unfallverhütung (BfU) liegt der psychologische Hebel von Geschwindigkeitskontrollen in der «Kontrollerwartung» – dem Gefühl, jederzeit und überall erwischt werden zu können.
«Veröffentlichte Standorte an Gefahrenstellen können das Tempo senken», sagt Christoph Leibundgut von der BfU. Doch sei es falsch, allein auf Transparenz zu setzen. Das grösste Risiko: Autofahrer passen sich an bekannte Kontrollpunkte an, bremsen vor dem Blitzer und beschleunigen danach wieder – ein Verhalten, das Experten «Känguru-Fahrweise» nennen. Studien, die belegen, dass die Online-Veröffentlichung von Standorten die Unfallzahlen langfristig senkt, liegen der BfU nicht vor.
Die Fachstelle plädiert für eine Mischstrategie: Ein wirksames System kombiniert vorhersehbare Kontrollen an kritischen Punkten mit unangekündigten Blitzern im gesamten Netz. Denn auch wenn dialogbasierte Anzeigen wie «Smileys» sensibilisieren, bewirken laut BfU erst verbindliche Kontrollen mit echten Sanktionen nachhaltige Verhaltensänderungen.