Alter der Organe
Neuer Test verrät die Schwachstellen deines Körpers

Ein Herz wie Anfang 50, aber eine Leber, die bereits über 80 ist: Ein neuer Bluttest will das biologische Alter einzelner Organe sichtbar machen.
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Der Schweizer Wissenschaftler Tony Wyss-Coray hat einen Bluttest entwickelt, der das biologische Alter unserer Organe schätzt.
Foto: zVg

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Frederik Jötten
Frederik Jötten
Beobachter

Am Ende der Konsultation sagt der Arzt zum Patienten: «Ihr Herz ist 53 – aber Ihre Leber ist leider schon 85.» Was klingt wie ein Witz, könnte bald Wirklichkeit werden. Der Schweizer Wissenschaftler Tony Wyss-Coray, Professor für Neurologie an der Universität von Stanford (USA), hat einen Test entwickelt, der das biologische Alter unserer Organe bestimmen soll. Am Schweizer Campus für gesunde Langlebigkeit an der Universität Basel wird er in Studien schon angewendet.

«Jedes Organ hat eine Handschrift, die sich mit dem Alter verändert», erklärt Campus-Leiterin Heike Bischoff-Ferrari, Professorin für Altersmedizin an der Universität Basel. «Diese besteht aus Proteinen, die im Blut nachgewiesen werden können.» Wissenschaftler um Tony Wyss-Coray ermittelten die Signatur der Organe, indem sie zuerst Proteine im Blut identifizierten, die für die einzelnen Organe charakteristisch sind. Dann verglichen sie im Blut von Tausenden Menschen, wie sich die Konzentration dieser Proteine mit dem Alter veränderte. Mit künstlicher Intelligenz bestimmten sie, welcher Wert für ein Alter normal war. So entwickelten sie das Modell, um das biologische Alter von Organen zu schätzen.

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Nicht nur an der Uni Basel, sondern auch am renommierten Max-Planck-Institut für Biologie des Alterns in Köln hält man viel von dem Verfahren. «Es ist auf jeden Fall ein sinnvoller Test, der für die klinische Forschung sehr wichtig sein wird», sagt Wissenschaftler Sebastian Grönke. «Interessant war, dass bei den meisten Menschen ein Organ deutlich schneller gealtert war als die restlichen.»

Doch wozu könnte es überhaupt nützlich sein, das Alter einzelner Organe zu kennen? «Bislang können wir Veränderungen erst sehen, wenn sie nicht mehr rückgängig zu machen sind», sagt Bischoff-Ferrari. «Unsere Hoffnung ist, dass wir durch den Test in Zukunft so früh eingreifen könnten, dass wir irreversible Schäden noch abwenden können.» Dass man etwa bei einem vorzeitig gealterten Herz mit Medikamenten Herzkrankheiten verhindern kann.

Konkreter Nutzen des Organ-Alterstests noch unklar

Wenn von Hoffnung die Rede ist in der Medizin, dann bedeutet das immer: Eine nützliche Anwendung für den Menschen ist noch weit entfernt. Ja, es ist noch nicht einmal klar, ob der Organ-Alterstest uns überhaupt jemals helfen wird, länger gesund zu bleiben. «Es braucht den Beleg aus hochqualitativen Studien, dass frühzeitige präventive Massnahmen den Alterungsprozess unserer Organe verlangsamen oder sie sogar verjüngen», sagt Bischoff-Ferrari. «Nur wenn das Testergebnis sich unter einer Therapie verändert, können wir den Erfolg einer Behandlung beurteilen.»

Die Studien dazu haben begonnen, unter anderem an der Uni Basel. Dahinter steckt nicht der Wunsch nach einem viel längeren Leben. «Heute liegt die Lebenserwartung um die 80 Jahre – aber gesund sind wir im Schnitt nur bis 64», sagt Bischoff-Ferrari. «Die gesunde Lebensspanne zu verlängern, ist unser Ziel.»

Allerdings sollte man sich darüber im Klaren sein, dass ein solcher Test im Moment zwar gute Ergebnisse für den Durchschnitt der Bevölkerung ergibt, für den Einzelnen die Aussagekraft jedoch begrenzt ist. Die Fehlergenauigkeit liege bei drei Jahren, sagt der Kölner Wissenschaftler Grönke. «Für ein Individuum kann man kaum eine verlässliche Aussage machen, denn es gibt immer statistische Ausreisser.» Grönke sieht den Test eher als Mittel, um etwa die Wirkung eines veränderten Lebensstils oder von Medikamenten zu überprüfen. Denn über eine grosse Gruppe von Menschen sei er aussagekräftig.

Longevity für alle

Das Verfahren wirft auch ethische Fragen auf – mancher Mensch möchte vielleicht lieber nicht wissen, dass er stark gealterte Organe hat. «Ein solcher Test muss natürlich freiwillig sein», sagt Bischoff-Ferrari. «Er muss ausserdem in ärztlicher Hand sein und darf nur in Zusammenhang mit einer körperlichen Untersuchung angeboten werden.» All diese Bedingungen sind in der Referenz-Sprechstunde für gesunde Langlebigkeit in Basel gegeben. «Sie ist noch in der Pilotphase und soll zukünftig möglichst vielen Menschen zugänglich sein», sagt Bischoff-Ferrari. «Gesunde Langlebigkeit darf nicht den Reichen vorbehalten sein.»

Für die Sprechstunde gibt es eine Warteliste. Die gute Nachricht ist: Wenn man die Wahrscheinlichkeit für gesundes Altern steigern will, muss man nicht auf einen Termin dort oder die Ergebnisse langwieriger Studien warten. Es ist gut belegt, was man dafür tun kann – und das Beste ist: Viele Lebensstilfaktoren helfen gleichzeitig mehreren Organen.

Die Medizinische Abteilung der Harvard-Universität etwa hat sechs Faktoren zusammengestellt, die das Gehirn jung halten sollen: ausreichend Schlaf, Stressreduktion, soziale Kontakte pflegen, Sport treiben, neue Dinge lernen und gesund essen. Vier von diesen Faktoren sind auch wichtig, um Herz und Gefässe gesund zu halten, mindestens zwei sind entscheidend für die Lebergesundheit. «Und die positiven Auswirkungen der Lebensstilfaktoren addieren sich», sagt Bischoff-Ferrari. Viel hilft viel.

Wozu also ein teurer Test, wenn ohnehin bekannt ist, wie man gesund alt wird? «Erfahrungsgemäss steigt die Motivation, gesünder zu leben, wenn man schwarz auf weiss hat, dass das Risiko etwa für einen Herzinfarkt stark erhöht ist», sagt Grönke.

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