Darum gehts
Als gläubige Katholikin wünscht sich Paula Fischer ein Grab auf dem Friedhof. Sie glaubt fest daran, dass der Körper als Ganzes in die Erde gehört, um dort auf das ewige Leben zu warten. Doch in ihrem Wohnort Basel-Stadt – und nicht nur dort – entscheidet über die letzte Ruhe nicht nur der Glaube, sondern auch das Bankkonto.
Paula Fischer heisst eigentlich anders. Mit 72 Jahren plagt sie die Gesundheit, also regelt sie, was zu regeln ist: Patientenverfügung, Erbe, Bestattung. Letztere sei für Einwohnerinnen kostenlos, verspricht die Website des Kantons.
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Wer nicht bezahlt, wird kremiert
Als sich Fischer bei der Stadtgärtnerei erkundigt, folgt die Ernüchterung: Wer ein Grab will, muss die Pflege für 20 Jahre garantieren. Da Fischer keine Angehörigen hat, bleibt nur der Griff ins Portemonnaie. Rund 2800 Franken soll sie im Voraus berappen, damit ihr Reihengrab nicht irgendwann verwahrlost. Ein Schock für die Rentnerin, die von Ergänzungsleistungen lebt.
Auch bei der Pro Senectute beider Basel, wo sie Hilfe sucht, ist man überrascht: «Basel-Stadt wirbt aktiv mit der kostenlosen Bestattung. Das gilt aber anscheinend nur für Menschen mit Angehörigen. Hätte sich Frau Fischer nicht rechtzeitig informiert, wäre sie nach ihrem Ableben einfach kremiert worden.»
Das zuständige Bau- und Verkehrsdepartement bestätigt: «Die Anordnungen einer Person sind nur verbindlich, wenn die Kosten getragen werden.» Deshalb wird vor der Bestattung sichergestellt, dass die Finanzierung der Grabpflege gewährleistet ist. Immerhin gibt es bei bestehenden Gräbern eine Entwarnung im Härtefall: Reihengräber würden immer erst nach Ablauf der 20-jährigen Ruhefrist geräumt. Im Notfall übernehme der Friedhof eine Minimalpflege – etwa wenn Angehörige früher sterben.
Als weitere Lösung schlägt das Departement das Wiesengrabfeld vor. Dort ist der Unterhalt mit 622 Franken für 20 Jahre deutlich günstiger.
Von kostenlos bis vierstellig
Dass für die letzte Ruhe bezahlt werden muss, ist auch andernorts üblich. Doch wie tief man in die Tasche greifen muss, unterscheidet sich stark. In der Schweiz ist das Bestattungswesen ein Flickenteppich. Schon 2022 stellte der Preisüberwacher bei einem Vergleich der Kantonshauptstädte «extreme Unterschiede» fest. Während das Reihengrab in 15 Städten gratis ist, kassieren andere vierstellige Beträge.
Zwar senkten einige Gemeinden nach der Kritik ihre Tarife, der Blick auf die Landkarte zeigt aber noch immer grosse Unterschiede: In Schwyz kostet das Reihengrab 300 Franken, in Herisau 760 Franken, in Bern stolze 1081 Franken. Die Grabpflege kommt meist obendrauf. Kurz: Wer arm oder allein ist, hat sogar beim Ableben noch Pech.
So hilft SOS Beobachter
Die letzte Ruhe darf nicht zum Luxus werden – so das Credo der Stiftung SOS Beobachter. «Es hat uns überrascht, dass eine Erdbestattung für alleinstehende und armutsbetroffene Menschen so teuer ist», sagt Geschäftsführer Beat Handschin. Für Paula Fischer sei die persönliche Not so gross, dass die Stiftung einen Teil des Betrags übernehme. «Mit einer einmaligen Spende können wir ihr nachhaltig helfen», so Handschin.
Paula Fischer kann aufatmen. Ein Platz auf dem Friedhof ist ihr nun sicher.