Darum gehts
- Yale-Studenten verzichten vier Wochen auf Smartphones, um kreatives Schreiben zu üben
- Fünf Kantone in der Schweiz haben generelles Handyverbot an Schulen eingeführt
- Kein Handyverbot an befragten Schweizer Hochschulen geplant
Lernen ganz ohne Google oder ChatGPT, aber auch ohne ständige Ablenkungen durch Social Media und andere Apps: Jeden Sommer geht eine Gruppe Studentinnen und Studenten der Universität Yale im Rahmen eines Schreibworkshops unter Leitung der Essayistin Colleen Kinder offline.
Vier Wochen lang arbeiten die Studis an eigenen Texten. Während des Seminars bleibt das Smartphone aus. Auch in der Freizeit verzichten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer auf ihr Handy, erkunden ihre Umgebung oder treiben Sport.
Vier Kantone verbieten Handys an Schulen
Kinder ist von den Ergebnissen so überzeugt, dass sie nun internetfreie Zonen an jeder Universität fordert. Sie hält sogar einen komplett internetfreien Campus für denkbar, wie sie in einem Gastbeitrag für die «New York Times» schreibt. «Meine Studierenden schwärmten davon, wie nah sie sich gekommen sind, gerade weil ihre Handys nirgends zu sehen waren», beschreibt sie die Erfahrung. Seit 2017 gilt das Smartphone-Verbot in ihrem Kurs.
Hierzulande wird eifrig über ein Handyverbot an Schulen diskutiert. Während der Kantonsrat in Luzern den Smartphone-Bann ablehnt, gilt im Aargau, Jura, Wallis und Nidwalden neu ein generelles Verbot, in der Waadt ist es bereits seit 2018 in Kraft.
Aber studieren ohne Handy? Was denken Schweizer Universitäten darüber? Blick hat nachgefragt.
Keine internetfreien Zonen an der Universität Basel
«An der Universität Basel werden keine Lehrveranstaltungen angeboten, die vergleichbar wären mit jenen der Yale University. Es sind auch keine solchen geplant», macht Mediensprecher Matthias Geering auf Anfrage klar. «Das Bedürfnis einer Internet-freien Zone wurde bislang nicht geäussert.» Mit der Psychologieprofessorin Lara Wolfers forscht immerhin eine Mitarbeiterin zum Thema Handyverbot.
An der École Polytechnique Fédérale de Lausanne (EPFL) sind Mobiltelefone nur während Prüfungssessionen verboten. Ein grösseres Handyverbot ist nicht vorgesehen. «Die EPFL verfolgt eher einen Ansatz der individuellen Verantwortung hinsichtlich der Nutzung digitaler Geräte», betont EPFL-Sprecher Emmanuel Barraud.
Forscher der Uni Bern an Smartphone-Projekt beteiligt
Man könne sich «Problem-Solving»-Sitzungen – Übungen, bei denen Studenten ohne Rückgriff auf das Internet Probleme lösen – vorstellen, ergänzt Barraud. Diese Idee wurde aber noch nicht umgesetzt.
An der Universität Bern ist ein Handyverbot ebenfalls kein Thema, wie Mediensprecherin Liselotte Selter mitteilt. Forscher des Instituts für Erziehungswissenschaft der Universität Bern erarbeiten aktuell allerdings eine Bedarfsanalyse für Primarschulen im Kanton Bern.