Darum gehts
- Linksradikale planen am Samstag eine unbewilligte Demo in Bern gegen das WEF
- Pro-Palästina-Gruppen schliessen sich an, es wird Gewalt wie bei früheren Demos befürchtet
- Bei einer solchen Demo im Oktober wurden 18 Polizisten verletzt und 500 Demonstrierende festgehalten
Ende des Tickers
Liebe Blick-Leserin, lieber Blick-Leser
An dieser Stelle beenden wir diesen Ticker mit den Ereignissen des Samstags. Auf Blick.ch informieren wir dich weiterhin über alle wichtigen Entwicklungen.
Bern zieht positive Bilanz
Der Stadtberner Sicherheitsdirektor Alec von Graffenried (Grüne Freie Liste) hat sich im Nachgang der Anti-WEF-Demonstration vom Samstag zufrieden mit dem Ausgang gezeigt. Das Grossaufgebot habe die unbewilligte Veranstaltung kontrolliert begleitet, bilanzierte er.
«Ich bin froh, dass es gestern zu keinen Ausschreitungen wie anlässlich der unbewilligten Kundgebung letzten Herbst gekommen ist», schrieb er in einer Stellungnahme an die Nachrichtenagentur Keystone-SDA am Sonntag. Tags zuvor löste die Polizei mit einem massiven Aufgebot eine Kundgebung gegen das Weltwirtschaftsforum auf.
Dem Gemeinderat sei es wichtig, «dass friedlich demonstriert werden kann, aber ohne Gewalt und Sachschäden», so von Graffenried. Das sei am Samstag beides gelungen. Die Stadt hatte die Weisung erteilt, eine Platzkundgebung zu tolerieren - nicht aber einen Umzug. Nachdem sich die Demonstrierenden in Bewegung setzten, stellten die Einsatzkräfte ein Ultimatum und kesselten die Verbliebenen ein.
Zufrieden zeigte sich auch der kantonale Sicherheitsdirektor Philippe Müller (FDP). In einem Beitrag auf der Plattform X bedankte er sich für die «gute Arbeit der Polizei». Von Linksaussen hingegen gab es Kritik: Die Alternative Linke (AL) sei schockiert über den Polizeieinsatz, schrieb sie in einem Communiqué. Die Partei verurteile «diese Machtdemonstration der Polizei, die die Bewegungsfreiheit in der Stadt ausser Kraft gesetzt hat».
Bilanz der Kantonspolizei: 200 Kontrollen, 25 Festnahmen
Die Kantonspolizei Bern zieht ein Fazit über die Massnahmen gegen die unbewilligte Anit-WEF-Demo am Samstagnachmittag auf dem Berner Bahnhofplatz. «Den Teilnehmenden wurde die Möglichkeit eingeräumt, die Kundgebung auf dem Bahnhofplatz bis um 16.15 Uhr durchzuführen», schreibt die Kantonspolizei in einer Medienmitteilung. «In der Folge wurden die Kundgebungsteilnehmenden mehrfach aufgefordert, die Kundgebung zu beenden und den Bahnhofplatz zu verlassen. Zahlreiche Teilnehmende kamen dieser Aufforderung nach.»
Die verbleibenden Teilnehmenden wurden demnach bei der Heiliggeistkirche eingekesselt. Anschliesend wurden sie einer Personenkontrolle unterzogen. Insgesamt wurden der Mitteilung zufolge rund 200 Personen kontrolliert und weggewiesen. Zudem wurden 25 Personen angehalten und für weitere Abklärungen in Polizeiräumlichkeiten gebracht, unter anderem «wegen mutmasslichen Straftaten wie Hinderung Amtshandlung sowie Gewalt und Drohung gegen Beamte».
Im Zuge der Personenkontrollen und der Kontrollen der umliegenden Abfalleimer beim Besammlungsort konnte diverses Vermummungs-, Wurf- und Schlagmaterial sowie Pyrotechnika sichergestellt werden. Da es im Kessel zeitweise zu Tumulten kam, musste einmal kurzzeitig Pfefferspray eingesetzt werden.
Sieben Mitarbeitende der Kantonspolizei Bern wurden durch die Kundgebungsteilnehmenden mit Laser geblendet, drei davon hatten Beeinträchtigungen und mussten sich zur Kontrolle ins Spital begeben. Weitere Verletzte sind aktuell nicht bekannt. Aufgrund der Kundgebung kam es rund um den Bahnhofplatz zu erheblichen Verkehrseinschränkungen. Diverse Linien des öffentlichen Verkehrs waren für mehrere Stunden unterbrochen.
Demo aufgelöst, Polizei zieht ab
Gegen Samstagabend beendet die Polizei die Personenkontrollen. Wie sie in einem Beitrag auf X mitteilt, seien den Eingekesselten mobile Toiletten und Verpflegung zur Verfügung gestellt worden. Ausserdem habe sie Vermummungs-, Wurf- und Schlagmaterial sowie Pyrotechnika sichergestellt.
Inzwischen fliesst der Verkehr wieder am Berner Bahnhofplatz. Alles ist ruhig. Die Beamten ziehen ab.
Polizei führt Personenkontrollen durch
Der Bahnhofplatz wurde weiträumig abgeriegelt, die Demonstrierenden wurden von den Einsatzkräften umzingelt. Entlang der Absperrung haben sich Hunderte Zuschauer versammelt.
Auf dem Bahnhofplatz führt die Polizei Personenkontrollen durch. Die Situation ist unter Kontrolle: Erste Einsatzkräfte ziehen ihre Gasmasken ab. Rund 50 Beamte in Vollmontur verlassen schliesslich den Platz.
Passant beschimpft Demonstranten
Beamte kesseln Demonstrierende ein
Die Einsatzkräfte ziehen den Radius des Kessels enger: «Ab jetzt kommt niemand mehr raus», hört man durch die Polizeilautsprecher. «Es werden Personenkontrollen durchgeführt.» Die Demonstrierenden leisten keine grosse Gegenwehr.
Polizei droht mit Festnahmen
Die Polizei verliert langsam aber sicher die Geduld: «In zehn Minuten muss der Platz geräumt werden, ansonsten ist mit Festnahmen zu rechnen», teilt sie in einer Durchsage mit.
Wasserwerfer versperrt Weg zur Reithalle
Rund 120-150 Einsatzkräfte in Vollmontur sind vor Ort, dazu Dutzende Einsatzwagen rund um den Berner Bahnhofplatz. Vor kurzem kam auch ein Wasserwerfer hinzu. Das Spezialfahrzeug blockiert den Weg in Richtung Reithalle.
Der Demozug kreist um den Platz. Die Polizei hat sich strategisch aufgestellt und verhindert, dass der Zug sich weiterbewegt. Seitens der Demonstrierenden gab es bisher keine Versuche, die Polizeisperre zu durchbrechen. Die Teilnehmenden sind zahlreich, halten sich bisher aber an die Vorgaben der Polizei.
Die ersten Demonstranten vermummen sich
Hunderte Demonstranten versammeln sich gegen 15.30 Uhr am Bahnhofplatz. Die Stimmung ist noch friedlich. Viele Teilnehmer beginnen, sich zu vermummen.
Sprechchöre heizen die Stimmung auf. Die Kastenwagen der Polizei rücken näher an die Demonstranten. Eine Polizeidurchsage ertönt: «Die Versammlung wird toleriert. Demonstrationszüge sind verboten und werden verhindert.» Die Stimmung ist angespannt, aber gesittet. Rund 400 Leute haben sich bisher am Bahnhofplatz versammelt.
Die Kantonspolizei Bern schreibt auf der Plattform X, erste Kundgebungsteilnehmer hätten sich am Bahnhofsplatz versammelt. «Mehrere Dialogteams stehen im Einsatz und versuchen, Kontakt zu den Kundgebungsteilnehmenden aufzunehmen.»
Derweil setzt sich der Demonstrationszug in Bewegung. Zahlreiche mit Helmen und Schildern ausgerüstete Polizsten stellen sich den Teilnehmern in den Weg.
«Smash WEF» oder «Friede der Welt, Krieg dem WEF» – die Parolen verheissen nichts Gutes. Für Samstag rufen Linksradikale zu einer unbewilligten Demo in Bern auf. Protestiert wird einmal mehr gegen das am Montag startende Weltwirtschaftsforum in Davos.
Dafür haben sich Pro-Palästina-Gruppen mit den WEF-Kritikern solidarisiert, wie die NZZ schreibt. Das heisst: Es werden sich dieselben Gruppen in Bern versammeln, die schon an der Pro-Palästina-Demo im vergangenen Oktober für eine Gewaltorgie gesorgt haben.
Bern setzt weiter auf Deeskalation
Die Berner Altstadt glich damals einem Schlachtfeld. Während der unbewilligten Demo kam es zu massiver Gewalt. Einsatzkräfte wurden mit Flaschen, Feuerwerkskörpern und anderen Gegenständen attackiert. 18 Polizeiangehörige wurden verletzt. Das Restaurant Della Casa fiel beinahe einer Brandstiftung zum Opfer. Über 500 Demonstrierende wurden festgehalten.
Die Gewalteskalation löste scharfe Debatten aus. Bürgerliche und Gewerbetreibende stellten die Deeskalationsstrategie infrage. Die links-grüne Stadtregierung liess die Demo trotz fehlender Bewilligung laufen.
Und auch nach Schäden in Millionenhöhe und vielen Verletzten: Berns Exekutive ist nach wie vor davon überzeugt, richtig gehandelt zu haben. Das stellt sie in ihrem am Donnerstag veröffentlichten Bericht klar. Ein frühzeitiges Auflösen der Demo hätte «mit hoher Wahrscheinlichkeit» zu einer Eskalation geführt – eine Einschätzung, die von der Berner Kantonspolizei geteilt wird. Nur: Zur Eskalation ist es dennoch gekommen.
Polizei warnt vor Einschränkungen
Drohen nun bereits die nächsten Ausschreitungen? Die Berner Kantonspolizei jedenfalls hat ein Grossaufgebot in der Berner Innenstadt angekündigt. Bei der Stadt Bern als Bewilligungsbehörde sei dazu kein entsprechendes Gesuch eingegangen.
Aufgrund der aktuellen geopolitischen Lage, der erwarteten Grösse und «mit Blick auf vergangene ähnlich gelagerte Kundgebungen» werde man mit zahlreichen Polizistinnen und Polizisten im Einsatz stehen. Auch Verstärkung aus anderen Kantonen werde beigezogen.
Gerade im Bereich des Bahnhofs sei am Nachmittag mit Verkehrseinschränkungen zu rechnen. Die Polizei ruft die Bevölkerung dazu auf, allfällige Sperren zu beachten und mehr Zeit für Wege in die Stadt einzuplanen.
Stadtregierung will an Strategie festhalten
Am Freitagabend warnte schliesslich auch die US-Botschaft in Bern vor der unbewilligten Demo. In der Mitteilung, welche die Botschaft auf X verbreitete, ist von einer «Sicherheitswarnung» die Rede.
Die Stadtregierung will ihre bisherige Strategie beibehalten, die Kundgebung nicht zu verhindern, sondern sie deeskalierend zu begleiten. Schliesslich komme es bei über 300 Kundgebungen pro Jahr in Bern selten zu solchen Ausschreitungen. Daher halte es die Stadtregierung «für falsch, nach den Gewaltexzessen vom 11. Oktober 2025 alles Bewährte aufzugeben».
Bern hofft nun, dass die Stadtregierung am Samstag nicht eines Besseren belehrt wird.