Gaza-Demonstranten zünden Pyros
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Stadt Bern verteidigt Vorgehen
Nach Gewalt-Demo seien keine Fehler passiert

Trotz Verletzten und Sachschäden in Millionenhöhe: Die Berner Stadtregierung würde nach der Pro-Palästina-Gewaltorgie vom Oktober nicht viel anders machen. Die Kantonspolizei sieht das nicht ganz so.
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Der Sachschaden nach der unbewilligten Palästina-Demo vom vergangenen Oktober in Bern geht in die Millionen.
Foto: Social Media

Darum gehts

  • Unbewilligte Pro-Palästina-Demo am 11. Oktober 2025 eskalierte in Bern
  • Stadtregierung verteidigt Deeskalationsstrategie trotz Millionen-Schäden und 18 verletzten Polizisten
  • Über 500 Demonstrierende festgenommen, Bern zählt jährlich über 300 Kundgebungen
Die künstliche Intelligenz von Blick lernt noch und macht vielleicht Fehler.
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Daniel BallmerRedaktor Politik

Die Berner Altstadt glich einem Schlachtfeld. Während der unbewilligten Demo vom vergangenen Oktober kam es zu massiver Gewalt. Einsatzkräfte wurden mit Flaschen, Feuerwerkskörpern und anderen Gegenständen attackiert. 18 Polizeiangehörige wurden verletzt. Das Restaurant Della Casa fiel beinahe einer Brandstiftung zum Opfer.

Über 500 Demonstrierende wurden festgehalten – die meisten waren rasch wieder auf freiem Fuss. Die Gewaltorgie an der Pro-Palästina-Demo löste scharfe Debatten aus. Bürgerliche und Gewerbetreibende stellten etwa die Deeskalationsstrategie infrage. Die Berner Stadtregierung liess die Demo trotz fehlender Bewilligung laufen.

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«Heftigkeit der Gewalt übertraf das erwartete Ausmass»

Trotz Schäden in Millionenhöhe und vieler Verletzter: Die links-grüne Stadtregierung ist nach wie vor davon überzeugt, richtig gehandelt zu haben. Das stellt sie in ihrem am Donnerstag veröffentlichten Bericht klar. Zwar sei mit gewaltbereiten Kreisen zu rechnen gewesen. «Die Heftigkeit der Gewalt übertraf allerdings das erwartete Ausmass.»

Und: Es wäre unverhältnismässig gewesen, die unbewilligte Kundgebung von Anfang an zu verhindern, hält Sicherheitsdirektor Alec von Graffenried (63) fest. Auf dem Bahnhofplatz hätten sich Tausende friedliche Teilnehmende befunden. Die Besammlung zu verhindern oder aufzulösen, hätte «mit hoher Wahrscheinlichkeit» zu einer Eskalation geführt. Eine Einschätzung, die von der Berner Kantonspolizei geteilt wird.

Die Stadtregierung zeigt sich daher weiterhin überzeugt, dass es richtig war, die Kundgebung nicht zu verhindern, sondern deeskalierend zu begleiten. Gleichzeitig räumt sie ein: «Die schweren Ausschreitungen in der Folge liessen sich jedoch nicht verhindern, was der Gemeinderat bedauert.»

Polizei fordert: Stadt Bern soll strenger werden

Hier allerdings kommt die Polizei zu anderen Schlüssen: «Aufgrund der gemachten Erkenntnisse erscheint es angezeigt, dass Umzüge von unbewilligten Kundgebungen mit erhöhtem Risikopotenzial seitens der Stadt Bern künftig nicht mehr toleriert werden und von einer Teilnahme abgeraten wird.» Verhindern lassen sich diese aber kaum.

Daher halte es die Polizei für wichtig, rechtlich weitere Möglichkeiten zu erhalten, etwa Personen belangen zu können, die trotz Aufforderung zum Verlassen einer Demo weiter daran teilnehmen. Die Stadt hat solche Massnahmen aber schon mehrfach abgelehnt.

Auch Sicherheitsdirektor von Graffenried lässt durchblicken, dass er nun nicht gleich alles umkrempeln möchte. Noch laufe die politische Einordnung und es würden dabei diverse Vorstösse geprüft und Schlussfolgerungen daraus abgeleitet. Nach Anzeigen ermittelt die Justiz auch wegen des Polizeieinsatzes.

Und die Stadt bemühe sich, Kosten durch Schäden auf die Verursacher zu überwälzen. Dazu brauche es aber erst rechtskräftige Verurteilungen, stellt von Graffenried klar, betont aber gleichzeitig auch, dass es bei über 300 Kundgebungen pro Jahr in Bern selten zu solchen Ausschreitungen komme. Daher halte es die Stadtregierung «für falsch, nach den Gewaltexzessen vom 11. Oktober 2025 alles Bewährte aufzugeben».

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