Neues Video zeigt den Brandausbruch
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Im Le Constellation:Neues Video zeigt den Brandausbruch

«Alles kommt mir seltsam vor»
Brandopfer Sofia D. kann nach 62 Tagen Spital nach Hause

In Crans-Montana kam es in der Silvesternacht zu einem verheerenden Brand, der 41 Todesopfer forderte. Im Ticker halten wir dich über die neusten Entwicklungen auf dem Laufenden.
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Das Ehepaar Moretti steht momentan im Rampenlicht der Medien und Ermittler.
Foto: keystone-sda.ch

Darum gehts

KI-generiert, redaktionell geprüft
  • Die verheerende Brandkatastrophe in der Bar Le Constellation forderte 41 Todesopfer
  • Gegen das Barbetreiberpaar Jacques und Jessica Moretti wird ermittelt
  • Das Feuer wurde durch Sprühkerzen an Champagnerflaschen ausgelöst
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Blick Newsdesk
08:18 Uhr

Französische Delegation trifft sich mit Schweizer Behörden

Von Alexander Terwey, Stv. Teamlead Newsdesk

Mehr als zwei Monate nach dem verheerenden Brand in Crans-Montana sind die Ermittlungen noch in vollem Gang, viele Fragen noch immer ungeklärt. Ab Freitag trifft sich laut «Neue Zürcher Zeitung» eine französische Delegation im Wallis und in Bern mit den Schweizer Behörden.

Thema seien vor allem Hilfsgelder für Brandopfer und deren Angehörige sowie Fragen zu den Ermittlungen.

Am Samstag findet laut der Zeitung ein Treffen in der französischen Botschaft in Bern statt. Teilnehmen werde unter anderem der stellvertretende Pariser Staatsanwalt Christian de Rocquigny.

Die Pariser Staatsanwaltschaft führe sogenannte Schattenermittlungen parallel zu den Schweizer Untersuchungen durch. Ein eigenes Strafverfahren in Frankreich sei jedoch nicht geplant.

Die italienischen Behörden fordern unterdessen bereits seit Wochen eine gemeinsame Ermittlungsgruppe. Sie beklagen jedoch fehlende Kooperation seitens der Schweizer Behörden. Rom übt weiter Druck auf Bern aus. Mehr dazu erfährst du im Artikel meines Kollegen Daniel Ballmer.

07:48 Uhr

«Wieder das Sonnenlicht sehen, die ersten Schritte im Freien machen»

Von Sandra Marschner, Redaktorin Newsdesk

«Das Gefühl, wieder das Sonnenlicht zu sehen und die Wärme auf der Haut zu spüren, die Luft im Gesicht. Die ersten Schritte im Freien zu machen. Normale Kleidung zu tragen statt eines Krankenhauskittels. Alles kam mir seltsam vor», beschreibt Brandopfer Sofia D.* (16) die ersten Gefühle nach ihrer Entlassung aus dem Spital gegenüber «Corriere della Serra». Nach 62 Tagen zunächst im Spital in Lausanne und dann im Krankenhaus Niguarda darf die Schülerin aus Mailand wieder zurück nach Hause. 

Sofia D. erfreut sich wieder an den kleinen Dingen ihres Lebens. Bild: Screenshot Gofundme

Am Mittwochnachmittag holte ihre Familie die Teenagerin ab. «Die Untersuchungen der vergangenen Wochen waren unauffällig, daher haben die Ärzte ihre Entlassung angeordnet. Sie muss allerdings alle zwei Tage zum Verbandswechsel, zur Physiotherapie, Psychotherapie und in ihrem Fall auch zur Sprachtherapie zurückkommen», sagt ihr Bruder gegenüber «Corriere della Serra». Aufgrund der eingeatmeten Rauchgase in der Inferno-Bar sei Sofia praktisch stumm. Doch es bestehe Hoffnung auf Heilung. 

Nun kämpft sich die 16-Jährige wieder zurück in ihr Leben. Jedes Stück Normalität spendet ihr neue Hoffnung. Zu ihrer Heimkehr gab es ihren Lieblingshamburger. Mit ihrer Familie und Kater Axel zusammengekuschelt konnte sie den Disney-Film «Ratatouille» anschauen. 

Noch sei es ein langer Weg für ihre Tochter, schildern ihre Eltern gegenüber der Tageszeitung: «Sie wird zwei Jahre lang eine Orthese tragen müssen, die nur ihren Kopf und ihre Füße frei lässt.» Doch jetzt sei nicht die Zeit, darüber nachzudenken. «Jetzt ist die Zeit, sich an den kleinen Dingen zu erfreuen.» 

* Name bekannt

05.03.2026, 18:24 Uhr

Leila Micheloud: «Wir machen eine Familientherapie»

Von Marian Nadler, Redaktor am Newsdesk

Die beiden Töchter von Leila Micheloud (51), Farah (20) und Meissa (18), erlitten beim Brand in der Bar Le Constellation schwere Verletzungen. Seit der Silvesternacht ist für die Familie nichts mehr wie vorher. Zwei Monate nach der Katastrophe schildert sie der Zeitung «Le Nouvelliste» den Alltag der Familie. «Wir haben Angst, vergessen zu werden», sagt sie. 

Sie sorgt sich nicht nur um ihre beiden Töchter, die einen langen Genesungsweg vor sich haben, sondern auch um die jüngste Tocher Naiel (14), die in der schicksalshaften Nacht nicht im Lokal war. «Sie hat diese Tragödie von aussen miterlebt, denn in dem Versuch, sie zu beschützen, haben wir sie von der Familie ausgeschlossen. Was wir getan haben, war furchtbar», erzählt Micheloud. Unter Schock wurde die Jugendliche Anfang Januar für einige Tage in ein Spital eingeliefert. «Ich habe mich tausendmal entschuldigt.»

Sie verrät weiter: «Wir machen eine Familientherapie, um gemeinsam Bewältigungsstrategien zu entwickeln.» Seit dem 1. Januar sind die Eltern krankgeschrieben. «Wie lange werden unsere Arbeitgeber das noch hinnehmen?», fragt sich die dreifache Mutter acht Wochen nach der Tragödie. Denn obwohl sich die Lage langsam bessert, sind Farah und Meissa bisher nicht dazu in der Lage, in den Alltag zurückzukehren.

Leila Micheloud kann nicht einfach zum Alltag übergehen.

Die Unglücksnacht ist noch nicht vergessen. «Mein Mann, der zwanzig Minuten nach der Tragödie am Unglücksort eintraf, befand sich mitten in einem Schlachtfeld. Dort lagen verkohlte Leichen, sterbende Menschen, sterbende Kinder, andere, die bereits tot waren. Er musste Leichen umdrehen, um die seiner Tochter zu finden.»

Meissa verliess vor einer Woche das Spital. «Sie ist psychisch schwer traumatisiert von den verbrannten Körpern, die sie sah, den Leichen, über die sie steigen musste, um aus der Bar zu fliehen, und der Erstickungsangst, die sie erlebte», berichtet ihr Mami. «Sie wird nichts davon jemals vergessen, aber sie möchte nach vorn blicken.» Ab Freitag möchte die angehende Bauzeichnerin wieder zur Schule gehen. 

Farah hat es noch schlimmer erwischt als ihre Schwester. Acht Tage lag sie im Koma, siebzehn Tage auf der Intensivstation. «Die erste Woche war die schwerste. Ihr Leben hing am seidenen Faden», sagt Leila Micheloud rückblickend. «Die Pflegekräfte waren unglaublich. Etwa fünfzehn von ihnen kümmerten sich rund um die Uhr um sie.»

Farah erlitt Verbrennungen zweiten Grades im Gesicht. «Als sie sich das erste Mal im Spiegel sah, schrie sie. Sie war so aufgewühlt, dass wir sie sedieren mussten», bemerkt Micheloud. 

Zu Blick sagte sie Ende Januar: «Ich will Gerechtigkeit.» Wann und ob sie diese bekommen wird, ist noch völlig unklar. Die Ermittlungen zum Bar-Inferno laufen – und dürften noch lange andauern.

05.03.2026, 15:18 Uhr

Noch immer ein Brandopfer in Zürich auf der Intensivstation

Von Marian Nadler, Redaktor am Newsdesk

Wie die Nachrichtenagentur keystone-SDA meldet, befinden sich noch 12 Verletzte der Brandkatastrophe von Crans-Montana VS aktuell in Schweizer Spitälern. Sechs Opfer werden im CHUV in Lausanne behandelt, sechs weitere Opfer im Universitätsspital in Zürich. Ein Brandopfer befände sich noch immer auf der Intensivstation des Kinderspitals, schreibt keystone-SDA.

Ein Brandopfer liegt noch immer auf der Intensivstation, berichtet die Nachrichtenagentur keystone-SDA.
Foto: KEYSTONE

Sieben Opfer sind mittlerweile mit der Rehabilitation in den Suva-Kliniken beschäftigt. Sechs von ihnen machen die Reha in Sitten VS, ein Opfer arbeitet in Bellikon AG an der Rückkehr in den Alltag. Zwei Opfer sollen zudem in den vergangenen Tagen aus der Obhut der Suva-Klinik in Sitten entlassen worden sein.

Im Ausland werden derzeit 26 Patienten behandelt, zwei weniger als vor zehn Tagen. Neun davon sind Schweizer Staatsangehörige, fünf sind ausländische Patienten mit Wohnsitz in der Schweiz. Von diesen 26 Verletzten werden 12 noch in Frankreich, 4 in Deutschland, 9 in Italien und 1 in Belgien behandelt, vermeldet die Nachrichtenagentur. 

Insgesamt sank die Zahl der Verletzten, die in der Schweiz oder im europäischen Ausland Pflegeleistungen in Anspruch nahmen zwischen dem 23. Februar und dem 3. März von 58 auf 45.

Gianni Roberto Rossi, CEO der Suva-Kliniken in Sitten VS und Bellikon AG, hat mir Mitte Januar erklärt, was die grössten Herausforderungen bei der Reha sind. Mehr dazu liest du hier.

05.03.2026, 12:32 Uhr

«Halt den Mund, ich bin der Chef»

Von Johannes Hillig, Redaktor am Newsdesk

Zwei Monate nach dem verheerenden Brand in Crans-Montana, bei dem 41 Menschen starben, kommen schockierende Berichte über die Arbeitsbedingungen in den Betrieben des Ehepaars Jacques und Jessica Moretti ans Licht. Laut Unterlagen der Ermittlungen, klagten Angestellte wiederholt über niedrige Löhne, überlange Arbeitszeiten und Mobbing. Das berichtet «24 Heures».

Besonders betroffen: Lucas, ein 22-jähriger Franzose, der für das Restaurant Vieux Chalet in Lens arbeitete. Lucas berichtet, von Dezember 2024 bis September 2025 fast ohne Pause gearbeitet zu haben – oft bis zu 90 Stunden pro Woche. Sein Verdienst lag gerade über dem Mindestlohn, doch nach Abzug der Miete für eine Unterkunft bei den Morettis blieben ihm im Mai 2025 kaum 2000 Franken netto.

«Ich arbeitete von 9 Uhr morgens bis 1 Uhr nachts, mit einer kurzen Pause von 15 bis 15.30 Uhr, um meinen Hund auszuführen», so Lucas. Mehrere Zeugen bestätigten schriftlich, dass Lucas oft sieben Tage die Woche arbeitete. Gleichzeitig sei das Arbeitsklima rau gewesen. Lucas berichtet von einem Fall, in dem er von Jacques Moretti angeschnauzt wurde. Er soll gesagt haben: «Halt den Mund, ich bin der Chef, bleib an deinem Platz!»

Die Anwälte der Morettis äusserten sich nicht zu den Arbeitsbedingungen. Wenn du mehr zur Verteidigungsstrategie der Morettis wissen magst: Meine Kollegin Qendresa Llugiqi hat die Verhörprotokolle analysiert. Den Artikel findest du hier

04.03.2026, 19:44 Uhr

Bundespräsident Guy Parmelin trifft Waadtländer Opferfamilien

Von Marian Nadler, Redaktor am Newsdesk

Am Mittwochnachmittag trafen sich Bundespräsident Guy Parmelin und der gesamte Kantonsrat des Kantons Waadt mit den vom Crans-Montana-Unglück betroffenen Familien. «Zwei Monate nach dem Unglück wollte der Kantonsrat mit den Familien sprechen, um ihre Sorgen anzuhören und seine Unterstützung auszudrücken», heisst es dazu in einer Medienmitteilung. Der Kantonsrat kündigt eine Spende von 7 Millionen Schweizer Franken an die Walliser Stiftung «Beloved» an. Die Stiftung wird allen Opfern, ihren Familien und weiteren Betroffenen langfristige finanzielle Unterstützung zukommen lassen.

Guy Parmelin sprach am Mittwoch mit den Angehörigen der Waadtländer Brandopfer.
Foto: Getty Images

21 der 41 Toten bei der Brandkatastrophe in der Silvesternacht kamen aus dem Kanton Waadt, genauso wie 28 der mehr als 100 Verletzten. Der Bundespräsident sprach den Anwesenden sein Beileid aus. Er berichtete, er habe Opfer in Spitälern in der Schweiz, Italien und zuletzt in Belgien besucht und mit ihren Angehörigen gesprochen. Durch diese Gespräche habe er das ganze Ausmass der Tragödie, die all diese Menschen erlitten haben, erfassen können. «Mehr als zwei Monate nach dem Brand sind seine Gedanken bei all jenen, die in diesem Feuer ihr Leben oder einen Teil ihres Lebens verloren haben», so die Medienmitteilung.

Parmelin musste sich nach dem Bar-Inferno von Angehörigen auch Kritik anhören. Worum es dabei ging, liest du im Artikel meines Kollegen Raphael Rauch.

03.03.2026, 15:00 Uhr

Pflegekraft erzählt über intensive Betreuung eines Brandopfers

Von Mattia Jutzeler, Redaktor am Newsdesk

Die Brandkatastrophe in Crans-Montana prägte nicht nur das Leben der Opfer und ihrer Familien nachhaltig. Auch Menschen, die zuvor keinerlei Beziehung zum Walliser Bergdorf hatten, wurden von der Katastrophe berührt. Zu diesen Menschen gehört auch Gwenaëlle Morgant. 50 Tage lang begleitete sie ein schwerverletztes Brandopfer bei seiner Behandlung am Marienhospital in Stuttgart.

Estebans Behandlung war auch für Gwenaëlle Morgant eine intensive Zeit. (Credit: Marienhospital)

Die gebürtige Französin kümmert sich im deutschen Spital eigentlich um Angehörige von Sterbenden. Nach der Brandkatastrophe wurde sie allerdings aufgeboten, um Esteban und seine Familie zu betreuen. Der 18-jährige Schweizer aus dem Welschland erlitt in der Silvesternacht schwere Verbrennungen und musste in der Spezialklinik in Stuttgart behandelt werden. «Am Anfang war ich vor allem bei Esteban zum Übersetzen», erzählt Morgant der deutschen Tagesschau. «Er hatte ja einige Operationen und ich war dabei für die Aufklärung.»

Später habe sich die Pflegerin allerdings fast mehr um Estebans Eltern gekümmert, als um den Verletzten selbst. «Sie standen unter Schock. Die Mutter versteht zwar etwas Deutsch, aber nicht die Fachsprache, die im Spital gesprochen wird. Das hat dazu geführt, dass die Eltern wirklich hilflos waren.» Morgant war für die Familie eine Art Trauerbegleitung. Sie machte mit den Eltern etwa Ausflüge oder sie gingen zusammen einkaufen. «Es ist wirklich eine Freundschaft entstanden.»

Esteban bei seiner Entlassung. (Credit: Marienhospital)

Am Dienstag konnte Esteban nach 50 Tagen Behandlung aus dem Spital entlassen werden. Zurück in der Schweiz wird er eine Physiotherapie starten. Bei ihrem Abschied konnte er seiner Betreuerin ein ganz spezielles Geschenk überreichen. «Ich hatte ihm zu Beginn Legos geschenkt, die hat er mir zum Abschied zusammengebaut zurück geschenkt», erzählt Morgant. «Das war für mich so schön, auch weil es ein Symbol war. Diese Hände, die so verbrannt waren, konnten plötzlich wieder etwas machen.»

02.03.2026, 10:45 Uhr

Vaudoise-Chef: «Alle Kosten der Opfer werden gedeckt, daran gibt es keinen Zweifel»

Gut zwei Monate nach der Brandkatastrophe stellt sich immer noch die Frage: Wer zahlt für die vielen Opfer der Silvesternacht in Crans-Montana? Zum ersten Mal hat sich Jean-Daniel Laffely, CEO der Vaudoise Versicherungen, geäussert. In einem Interview mit «24 heures» macht Laffely deutlich: «Alle Kosten der Opfer werden gedeckt, daran gibt es keinen Zweifel.»

Die Betroffenheit im Unternehmen sei gross, sagt der Vaudoise-CEO. Mitarbeitende kannten Opfer, er selbst habe voller Schock auf die Nachricht am 1. Januar reagiert. «Meine erste Reaktion war die eines Familienvaters», sagt er. Besonders erschüttert habe ihn, dass so viele junge Menschen betroffen seien. 

Foto: KEYSTONE

Etwa zehn Opfer sind beim Unternehmen versichert. Von der Vaudoise könnten sie volle Unterstützung erwarten, erklärt Laffely: «Wir übernehmen die Heilungskosten, die bei so schweren Verletzungen ein Leben lang anfallen können. Gleichzeitig decken wir den Verdienstausfall, bis die Invalidenversicherung ihre Entscheidung getroffen hat.» Anschliessend soll diese Hilfe in eine Rente umgewandelt werden. 

«Wir wollten, dass die betroffenen Familien absolut keinen Franken aus eigener Tasche bezahlen müssen», betont er. Insgesamt geht der Vaudoise-CEO von einer Gesamtdeckung zwischen 600 Millionen und 1 Milliarde Franken aus. «Die endgültige Rechnung hängt jedoch stark von den einzelnen Fällen ab, sodass es derzeit schwierig ist, genaue Zahlen zu nennen», präzisiert er. 

27.02.2026, 10:35 Uhr

«Ein Barbetreiber ist kein Brandexperte»: Moretti-Anwälte kritisieren «Lynchjustiz»

Von Sandra Marschner, Redaktorin am Newsdesk

Die Anwälte der Inferno-Wirte gehen in die Offensive: In einem Interview mit «Le Nouvelliste» haben sich die Vertreter von Jacques und Jessica Moretti zum Umgang mit dem Betreiberpaar nach der Brandkatastrophe geäussert.

Gleich zu Beginn des Interviews stellt Anwältin Yaël Hayat klar: «Es handelt sich um einen Unfall. Und wenn man von einem Unfall spricht, bedeutet das, dass niemand diese Tragödie gewollt hat, so schrecklich sie auch sein mag.»

Yaël Hayat ist eine der Moretti-Anwälte. Quelle: keystone-sda.ch
Foto: keystone-sda.ch

Anwalt Patrick Michod übt Kritik daran, dass die Ermittlungen in eine gezielte Richtung laufen würden: «Teile der Ermittlungen sickern einseitig und voreingenommen durch und das ist problematisch. Sie tragen zu dem Eindruck bei, dass die Morettis bestimmte Dinge vertuschen wollen, was völlig falsch ist.»

Hayat sprach zudem von einer «Reihe von Falschinformationen». «Emotionen dürfen nicht in Verleumdungen oder Lynchjustiz gegen die Morettis oder irgendjemanden anderen ausarten», sagt sie.

Mitte Februar konfrontierten Opfer-Angehörige die Morettis vor einer Anhörung. Bild: keystone-sda.ch
Foto: keystone-sda.ch

Auch zur Konfrontation der Morettis durch Angehörige der Opfer vor einer Befragung in Sitten Mitte Februar äussert sich Hayat: «Wer hätte eine solche Racheaktion ahnen können, wenn man Ihnen ein gewaltfreies Treffen ankündigt? Es war eine Szene aus einer anderen Zeit, die niemals hätte passieren dürfen.» Die Anwältin spricht davon, dass Grenzen überschritten worden seien. Wie stark der Tumult in Sitten die Grenze zur Selbstjustiz ausdehnte, hat mein Kollege Lino Schaeren in diesem Beitrag analysiert.

Die Moretti-Anwälte appellieren: «Wir verlangen nicht, dass die Scheinwerfer, die auf sie gerichtet sind, ausgeschaltet werden, sondern dass andere eingeschaltet werden.» Heisst: Neben den Wirten sollte der Fokus auch auf die Verantwortlichen bei Gemeinde und Kanton gelegt werden. Konkret spricht Michod hier den Akustikschaum an: «Drei Personen wurden beauftragt, ihre Arbeit zu kontrollieren, und keine einzige sagte, dass dieser Schaum gefährlich ist. Ein Barbetreiber ist kein Brandexperte.»

27.02.2026, 08:34 Uhr

Hugo H. schützte seine Verlobte mit seinem Körper vor den Flammen

Von Sandra Marschner, Redaktorin Newsdesk

«Körperlich geht es mir immer besser, auch wenn die Schmerzen anhalten, weil der Heilungsprozess sehr langsam verläuft», sagt Brandopfer Hugo H. (19) im Gespräch mit dem Sender TF1. In der Silvesternacht im Le Constellation erlitt der Reservespieler in der französischen Fussballmannschaft Quevilly-Rouen Métropole schwerste Verbrennungen. 

Anderthalb Monate lang kämpfte er auf der Intensivstation, die Ärzte bezeichnen ihn als Wunder. Nach wie vor leide der Teenager unter plötzlichen, blitzartig auftretenden Schmerzstössen, schildert er dem Sender. 

Screenshot TF1

«Ich habe Verbrennungen an beiden Händen, die Hälfte meines Ohres ist geschmolzen», beschreibt der 19-Jährige. 30 Prozent seines Körpers verbrannten, auch sein Rücken und linker Arm sind betroffen. Mittlerweile wird H. in einem Rehabilitationszentrum behandelt. Bereits neunmal wurde dem 19-Jährigen Haut transplantiert. 

Die Schmerzen unerträglich: «An die ersten zwei Wochen habe ich keinerlei Erinnerung. Ich erinnere mich vor allem an die Verbände, an die Verbandswechsel», sagt er. «Selbst ich hätte mir, bevor ich verbrannt wurde, nie vorstellen können, dass es so einen Schmerz gibt.»

In der Silvesternacht war der Teenager mit vier Freunden im Le Constellation. Als die Flammen um sich schlugen, galt sein erster Gedanke seiner Verlobten, die sich oben befand. Dort habe er sie auf dem Boden liegend gefunden. «Entweder ich gehe und überlebe, oder ich tue etwas für sie. Also habe ich schliesslich nicht lange überlegt und bin auf sie geklettert, um sie vor dem Feuer zu schützen», erzählt er. Seine Verlobte erlitt nur leichte Verbrennungen. 



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