Darum gehts
- Erdölraffinerie Cressier steht still
- Bund erlaubt Entnahme von je 30'000 m³ Benzin und Diesel aus Pflichtlager
- Raffinerie deckt ein Drittel Schweizer Mineralölbedar
Seit der vergangenen Woche steht die Erdölraffinerie im neuenburgischen Cressier still. Die Betreiber müssen einen technischen Defekt beheben. Das hat Folgen: Roland Pfister, der Delegierte für wirtschaftliche Landesversorgung des Bundes, erlaubt den Bezug von Benzin und Diesel aus dem Pflichtlager. «Vom 8. bis zum 20. September dürfen bis zu 30'000 m³ Dieselöl und 30'000 m³ Benzin entnommen werden», schreibt der Bund in einer Medienmitteilung. Dies entspreche weniger als drei Prozent der Pflichtlagerbestände.
«Die bezogenen Mengen müssen innerhalb von sechs Monaten nach Beendigung der Massnahme wieder eingelagert werden», heisst es weiter. Sollten die Versorgungsprobleme länger andauern, können weitere Entnahmen bewilligt werden. Erwartet wird aber, dass Cressier ab Mitte September wieder läuft.
Die Raffinerie in Cressier deckt normalerweise fast ein Drittel des Schweizer Bedarfs an Mineralölprodukten ab. «Die aktuellen Ereignisse betreffen vor allem die Versorgung mit Benzin und Dieselöl. Bei Heizöl und Flugpetrol bestehen derzeit keine Versorgungsengpässe», schreibt der Bund weiter.
Angespannte Lage
Der Unterbruch in Cressier trifft die Schweiz aber in einer eh schon angespannten Lage. Aufgrund des Niedrigwassers auf dem Rhein sind die Transportkapazitäten stark eingeschränkt, heisst es in der Mitteilung. «Zusätzliche Lieferungen über den bereits stark ausgelasteten Bahntransport und die Pipeline für Mineralölprodukte von Frankreich nach Genf können den Produktionsausfall nicht rechtzeitig und vollständig kompensieren.»
Also muss der Bund einspringen. Das Pflichtlager gehört den Unternehmen und entspricht etwa dem durchschnittlichen Bedarf von viereinhalb Monaten.