Darum gehts
- SEM baut 83 Stellen ab, da weniger Asylgesuche erwartet werden
- Hängige Asylgesuche um 45 Prozent gesenkt, jetzt noch 8600 offen
- 2025: 25'781 Asylgesuche, sieben Prozent weniger als 2024
Ein riesiger Pendenzenberg erwartete Bundesrat Beat Jans (61, SP) bei seinem Amtsbeginn Anfang 2024: Über 15'000 hängige Asylgesuche stapelten sich bei den Behörden. «Das ist zu viel», bilanzierte er an einer Medienkonferenz. Eines seiner obersten Ziele als Asylminister lautete denn auch, die hängigen Gesuche rasch abzubauen.
Um die Lage in den Griff zu bekommen, stockte Jans das Personal massiv auf. Allein zwischen 2023 und 2025 kamen beim Staatssekretariat für Migration (SEM) rund 50 Vollzeitstellen dazu. Bereits in den beiden Vorjahren war der Etat um insgesamt 200 Stellen erweitert worden.
83 Vollzeitstellen gestrichen
Nun kommt es zur Kehrtwende: Wie SEM-Sprecherin Magdalena Rast gegenüber Blick bestätigt, reduziert das Amt sein Personal deutlich. Im Vergleich zum Vorjahr wurden Anfang dieses Jahres 60 Vollzeitstellen im Asylbereich sowie 23 Vollzeitstellen für die Bearbeitung des Schutzstatus S gestrichen.
«Das SEM muss befristete Stellen zurückgeben, die für die Bearbeitung der höheren Anzahl an Asylgesuchen und für den Abbau der pendenten Asylgesuche befristet zur Verfügung standen», so Rast. Grundsätzlich würden sich die Personalressourcen im Asylbereich nach dem Eingang von Asylgesuchen richten.
Pendenzenberg um 45 Prozent reduziert
Im letzten Jahr sind zum zweiten Jahr in Folge weniger neue Asylgesuche gestellt worden. 2025 waren es 25'781 – rund sieben Prozent weniger als 2024. Auch für 2026 prognostiziert das SEM sinkende Zahlen.
Daneben konnte mittlerweile auch der Pendenzenberg reduziert werden. Die Zahl der hängigen Asylgesuche beträgt derzeit noch rund 8600. Das sind etwa 45 Prozent weniger als zu Amtsbeginn von Jans.
Jans warnte selbst vor Abbau
Mit dem Stellenabbau tut Jans nun genau das, wovor er einst selbst warnte. Bei seiner Bilanz nach 100 Tagen im Amt nannte er den Abbau von Stellen im SEM zu Zeiten mit weniger Asylgesuchen «einen Fehler». Und führte aus: «Als dann die Flüchtlingsströme stark angestiegen sind, hatte man nicht die nötigen Arbeitskräfte, um sie zu bewältigen.» Das habe zu einem starken Anstieg der Pendenzen geführt.
Trotz geschrumpftem Apparat hält Jans an seinem Ziel fest, die Zahl der Pendenzen bis Ende 2026 auf den «normalen Arbeitsvorrat» von etwa 5800 Gesuchen zu senken. «Wir setzen weiterhin alles daran, den vereinbarten Fonds de Roulement von 5800 Asylpendenzen per Ende 2026 zu erreichen», so Rast. «Auch mit der reduzierten Anzahl an Stellen.» Zur Erklärung: Der «Fonds de Roulement» beziffert die Zahl der offenen Asylverfahren, die bis Ende Jahr alle in Bearbeitung sein sollen.