Wegen Öl-Krise
SP will autofreie Tage – was bringt das überhaupt?

SP-Nationalrätin Martine Docourt verhilft einer alten Idee zu neuem Leben: In der Schweiz soll es wieder autofreie Tage geben. Ganz neu wäre das nicht. Schon 1973 zwang die Erdölkrise das Land zu autofreien Sonntagen. Doch wie lief das damals ab?
Kommentieren
1/7
Die autofreien Sonntage im Jahr 1973.
Foto: Blick

Darum gehts

KI-generiert, redaktionell geprüft
  • Das Naherholungsgebiet Klöntal bleibt ab 2026 an drei Sonntagen autofrei
  • SP-Nationalrätin Martine Docourt fordert Rechtsgrundlage für autofreie Sonntage
  • 2003 lehnte die Schweiz eine Initiative für vier autofreie Sonntage pro Jahr ab
War diese Zusammenfassung hilfreich?
Externe Inhalte
Möchtest du diesen und weitere externe Beiträge (z.B. Instagram, X und anderen Plattformen) sehen? Wenn du zustimmst, können Cookies gesetzt und Daten an externe Anbieter übermittelt werden. Dies ermöglicht die Anzeige externer Inhalte sowie von personalisierter Werbung. Deine Entscheidung gilt für die gesamte App und ist jederzeit in den Einstellungen widerrufbar.
RMS_Portrait_AUTOR_586.JPG
Céline ZahnoRedaktorin Politik

Eine Glarner Gemeinde macht es vor: Das Naherholungsgebiet Klöntal bleibt ab diesem Jahr an drei Sonntagen autofrei. Davon verspricht man sich eine Beruhigung des Verkehrs – inzwischen ist der Klöntalersee gerade an sonnigen Sommertagen komplett überlaufen. 

Die Idee taucht immer wieder auf – in neuen Varianten und mit neuen Begründungen. Jetzt, inmitten der Ölkrise infolge des Iran-Kriegs, gewinnt sie erneut an Brisanz. SP-Nationalrätin Martine Docourt (46) fordert den Bundesrat auf, eine Rechtsgrundlage zu schaffen, um die Kantone bei der Einführung solcher Sonntage zu unterstützen. Das Onlinemagazin «Streetlife» hatte zuerst darüber berichtet. 

Campen auf dem Asphalt, Fahrräder auf der Autobahn

Unvergessen sind die autofreien Sonntage von 1973. Damals reagierte der Bund auf die Erdölkrise und die knappen Benzinvorräte, ausgelöst durch den Jom-Kippur-Krieg zwischen Israel und arabischen Staaten. Der erste autofreie Sonntag am 25. November wurde zu einer Art Volksfest. Fussgänger, Rollschuhfahrerinnen und Radfahrer eroberten die gesperrten Autobahnen, Familien zelteten auf dem Asphalt.

Externe Inhalte
Möchtest du diesen und weitere externe Beiträge (z.B. Instagram, X und anderen Plattformen) sehen? Wenn du zustimmst, können Cookies gesetzt und Daten an externe Anbieter übermittelt werden. Dies ermöglicht die Anzeige externer Inhalte sowie von personalisierter Werbung. Deine Entscheidung gilt für die gesamte App und ist jederzeit in den Einstellungen widerrufbar.

Das Fahrverbot verkündete der damalige Bundesrat Ernst Brugger (1914–1998) am 21. November. Ausnahmen galten nur für dringende Fahrten: Ärzte, Krankenschwestern, Leichentransporte, Hebammen sowie Polizei- und Feuerwehreinsätze.

Abhängigkeit von Brennstoffen verringern

Docourt begründet das Wiederaufleben der Idee mit der aktuellen geopolitischen Lage – insbesondere den Konflikten im Nahen Osten – und der Klimakrise. Beides unterstreiche, wie wichtig es sei, die Abhängigkeit von fossilen Brennstoffen zu verringern.

In mehreren Kantonen seien autofreie Sonntage zudem geprüft worden – sie stossen allerdings auf rechtliche Schranken, da solche Fahrverbote nur lokal umgesetzt werden könnten. 

Zuletzt wurde etwa in Baselland eine entsprechende Initiative eingereicht – und als ungültig erklärt. Der Rechtsdienst des Kantons kam zum Schluss, dass man gemäss bundesgerichtlicher Rechtsprechung nicht befugt sei, den motorisierten Verkehr «per Rechtssatz» zu beschränken.

Bevölkerung lehnte Initiative ab

2003 stimmte die Schweizer Bevölkerung sogar an der Urne über die Volksinitiative «für einen autofreien Sonntag pro Jahreszeit – ein Versuch für vier Jahre» ab. Die sogenannte Sonntags-Initiative wurde allerdings hochkant abgelehnt. 

Argumentiert wurde damals nicht mit Umweltschutz, sondern mit Lebensqualität. Grünen-Nationalrätin Franziska Teuscher (68) verwies etwa auf das Gefühl «eines richtigen ruhigen Sonntags». An autofreien Sonntagen sinke der Lärmpegel, Kinder könnten ungestört draussen spielen und es entstünden neue Begegnungszonen. Während der Ölkrise wollte man mit dem autofreien Sonntag in erster Linie teuren Treibstoff sparen. 

Gegnerinnen und Gegner wiederum führen den geringen Nutzen bei der CO2-Einsparung ins Feld. Weiter seien die Sonntage schädlich für das Gewerbe und Tourismusregionen. Zumindest in der Glarner Gemeinde hat sich der Spiess nun gedreht: Mit dem autofreien Sonntag soll die Region vor zu vielen Touristen geschützt werden. 

Was sagst du dazu?
Heiss diskutiert
    Meistgelesen