Darum gehts
- Bauernverband und Parteien kämpfen gegen Ernährungs-Initiative mit «Nein zum Vegan-Zwang»
- SP- und Grünen-Politikerinnen kritisieren soziale und ökologische Folgen der Vorlage
- Schweiz stimmt am 27. September ab
Mit einem Spiegelei, tropfendem Fondue-Käse und einem saftigen Cervelat wollen der Bauernverband und ein überparteiliches Komitee aller grossen Parteien die Ernährungs-Initiative bodigen. «Nein zum Vegan-Zwang», steht unter den Sujets, die das Komitee am Donnerstag präsentierte.
Brisant: Mit SP-Ständerätin Franziska Roth (60) und Grünen-Nationalrätin Christine Badertscher (44) werben auch zwei linke Politikerinnen gegen den «Vegan-Zwang».
Sie esse selbst Fleisch, sagte Roth an der Medienkonferenz. Jeder soll sich so ernähren können, wie er es wünscht. «Diese Initiative verspricht ein Heilmittel zu sein, kann es aber nicht halten.»
«Es ist eine unsoziale Vorlage»
Der Mensch brauche Fleisch, «er ist kein veganes Wesen». Das Fleisch müsste also importiert werden. Besonders wichtig ist ihr dabei die Tierhaltung, deren Standard im Ausland aber teilweise niedriger sei. «Eine nachhaltige Ernährung darf nicht zum Privileg für Gutverdienende werden.» Es könne nicht sein, dass Leute mit weniger Geld sich kein Fleisch mehr aus hohen Tierhaltestandards leisten können. «Es ist eine unsoziale Vorlage.»
Grünen-Nationalrätin Badertscher sagt, sie unterstütze das Ziel von mehr pflanzlicher Ernährung grundsätzlich. «Aber nicht, wie die Ernährungs-Initiative dieses erreichen will.» Auch sie sorgt sich wegen des Einkaufstourismus. «Das nützt der Umwelt nichts, und dem Tierwohl schadet es ganz sicher.»
Sie stehe hinter einer standortangepassten Landwirtschaft. «Ohne unsere grasfressenden Kühe, Schafe und Ziegen können wir vor allem Hügel-, Berg- und Alpgebiet nicht für die menschliche Ernährung nutzen.»
Fleisch darf auf dem Teller bleiben
Doch gibt es mit der Ernährungs-Initiative tatsächlich einen Vegan-Zwang? Hinter der Vorlage steht Umwelt-Aktivistin Franziska Herren (59). Sie wolle die Schweizer keinesfalls zu Veganern umerziehen, sagte sie bereits bei der Lancierung deutlich. «Wir wollen einzig für die Umwelt, das Klima und unsere Ernährungssicherheit eine neue ausgewogene Balance zwischen der Produktion von pflanzlichen und tierischen Lebensmitteln herstellen. Dabei wird keine Ernährungsform ausgeschlossen.»
Der Initiativtext verlangt, dass der Bund einen Selbstversorgungsgrad von mindestens 70 Prozent anstrebt. «Zu diesem Zweck trifft er insbesondere Massnahmen zur Förderung einer vermehrt auf pflanzlichen Lebensmitteln basierenden Ernährungsweise und einer darauf ausgerichteten Land- und Ernährungswirtschaft.» Heute ist die Schweiz zu mehr als 50 Prozent vom Ausland abhängig.
Von einem Vegan-Zwang, der in die Verfassung geschrieben wird, kann also keine Rede sein. Nichtsdestotrotz müsste sich die Landwirtschaft wohl auf mehr pflanzliche Produkte umstellen. Der Einkauf von Fleisch bleibt aber möglich.
Am 27. September stimmt die Schweiz über die Ernährungs-Initiative ab. Sie dürfte einen schweren Stand haben. Im Parlament fiel die Initiative durch, sogar die Grünen konnten sich nicht zu einem Ja durchringen. Lediglich Stimmfreigabe lautet die Parole.