Darum gehts
- Im Eggfluetunnel auf der A18 gilt neu Tempo 60 statt 80
- Kritiker warnen vor mehr Staus und Ausweichverkehr durch umliegende Dörfer
- Astra begründet Entscheidung mit vielen Unfällen im Tunnel
Im Laufental, an der Grenze der Kantone Basel-Landschaft und Solothurn, sorgt ein Tempo-Entscheid des Bundes für Kritik: Im Eggfluetunnel auf der A18 gilt seit einigen Tagen Tempo 60 statt 80. Das Bundesamt für Strassen (Astra) begründet den Schritt mit der Verkehrssicherheit. Im Tunnel kam es in den vergangenen Jahren wiederholt zu Unfällen – teils mit schweren Folgen.
Doch aus der Region regt sich Widerstand. SVP-Nationalrat Christian Imark (44, SO) sagt zu Blick: «Der Verkehr war schon vorher zäh, jetzt stockt er nur noch stärker.» Er spricht von einem fragwürdigen Entscheid. «Was haben die sich nur dabei gedacht?» Die Temporeduktion verursache neue Probleme.
Ausweichverkehr nervt Dörfer
Imark unterstützt eine Petition, die von Mitte-Kantonsparlamentarier Marc Scherrer (40, BL) lanciert wurde. Auch das überparteiliche Forum Schwarzbubenland fordert, Tempo 60 rückgängig zu machen. In einem Schreiben an das Astra und die Baselbieter Regierung warnt die Organisation, dass sich der Verkehrsfluss mit dem tieferen Tempo weiter verschlechtere. Gerade zu Stosszeiten verlängerten sich die Fahrzeiten, die eigentlichen Probleme rund um den Tunnel würden nicht gelöst. Stattdessen pocht das Forum auf technische Verbesserungen.
Die Kritiker verweisen auf den zusätzlichen Ausweichverkehr. Darunter litten umliegende Dörfer wie Grellingen BL und Duggingen BL, erst recht, weil der Tunnel eigentlich Teil der Ortsumfahrung von Grellingen ist. Wenn es auf der Autobahn staut, weichen viele Autofahrer auf Kantonsstrassen aus – ein Problem, das sich nun weiter verschärfen könnte.
In der Regionalzeitung «bz» meldete sich auch der Grellinger Gemeindepräsident Peter Pflugi zu Wort. Er sieht mit der Temporeduktion den Zweck der Umfahrung unterlaufen. Dass der Verkehr noch häufiger durch Grellingen führe, sei für die Gemeinde nicht hinnehmbar.
SVP-Imark nimmt den Bund in die Pflicht
Beim Bund sah man offenbar keinen anderen Ausweg. Beim Astra heisst es, bisherige Massnahmen wie Sicherheitslinien, Reflektoren und betriebliche Optimierungen hätten nicht ausgereicht, «um die Verkehrssicherheit nachhaltig zu verbessern». Grund seien auch «bauliche Einschränkungen»: Der Tunnel wird einspurig im Gegenverkehr geführt, Mitteltrennung und Pannenstreifen fehlen. «Alternative bauliche Massnahmen, die die Sicherheit erhöhen würden, sind kurzfristig nicht umsetzbar.»
Deshalb soll Tempo 60 die Sicherheit erhöhen – vorerst bis zu einem geplanten Sanierungsprojekt. Das Astra betont: «Die Anpassung des Tempolimits erhöht die Verkehrssicherheit für die Verkehrsteilnehmenden, indem Reaktions- und Bremswege verkürzt und mögliche Unfallfolgen reduziert werden.»
Christian Imark zweifelt daran, ob wirklich alle technischen Massnahmen ausgeschöpft worden sind. Er führt ins Feld: «Es gibt viele Tunnel mit Gegenverkehr, man denke da nur an den Gotthard. Dort muss das Tempo auch nicht einfach gesenkt werden, um die Sicherheit zu gewährleisten.» Er hofft, dass die Verantwortlichen nach dem Widerstand aus der Region den Entscheid nochmals überprüfen.