Zuger SVP veröffentlicht Deepfake von Ursula von der Leyen
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Video zeigt:Zuger SVP veröffentlicht Deepfake von Ursula von der Leyen

Von der Leyen zerreisst Bundesverfassung – Jans schläft
SVP trickst mit KI – und pfeift auf den Kodex

Das Titelbild eines SVP-Podcasts zeigt Bundesrat Beat Jans (62) schlafend. Die Szene ist so nie geschehen, stattdessen wurde das Bild mit künstlicher Intelligenz erstellt. Dürfen Parteien das? Die Debatte nimmt gerade Fahrt auf. Denn auch die Zuger SVP trickst mit KI.
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Auf dem Youtube-Titelbild ist die Fake-Deklaration der SVP nicht lesbar.
Foto: Screenshot SVP Zug

Darum gehts

KI-generiert, redaktionell geprüft
  • SVP nutzt KI-Bild von Bundesrat Jans für Kampagnen
  • Schriftzug «KI-generiert» teils kaum sichtbar, in Teasern oft gar nicht vorhanden
  • GLP, SP, Grüne, Mitte und EVP verpflichten sich seit 2023, auf negative KI-Kampagnen zu verzichten
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Janic UrechRedaktor Politik

Es ist fast wie bei Pippi Langstrumpf: Dank künstlicher Intelligenz (KI) lässt sich die Welt heute so zeigen, wie sie einem gefällt. Auch die SVP nutzt diese Möglichkeiten zunehmend für ihre politische Kommunikation. Ein Foto als Vorlage, ein paar Instruktionen – und schon entsteht das gewünschte Sujet, bereit für die Kampagne.

Wie weit das geht, zeigt das Titelbild einer aktuellen Folge des SVP-Podcasts «Dütsch. Dütlich. Dettling!» mit Parteichef Marcel Dettling (45). Darauf prangt ein schlafender SP-Bundesrat Beat Jans (62). Geschehen ist diese Szene so nie, stattdessen wurde sie mit KI erschaffen.

Zwar wird angegeben, dass das Bild künstlich erstellt wurde («Bild: KI-generiert»). Doch selbst beim Hineinzoomen ist diese Deklaration kaum lesbar. Nur die wenigsten dürften den kleinen Schriftzug bemerkt haben. Und in manchen Teaser-Versionen fehlt die KI-Deklaration gleich ganz.

Trump als Vorreiter

Bisher sorgte international vor allem US-Präsident Donald Trump (80) mit seinem Umgang mit KI in politischen Kampagnen für Schlagzeilen. In oftmals skurrilen Bildern und Videos inszeniert er sich mal als Arzt, mal als König, mal als Papst oder gleich als Messias.

In der Schweizer Politik ist die SVP längst nicht die einzige Partei, die auf KI-Bildmaterial setzt. Mitte, SP, Grüne, GLP und EVP haben sich jedoch 2023 zu einem gemeinsamen KI-Kodex verpflichtet. Dieser schreibt vor, dass sie keine KI-Bilder für negative Kampagnen verwenden dürfen, wie es die SVP in diesem Fall tut. Die GLP beispielsweise setzt auf ihrer Website seit einiger Zeit regelmässig KI-Bilder ein. Diese zeigen aber harmlose Landschaftsmotive. SVP und FDP haben den Kodex nicht unterzeichnet.

Auf Blick-Anfrage äussert der stellvertretende SVP-Generalsekretär, Peter Keller (55), Zweifel daran, ob sich die beteiligten Parteien an den Kodex halten. Er bezeichnet diesen als Unsinn: «Es gehört zur politischen Debatte, dass man die Politik anderer Parteien anprangert.» Auch in Sachen Transparenz beim Jans-Bild sieht Keller kein Problem, schliesslich sei die KI-Erstellung als solche beschriftet und «das Bild ist auch sonst klar als Bildmontage erkennbar. Jans schläft in seinem Büro und nicht in der spanischen Stadt Ceuta.»

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Auf die Frage, an welche Richtlinien sich die SVP beim Umgang mit solchen Bildbearbeitungen hält, schreibt Keller: «Was generell für unsere Arbeit gilt: Die Fakten müssen stimmen und nachweisbar sein.» Inwiefern es sich nachweisen lässt, dass Bundesrat Jans tatsächlich in seinem Büro schläft, lässt er in seiner Antwort jedoch offen. Reagiert darauf hat Jans bisher nicht, auf Anfrage von Blick wollte sich auch das Departement von Jans nicht dazu äussern. 

«Wiederholungstäter» SVP

Es ist nicht das erste Mal, dass die SVP mit KI-Inhalten auffällt. Vor einigen Jahren postete der SVP-Nationalrat Andreas Glarner (63, AG) ein KI-generiertes Video seiner Grünen Ratskollegin Sibel Arslan (46, BS). Damit löste Glarner eine Debatte aus. In dem Video wirkt es so, als würde Arslan Werbung für die SVP machen. Das Video führte zu einem rechtlichen Verfahren.

Auch in dieser Woche hat die SVP wieder mit KI-Inhalten auf sich aufmerksam gemacht. In einem Kampagnenvideo der SVP Zug ist eine mithilfe von KI generierte Ursula von der Leyen zu sehen, die eine Bundesverfassung zerfetzt. Die Präsidentin der Europäischen Kommission wird dabei mit einem grimmigen Blick als Bösewicht dargestellt. 

Verletzte Persönlichkeitsrechte

Diese Darstellung gehe zu weit, sagt der Tech-Journalist Reto Vogt (41) gegenüber der Zuger Zeitung. Bei der Darstellung handle es sich um einen Deepfake, also eine Fälschung des Gesichts von Ursula von der Leyen. Dazu sagt Vogt: «Es ist strafbar, eine Person ohne ihre Einwilligung abzubilden oder dies ohne ihre Zustimmung zu veröffentlichen. Dagegen könnte Frau von der Leyen rechtlich vorgehen.» Dies dürfte auch bei dem schlafenden Bild von Jans der Fall sein.

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