Darum gehts
- Donald Trump zieht KI-generiertes Jesus-Bild zurück, nennt es Missverständnis
- Anhänger kritisieren Witz als «Gotteslästerung» und fordern Respekt vor Glauben
- 69 Prozent der weissen Evangelikalen unterstützen Trump laut Pew Research Center
Erst posten, dann relativieren: US-Präsident Donald Trump (79) folgt einem bekannten Muster. Genau so lief es am Montagabend ab, als er auf seiner Plattform Truth Social sein selbstinszeniertes, KI-generiertes Jesus-Bild gelöscht hat.
Er streitet ab, sich als Heiland zu inszenieren. «Ich dachte, es zeige mich als Arzt», erklärt Trump, wie unter anderem CNBC berichtet. Eine Aktion, die Fragen aufwirft.
Der Vizepräsident liefert Antwort
Trump und sein Team finden für alles scheinbar eine plausible Antwort. Wie Fox News berichtet, nimmt US-Vizepräsident JD Vance (41) das Ganze mit Humor: «Der Präsident hat einen Witz gepostet und ihn wieder gelöscht, weil viele Leute in diesem Fall seinen Humor nicht verstanden haben.» Vance führt aus, dass er es befürworte, dass Trump nicht «gefiltert» rede, ohne ständige Aufsicht von Kommunikationsbeauftragten.
Doch diese Darstellung greift laut Experten zu kurz. Jonathan Slapin (47) ist Professor für politische Institutionen und europäische Politik an der Universität Zürich. Er sieht den Auslöser nicht im misslungenen Humor: «Es gab negative Reaktionen von der Basiswählerschaft.»
Ein Schlag ins Gesicht für christliche Maga-Anhänger
69 Prozent der weissen christlichen Evangelikalen unterstützen laut dem Pew Research Center Trump. Entsprechend enttäuscht sind ihre Reaktionen: «Das ist grobe Gotteslästerung. Glaube ist kein Requisit. Du musst dich nicht als Retter darstellen, wenn deine Vorstrafen für sich selbst sprechen sollten», schreibt der politische Aktivist Brilyn Hollyhand (19) auf X.
Weshalb sich Trump dennoch entschied, sich einen Scherz bei seiner treusten Wählerschaft zu erlauben, ist auch für Politikexperte Slapin ein Rätsel. «Der Präsident macht ständig Versuche und beobachtet, was funktioniert und was nicht», sagt er und verweist darauf, dass Trump den ehemaligen Präsidenten Barack Obama (64) als Affen porträtiert hatte. «Diesmal hatte er Streit mit dem Papst und hat dann herausgefunden, dass diese Aktion möglicherweise nicht optimal war.»
Die Gratwanderung zwischen Humor und Ernst
Wo beginnt Humor und wo hört der Spass auf? Laut Slapin hängt die Grenze zwischen Blasphemie und politischer Symbolik von der jeweiligen Situation ab. Er zieht Parallelen zur umstrittenen Mohammed-Karikatur von Charlie Hebdo.
«Die Frage der Grenzen gibt es immer. Dass es ein Politiker macht, ist selten und seltsam. Es kommt nicht oft vor, dass jemand seine eigene Wählerbasis beleidigt.» Ob Trump einen Nutzen aus der Aktion ziehen kann, vermutet der Politikexperte weniger.
Doch ein versöhnliches Ende zwischen Trump und seinen Fans?
Ein irreparabler Schaden für Trump? «Wahrscheinlich nicht», sagt der Politikexperte Slapin. «Die christlichen Evangelikalen werden deshalb nicht die Demokraten wählen. Solche Aktionen werden Trump jedoch nicht in den Midterm-Elections helfen», erklärt er und führt aus, dass die Zielgruppe momentan verärgert sei.
Dass der Gang zur Kirche nicht zu Trumps Sonntagsroutine gehört, ist auch seiner Zielgruppe bekannt: «Sogar die konservativen Christen wissen, dass er nicht religiös ist, sondern konservative Personen ins Amt stellt», sagt Slapin. Seine Anhänger verzeihen dem US-Präsidenten. Hollyhand postet auf X ein «W» für «win», nachdem Trump das Bild gelöscht hat, und fordert: «Kehren wir nun zu den Massendeportationen zurück.»
Trump scheint von Hollyhands Forderung nichts mitbekommen zu haben. Am Mittwoch postete er auf der Plattform Truth Social schon wieder ein Jesus-Bild. Dieses war allerdings von einem anderen Nutzer generiert worden. Das neue KI-Bild zeigt Trump und Jesus Seite an Seite. Jesus umarmt den US-Präsidenten. «Die wahnsinnige, radikale Linke dürfte das nicht mögen, aber ich finde das recht nett», schrieb Trump dazu.