Darum gehts
- Seco-Chefin Budliger blockiert Akteneinsicht zu Zollstreit mit den USA
- Keller-Sutter unterschätzte Trump, erhielt Strafzölle von 39 Prozent
- Gantner muss vor GPK antraben
Der US-Zollstreit beschäftigt die Journalisten des Landes. An der Falkenstrasse bei der «NZZ» sorgt eine Recherche für Unruhe. Ein Wirtschaftsredaktor wollte die Akten zur Zusammenarbeit zwischen Seco-Staatssekretärin Helene Budliger Artieda (60) und dem «Team Switzerland» um Partners-Group-Gründer Alfred Gantner (58) haben. Daraufhin intervenierte Budliger persönlich bei «NZZ»-Chefredaktor Eric Gujer (63) und forderte, der Redaktor solle sein Gesuch zurückziehen. Doch dieser blieb hart, wie der «Tages-Anzeiger» berichtete – und hielt am Gesuch fest.
Damit wurde das Schweizer Zoll-Manöver wieder zum Medienthema. Doch die staatspolitisch relevante Frage lautet: Was hat das Staatssekretariat für Wirtschaft (Seco) zu verbergen? Das Öffentlichkeitsgesetz erlaubt es, Gesuche aufzuschieben, wenn laufende Verhandlungen betroffen sind – gerade bei heiklen Dossiers wie den USA. Doch Budliger blockt frontal. Selbst der Eidgenössische Datenschützer Adrian Lobsiger (67) beisst sich die Zähne aus: Obwohl er dem Amtsgeheimnis untersteht, verweigert ihm Budliger die Akteneinsicht – ein aussergewöhnlicher Vorgang in Bundesbern.
Duell zwischen Keller-Sutter und Budliger
Die Gerüchteküche brodelt: Wurden die Grenzen zwischen Staat und Privatwirtschaft verwischt? Hat Budliger – wie in den Bundeshaus-Gängen kolportiert wird – womöglich das Amtsgeheimnis verletzt? Und: Was wusste Bundespräsident Guy Parmelin (66)?
Diesen Fragen geht seit Monaten die Geschäftsprüfungskommission (GPK) des Ständerats nach. Im Fokus: das Debakel der Zollverhandlungen mit den USA – und das Duell der Alphafrauen Karin Keller-Sutter (62) und Helene Budliger Artieda. Es geht um Einfluss, Deutungshoheit – und um die Frage, warum der Bundesrat in Schönwetterzeiten funktioniert, beim Trump-Beben aber versagte.
Keller-Sutter hat Trump unterschätzt
Zunächst verbindet die beiden Frauen viel: Beide sind ehrgeizig, beide haben Hunde, beide greifen gerne zum Cola Zero. Doch damit enden die Gemeinsamkeiten. Budliger gilt als zupackend und unkonventionell – die Frau, die mit der Dampfwalze durch die Bundeshausgänge fährt und Freihandelsabkommen einfädelt. Keller-Sutter dagegen ist eine sendungsbewusste Arithmetikerin der Macht – und nicht frei von Eitelkeit.
Der Konflikt eskalierte im Sommer 2025. Ein Telefonat zwischen Bundespräsidentin Keller-Sutter und US-Präsident Donald Trump endete im Debakel: Strafzölle von 39 Prozent auf Schweizer Produkte. Die Schuldfrage war schnell gesetzt: Keller-Sutter habe sich überschätzt und Trump unterschätzt. Besonders brisant: KKS telefonierte ohne erfahrene Verhandler – weder ihre eigene Finanzstaatssekretärin, die gelernte Diplomatin Daniela Stoffel (58), noch Seco-Profis waren dabei. Nach dem Fiasko übernahm offiziell Wirtschaftsminister Parmelin, de facto aber Budliger das Kommando. Sie mobilisierte das «Team Switzerland», telefonierte sich durch Washington und unterhielt eine Standleitung mit den Wirtschaftsvertretern.
Bundesanwaltschaft stellt Verfahren gegen KKS ein
Genau diese Nähe steht nun im Visier. Die GPK prüft, wer wann Zugang zu sensiblen Informationen hatte – und ob vertrauliche Verhandlungspositionen zu freizügig mit privaten Akteuren geteilt wurden. Parallel gingen Strafanzeigen ein, unter anderem gegen das «Team Switzerland». Der Vorwurf: Trump soll mit Rolex und Goldbarren bestochen worden sein.
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Auch gegen Keller-Sutter und ihr Umfeld wurde ermittelt. Sie soll nach dem Telefonat gezielt Informationen gestreut haben, um Trump zum Sündenbock zu machen und von ihrem eigenen Versagen abzulenken. Selbst die liberale «NZZ» räumte ein: «Das Protokoll des Telefonats mit Trump kann eigentlich nur aus dem Umfeld der Bundespräsidentin an die Öffentlichkeit gelangt sein, denn sie hat das grösste Interesse an einer Veröffentlichung.» Die Bundesanwaltschaft stellte das Verfahren rechtskräftig ein, wie sie gegenüber Blick bestätigt.
Gantner will kein geheimes Dokument erhalten haben
Und was ist mit Budliger? Hier ist der Widerstand gegen Transparenz ungebrochen. Ihr prominentester Verteidiger heisst Alfred Gantner. Er stand der Subkommission GPK diese Woche Rede und Antwort. Nach Blick-Informationen sprach der Tycoon vor den Parlamentariern Klartext: Er habe von der Staatssekretärin kein einziges geheimes Dokument erhalten, es sei nur um Business gegangen. Gantner sieht seine damalige Rolle ausschliesslich als Berater in der Frage, wie die Schweiz ihren Handelsbilanzüberschuss von 40 Milliarden Dollar gegenüber den USA reduzieren könnte. Mittlerweile ist die Bilanz durch die Verlagerung der Goldbearbeitung ausgeglichen.
Bei dieser Diskussion geht es auch um kulturelle Differenzen: Gantner verweist auf Frankreichs Präsident Emmanuel Macron (48), der bei Staatsbesuchen stets die französische Wirtschaftselite dabeihat, oder Donald Trump, der mit sämtlichen Spitzen der US-Techgiganten nach China reiste. In der Schweiz hingegen weckt diese Vermischung von Politik und Big Business Argwohn.
Keller-Sutter war in Washington Persona non grata
Gantners Rolle war für den Bundesrat noch zentraler als bisher bekannt. Nach dem Trump-Telefonat soll Keller-Sutter im Weissen Haus Persona non grata gewesen sein; ausser einer kurzen Audienz bei Aussenminister Marco Rubio (54) bekam sie keinen hochrangigen Termin. «Never bring her back», sollen US-Politiker gewarnt haben. Als die offiziellen Kanäle versagten, griff Gantner auf sein privates Netzwerk zurück. Seine Partners Group investiert jährlich Milliarden in den USA – das öffnete Türen.
Für Bundesrat Guy Parmelin organisierte der Private-Equity-Unternehmer später drei Ministertreffen in Amerika: mit Finanzminister Scott Bessent (62), Handelsminister Howard Lutnick (64) und dem US-Handelsbeauftragten Jamieson Greer (45). Gantner sass bei zwei Treffen selbst mit am Tisch. Er sagt: Türöffner. Skeptiker im Parlament fragen: als achter Bundesrat?
Plan B: eine Absichtserklärung mit den USA
Klar ist: Budliger und Gantner waren ein Dream-Team. Doch trotz der laufenden Verhandlungen wettert Trump weiterhin gegen die Schweiz – er hat das KKS-Telefonat nicht vergessen. Auch Keller-Sutters Auftritt bei Tele Züri, den sie einen Tag nach dem Debakel absolvierte, soll Thema in der GPK gewesen sein. In Washington kam das Interview schlecht an.
Derweil arbeitet der Bundesrat hinter den Kulissen an einem Plan B: Statt eines rechtsverbindlichen Zolldeals würde Bern sich notfalls mit einer Absichtserklärung zufriedengeben – Trump gilt als unberechenbar, und mit rund 15 Prozent Zöllen fährt die Schweiz derzeit erstaunlich gut. Offiziell schweigt die Regierung zu den Verhandlungen. Dass Budliger Akten unter Verschluss hält, war mit Parmelin abgesprochen, bestätigt dessen Sprecher Urs Wiedmer: «Das Seco ist mit den Empfehlungen des Eidgenössischen Datenschutz- und Öffentlichkeitsbeauftragten nicht einverstanden. Dies wurde mit dem WBF besprochen. Ob das Öffentlichkeitsgesetz verletzt wurde oder nicht, können nur Gerichte entscheiden.»
Keller-Sutter soll gegenüber der GPK geklagt haben, das Seco habe sie mangelhaft auf das Trump-Telefonat vorbereitet. Die Staatssekretärin wiederum habe gekontert, sie sei gar nicht einbezogen worden, KKS habe kein Interesse an einem Briefing gehabt. Für die GPK ist der Fall deshalb vor allem eines: ein Lehrstück über zu wenig Teamplay im Bundesrat.