Darum gehts
- FDP-Nationalrat Portmann kritisiert Wallis auf X, schlägt nationale Aufsicht vor
- Walliser Bote nennt Aussage provokant, Föderalismus laut Kritik heikel infrage gestellt
- Portmann hinterfragt Milliarde aus Finanzausgleich
FDP-Nationalrat Hans-Peter Portmann (63) sorgt mal wieder für Aufsehen. Auf dem Onlineportal X wetterte der Zürcher gegen das Wallis. Dies nach der Brandkatastrophe in Crans-Montana – und vor allem dem Umgang damit. «Was macht der Kanton Wallis eigentlich mit der jährlich wiederkehrenden Milliarde aus dem Finanzausgleich und den zusätzlichen Bundessubventionen?», fragt Portmann provokant. «Vielleicht kommt noch der Zeitpunkt, wo man diesen Kanton unter nationale Aufsicht stellen muss.»
Ein Post, der insbesondere im Wallis nicht gut ankam. Im «Walliser Boten» spricht man von «dicker Post». «Gar ein Affront. Oder doch nur eine Polemik?», fragt die Zeitung. Doch Portmann doppelt nach: 10'000 Franken als Soforthilfe seien «lächerlich», er habe sich in «Grund und Boden» schämen müssen. Die Walliser Medien sollten deshalb die Statistik all ihrer «lokalen Skandale» aufarbeiten, um die althergebrachte «Kumpanen-Politik» zu beenden, zitiert ihn der «Walliser Bote». Das Wallis unter nationale Aufsicht zu stellen, sei mit einem «Augenzwinkern» zu sehen.
Gleich mehrfach Kritik
Für die Aussagen gibt es auch Kritik. Der Chefredaktor des «Walliser Boten» erinnert an den Föderalismus. «Wer in sozialen Medien mit der Idee einer ‹nationalen Aufsicht› für einen Kanton spielt, mag Aufmerksamkeit erzeugen, bewegt sich jedoch auf heiklem Terrain.» So stelle man den Föderalismus in Frage und «schlussendlich die Schweiz».
Auch die «Weltwoche» springt dem Wallis zur Seite. Es sei eine «unqualifizierte, groteske Kritik», so die Zeitschrift. Der Autor erinnert Portmann an den Deckensturz beim Hallenbad in Uster ZH. Da habe niemand eine Vormundschaft für den Kanton Zürich gefordert. «Ganz zu schweigen vom Untergang der Swissair oder SAirGroup, wo die entscheidenden Stellen mit Exponenten besetzt waren, welche der FDP nahestanden», so die «Weltwoche». «Wer also im Glashaus sitzt, sollte besser nicht die grosse Vorwurfskeule schwingen.»
Vetternwirtschaft, Regeln flexibel auslegen und Fehler unter den Tisch wischen – all das gehört zu den Klischees über das Wallis. Immerhin: Boris Previšić, Professor für Kulturwissenschaften an der Universität Luzern, sieht in der Katastrophe von Crans-Montana nichts typisch Walliserisches, wie er bei SRF erläutert. Ähnliche Desaster könnten laut ihm auch in Zürich oder in anderen Teilen der Schweiz passieren.