Folgen der Brandkatastrophe von Crans-Montana
Italienische Medien stellen Schweizer Politiker nach

Nach der Katastrophe in Crans-Montana gehen italienische Medien Schweizer Politiker aggressiv an. Ein Tessiner Nationalrat wurde verfolgt, ein anderer im Fernsehen hart angegriffen.
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Die Brandkatastrophe von Crans-Montana hat weitreichende Folgen – nicht nur für die Opfer und ihre Angehörigen.
Foto: keystone-sda.ch

Darum gehts

  • Filippo Lombardi und Alex Farinelli kritisieren Italiens Medien nach TV-Debatte
  • Italienische Journalisten suchten Farinelli zwei Tage in seinem Heimatdorf
  • Lombardi fordert mehr Empathie und Reformen im Schweizer System
Die künstliche Intelligenz von Blick lernt noch und macht vielleicht Fehler.
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Daniel BallmerRedaktor Politik

Was zu viel ist, ist zu viel. Für den Tessiner FDP-Nationalrat Alex Farinelli (44) haben italienische Journalisten nach der Brandkatastrophe von Crans-Montana VS «die Verhältnismässigkeit verloren». Reporter vom italienischen Sender Rai 3, waren unangemeldet in sein Heimatdorf gereist und hatten ihn dort zwei Tage lang gesucht – bis die Polizei auftauchte.

Auslöser war ein Kommentar des Politikers beim Tessiner Sender RSI 2: Nachdem die italienische Regierung ihren Botschafter zurückgepfiffen hatte, bis es gemeinsame Ermittlungen gebe, hatte er sich gegen die «Erpressung» gewehrt: Der italienische Botschafter solle in Rom weiter Pasta all'Amatriciana essen, so Farinelli spitzzüngig.

«Hier geht es um italienischen Wahlkampf»

Gegenüber den Zeitungen von CHMedia kritisiert Farinelli nun, dass die Rai-Journalisten ohne Ankündigung ins Tessin gekommen seien und erst dort den Kontakt gesucht hätten. Rai 3 gehe damit viel zu weit. Er sei «ja nicht der Gemeindepräsident von Crans-Montana», wird er zitiert.

Allerdings gibt Farinelli zu, dass die Bemerkung mit der Pasta all'Amatriciana «nicht besonders geschickt» gewesen sei. Gleichzeitig betont er: «Es ist inakzeptabel, dass wir von einem befreundeten Staat so behandelt werden. Hier geht es um italienischen Wahlkampf.»

Wiederholt fühlen sich Schweizer Politiker von italienischen Medien aggressiv angegangen. Ein anderes Beispiel ist Filippo Lombardi (69). Vergangenen Freitag war der ehemalige Tessiner Mitte-Ständerat und Stadtrat von Lugano in der Sendung «Dritto e Rovescio» des italienischen Privatsenders Rete 4 zugeschaltet.

Moderator Paolo Del Debbio prangerte Lombardi quasi schon an – als Vertreter einer reichen und empathielosen Schweiz. Auf den Vorwurf, Brandopfer würden vom Kanton Wallis mit Almosen abgespeist, konnte Lombardi gar nicht erst reagieren. In Italien scheinen die Meinungen gemacht.

«Unmöglich, Schweizer Sicht zu erklären»

Lombardi trat er schon mehrfach im italienischen Fernsehen auf: «Wenn dein eigenes Land Fehler gemacht hat und sich in einer schwierigen Lage befindet, muss jemand aus der Schweizer Politik sein Gesicht zeigen», wird er zitiert.

Doch: «Es scheint leider absolut unmöglich zu sein, in Italien die Situation aus Schweizer Sicht zu erklären. Die Emotionen und die Polemik überwiegen ständig, und das ist sehr frustrierend.»

Der Tessiner Politiker kritisiert aber auch fehlendes Mitgefühl hierzulande. «Die Schweiz muss mehr Empathie zeigen den Opfern gegenüber, auch gegenüber Schweizer Opfern», wird er zitiert. Für Juristen seien in einem solchen Fall Jahre «kein Problem». Ganz anders sehe das bei den Opfern aus: «Für sie ist jeder vergangene Tag eine Ewigkeit.»

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