Trotzdem brauchts künftig mehr Geld
Milliarden-Rendite für die AHV

Der Ausgleichsfonds Compenswiss erwirtschaftete 2025 eine Nettorendite von 6,34 Prozent. Die 13 AHV-Rente trübt aber die Aussichten.
Kommentieren
1/6
Das verwaltete Gesamtvermögen von AHV, IV und EO steigt auf über 50 Milliarden Franken.
Foto: CHRISTIAN BEUTLER

Darum gehts

  • Sozialversicherungen machen 2025 gute Rendite
  • Von Compenswiss verwaltetes Gesamtvermögen steigt auf 50,5 Milliarden
  • AHV-Finanzierung langfristig gefährdet durch 13. AHV-Rente
Die künstliche Intelligenz von Blick lernt noch und macht vielleicht Fehler.
RMS_Portrait_AUTOR_1047.JPG
Ruedi StuderBundeshaus-Redaktor

Die drei Sozialversicherungen des Bundes schliessen das Geschäftsjahr 2025 positiv ab. Im Ausgleichsfonds von Alters- und Hinterlassenenversicherung (AHV), Invalidenversicherung (IV) und Erwerbsersatzordnung (EO) liegt derzeit ein Gesamtvermögen von 50,5 Milliarden Franken – rund 4,4 Milliarden Franken mehr als noch im Vorjahr. Bereits damals resultierte ein satter Zustupf von gut 5,5 Milliarden Franken.

Den Anstieg verdankt der für die Vermögensverwaltung zuständige Ausgleichsfonds Compenswiss einer starken Rendite von 6,34 Prozent auf dem Anlagevermögen. «Das Resultat ist gut», sagte Compenswiss-Präsident Manuel Leuthold (66) vor den Medien. Das positive Ergebnis ist insbesondere auf Aktien, Gold und Währungseffekte zurückzuführen.

Vom verwalteten Gesamtvermögen entfallen 44,64 Milliarden Franken auf die AHV. Ein Plus von 2,4 Milliarden! Auf die IV entfallen 3,66 Milliarden (+215 Millionen) und auf die EO 2,25 Milliarden (+128 Millionen). Die Schulden der IV gegenüber der AHV bleiben unverändert bei 10,28 Milliarden Franken.

Compenswiss-Präsident warnt

Allerdings ist dies nur eine Momentaufnahme. Die positiven Renditen reichen nicht aus, um die Finanzierung der AHV und der IV langfristig zu sichern. Bei der AHV drückt die «Dreizehnte» auf die Kasse. Im kommenden Dezember wird die 13. Rente erstmals ausbezahlt. 4 bis 5 Milliarden Franken werden dafür jährlich fällig. Alleine letztes Jahr hat Compenswiss dafür Liquiditätsreserven in der Höhe von 2 Milliarden Franken gebildet. 

«Kurzfristig könnte sich das Vermögen stabilisieren», sagt Leuthold. Doch er warnt: Die gesetzliche Vorgabe, einen Fondsbestand von 100 Prozent der jährlichen Ausgaben zu gewährleisten, werde wegen der 13. AHV-Rente immer schwieriger einzuhalten sein.

«Ohne Mehreinnahmen entstehen rasch grosse Defizite»
1:15
Bundesrätin Baume-Schneider:«Ohne Mehreinnahmen entstehen rasch grosse Defizite»

Gemäss den jüngsten AHV-Finanzperspektiven des Bundes ist klar: Ohne Zusatzeinnahmen dürfte das Umlageergebnis schon dieses Jahr ins Negative kippen. Beim Betriebsergebnis rechnet der Bund ab 2029 mit roten Zahlen. Nicht nur wegen der demografischen Entwicklung und der «Dreizehnten». Sondern auch, weil die Anlagerendite mit abnehmendem Vermögen tendenziell sinken wird. 

«Eine zusätzliche Finanzierung bleibt daher unerlässlich», betont Leuthold. «Warten kostet!»

Hickhack um Zusatzfinanzierung

Bloss, die Politik tut sich derzeit schwer damit, die drohenden Milliardendefizite zu verhindern. SP-Bundesrätin Elisabeth Baume-Schneider (62) will die Mehrwertsteuer um 0,7 Prozentpunkte erhöhen, um das Loch zu stopfen.

Der Nationalrat hingegen möchte die Mehrwertsteuer befristet nur bis Ende 2030 um 0,7 Prozentpunkte erhöhen. Danach sollen strukturelle Massnahmen wie etwa ein höheres Rentenalter die AHV entlasten, so die Idee.

Der Ständerat wiederum werkelt an einer Mischvariante mit zusätzlichen Lohnprozenten und höherer Mehrwertsteuer. Diese fasst auch gleich höhere Ehepaarrenten ins Auge, was jährlich ebenfalls gegen 4 Milliarden Franken zusätzlich kosten würde. Wer das politische Hickhack für sich entschiedet, ist offen.

IV droht Ungemach

Ohne Zusatzeinnahmen droht auch bei der IV Ungemach. Die Finanzperspektiven verschlechtern sich aufgrund einer steigenden Zahl an Neurentnern deutlich. Besonders Neurenten für psychisch kranke junge Leute fordern die IV stark. Um die für die Rentenzahlungen notwendige Liquidität sicherzustellen, will Compenswiss dieses Jahr Vermögenswerte in Höhe von rund 35 Millionen Franken pro Monat verkaufen.

Sollte die nächste IV-Reform nicht genügen, schlägt der Bundesrat vor, die Lohnbeiträge um 0,1 bis 0,2 Prozentpunkte zu erhöhen. 

EO-Fonds stabil

Während AHV und IV mit grossen Herausforderungen konfrontiert sind, steht der EO-Fonds geradezu als Musterschüler da. «Er weist eine bemerkenswerte Stabilität und bleibt vorerst von den finanziellen Herausforderungen verschont, mit denen der AHV- und der IV-Fonds konfrontiert sind», konstatiert Compenswiss.

Die Betriebsergebnisse der drei Sozialversicherungen werden im April veröffentlicht. Erst dann zeigt sich, wie viel Kapital die drei Sozialwerke effektiv in der Kasse haben.

Was sagst du dazu?
Heiss diskutiert
    Meistgelesen