Darum gehts
- Einkaufstourismus trotz 2025 gesenkter Wertfreigrenze von 150 Franken ungebrochen aktiv
- Schweizer Franken und tiefer Eurokurs fördern Einkäufe im nahen Ausland
- Jährliche Umsatzausfälle durch Einkaufstourismus über zehn Milliarden Franken geschätzt
Politische Massnahmen nützen wenig. Herr und Frau Schweizer lassen sich auch weiterhin nicht vom Einkaufstourismus abhalten. Dabei war auf Anfang 2025 eigens die Wertfreigrenze von 300 auf 150 Franken halbiert worden, nachdem sich das Schweizer Gewerbe immer wieder beschwert hatte, dass Milliarden ins Ausland fliessen würden.
Das Einkaufsvolumen im nahen Ausland aber steigt dennoch, berichtet «20 Minuten» mit Verweis auf den Detailhandelsverband Swiss Retail Federation und BAK Economics. So sei das Einkaufsvolumen gemäss Zahlen zu den Kartenzahlungen von Worldline im 2025 im Vergleich zum Vorjahr um 2,8 Prozent gestiegen.
Detailhandel hat im Preiswettbewerb kaum Chancen
Es ist auch der starke Schweizer Franken, der der Politik einen Strich durch die Rechnung macht, erkläre das Wirtschaftsforschungsinstitut BAK Economics. Ein Euro ist derzeit noch rekordtiefe 92 Rappen wert.
Der Einkaufstourismus verschärfe den Wettbewerb, warne der Detailhandelsverband. Die Kosten im Schweizer Detailhandel lägen im Durchschnitt rund 50 Prozent höher als in den vier EU-Nachbarländern. Treiber seien gerade die teurere Warenbeschaffung, Vorleistungen und Arbeitskosten.
Zwar dämpfe die tiefere Mehrwertsteuer in der Schweiz den Preisunterschied gegenüber dem Ausland, dennoch bleibe der Spielraum der Unternehmen im Preiswettbewerb eingeschränkt. Gleichzeitig würden Einkaufstourismus und ausländische Onlineplattformen den Druck auf die Margen verstärken.
Bundesratspläne bereiten dem Detailhandel Sorgen
Der Detailhandelsverband schätzt die jährlichen Umsatzausfälle durch den Einkaufstourismus auf über zehn Milliarden Franken. Sorgen bereiten würden den Detailhändlern zudem asiatische Online-Marktplätze, die weitere Marktanteile gewännen. Kleinere Unternehmen fühlten sich besonders stark von ihnen bedroht.
Und der Detailhandelsverband befürchtet weitere Erschwernisse: «Wer die Binnenwirtschaft stärken will, darf den Detailhandel nicht zusätzlich belasten oder den Konsum in der Schweiz über Mehrwertsteuer oder Erhöhung der Lohnnebenkosten verteuern», wird Direktorin Dagmar Jenni zitiert.
Jenni spiele damit auf die Pläne des Bundesrats an, die Mehrwertsteuer um 0,8 Prozent zu erhöhen, um mehr Geld für die Armee zur Verfügung zu haben. Parallel dazu wird eine weitere Erhöhung der Mehrwertsteuer zugunsten der AHV diskutiert.