Darum gehts
- Die meisten Badegäste verhalten sich trotz Hitze angemessen
- Gleichzeitig können Temperatur und hohe Besucheraufkommen zu mehr Konflikten führen
- Kanton Basel-Stadt verschärft Massnahmen für «sicheren und reibungslosen» Betrieb
Hitze stresst nicht nur den Körper, sondern kann laut Studien auch zu mehr aggressivem Verhalten führen. Wo könnte sich das stärker zeigen als in der Badi – zwischen langen Warteschlangen, vergessener Sonnencreme oder unzufriedenen Kindern? Blick hat bei diversen Freibädern nachgefragt – und einige interessante Anekdoten erfahren.
Unangebrachtes Verhalten scheint in Badis durchaus ein Thema zu sein. So hat etwa der Kanton Basel-Stadt nach den letztjährigen Erfahrungen verstärkte Massnahmen «für einen sicheren und reibungslosen Badebetrieb» eingeführt. An einzelnen Spitzentagen sei es zu mehr Regelverstössen gekommen. Darum gebe es nun beispielsweise «mehr Bad- und Sicherheitspersonal, insbesondere an stark frequentierten Tagen», wie der Kanton auf Anfrage mitteilt. Zudem macht er mit einer Kampagne auf die Baderegeln aufmerksam, verschärfte das Vorgehen bei Regelverstössen und schult das Personal in Deeskalation.
Temperatur erhitzt die Gemüter
Nötig sind die Massnahmen aber nur für einen kleinen Teil der Badegäste. Die überwiegende Mehrheit verhalte sich auch bei den derzeit hohen Temperaturen respektvoll, betont der Kanton Basel-Stadt. «Es gibt aber Situationen, die erfahrene Bademeister mit einem innerlichen Schmunzeln zur Kenntnis nehmen.» Etwa, wenn direkt neben einer Verbotstafel Fussball gespielt werde.
Für hitzige Köpfe sorgt die Dauer-Sonneneinstrahlung auch in der Badi Balsthal SO. «Man könnte der Polizei fast ein Saisonabo ausstellen», sagt Gemeindepräsident Freddy Kreuchi (35, FDP) zur «Solothurner Zeitung». Die Gemeinde engagierte gar einen Sicherheitsdienst an besonders heissen Wochenenden. Die Bilanz: Zwölf Hausverbote alleine in vier Wochen. Es seien vor allem Personen mit Migrationshintergrund gewesen, so Kreuchi. «Man kann es nicht schönreden.» Die Leute würden Anordnungen missachten oder mit Strassenkleidung ins Wasser gehen wollen.
Die Hitze könne in den städtischen Freibädern zu mehr «Dichtestress» führen, heisst es auch aus der Stadt Bern. «Dieser trägt mit den heissen Temperaturen weiter zu einer hitzigeren Stimmung bei, wortwörtlich.» Die meisten Gäste freuten sich zwar in erster Linie über das abkühlende Nass. Doch andere «stören sich dann aber vereinzelt an Kleinigkeiten, die an kühleren Tagen, die Gemüter wohl nicht erhitzen würden» – etwa das Anstehen vor dem WC oder das Hineinspringen ins Becken.
Vereinzelt höre man auch die Bemerkung, dass Wassertemperaturen über 25 Grad keine Abkühlung mehr seien, berichtet das Sportzentrum Zuchwil SO. Unfreundliches Verhalten gebe es nur selten. «Die anhaltende Hitze führt aber sicherlich bei gewissen Gästen dazu, dass sie sich eventuell früher als sonst über etwas längere Wartezeiten ärgern.» Das seien aber Ausnahmen.
«Das Potenzial für Konflikte steigt»
Grundsätzlich scheinen die Schweizer Badis mit der aktuellen Hitzewelle aber gut zurechtzukommen. «Die Gäste verhalten sich gleich freundlich wie immer. Es gibt keine negativen Vorkommnisse», schreibt etwa das Strandbad Thun. Man habe lediglich ein teilweise höheres Besucheraufkommen festgestellt.
Auch in den Sommerbädern der Stadt Zürich herrsche «eine gute, friedliche und freundliche Stimmung», wie das Sportamt mitteilt. Aufgrund des schönen und warmen Wetters sowie der Sommerferienzeit seien die Badis aktuell gut besucht. Es liege in der Natur der Sache, «dass dort, wo es mehr Menschen gibt, das Potenzial für Konflikte steigt». Das spüre das Personal auch vereinzelt in den Anlagen. «Diese Konflikte lassen sich aber in den allermeisten Fällen sehr friedlich wieder auflösen.»