Darum gehts
- FDP-Wahlwerbung wird vom Marzili-Open-Air-Kino in Bern abgelehnt
- Kino will politische Neutralität wahren und schliesst politische Werbung aus
- Rund eine Woche nach Buchung wurde die FDP-Werbung zurückgewiesen
Sommerzeit ist auch Zeit für Open-Air-Kinos. Die FDP will das nutzen, um ihren Wahlkampf-Film zu präsentieren. Sie hat bei verschiedenen Freiluftkinos Werbespots gebucht. Doch ausgerechnet in der Bundesstadt Bern, wo im stadteigenen Freibad Marzili ein Filmfest stattfindet, wird die Partei abgewiesen.
Die FDP buchte den Spot ursprünglich über einen Werbevermarkter. Politische Werbung sei im Marzili möglich, hiess es zuerst. Doch rund eine Woche nach der Buchung kam die Kehrtwende: Die Wahlwerbung – die unverfängliche Symbolbilder der Schweiz enthält – darf nicht gezeigt werden.
FDP-Nationalrat Christian Wasserfallen (45) ärgert sich. «Es ist ein Armutszeugnis und sehr kleinkariert, dass wir diesen harmlosen Film nicht zeigen dürfen», sagt der Berner zu Blick. «Dass der Film in der Bundesstadt am Hauptort der Schweizer Politik nicht läuft, ist erschreckend, dies umso mehr, als dass das Kino auf öffentlichem Grund stattfindet.»
Keine politische Werbung
Gegenüber Blick schreibt das Marzili-Open-Air-Kino, man habe sich nicht explizit gegen die FDP-Werbung entschieden, «sondern generell gegen politische Werbung». «Als Kulturorganisation wollen wir politisch neutral sein und bleiben. Das Marzili-Movie ist ein Ort, an dem sich alle Personen jeglicher politischen Haltung wohlfühlen sollen.»
Tatsächlich ist es nicht aussergewöhnlich, dass Kinos politische Werbung nicht zulassen. Besonders ist aber die Kehrtwende – also dass zuerst eine Buchung möglich ist, diese später aber gestrichen wird.
«Bei der Festlegung unserer Ein- sowie Ausschlusskriterien waren wir offensichtlich zu wenig präzis, um politische Werbung explizit auszuschliessen», schreibt das Marzili-Open-Air. Man habe erst auf der Buchungsliste von der Werbung erfahren, wolle nun aber daraus lernen, versprechen die Organisatoren. Gerade weil man die Unterstützung der Stadt Bern und der Burgergemeinde Bern erhalte, erachte man es «als wichtig, politisch neutral zu sein und zu bleiben».
Es ist nicht das erste Mal, dass das Marzili in diesem Sommer für politische Diskussionen sorgt: Eine trans Person hatte sich in den für Frauen reservierten Bereich «Paradiesli» begeben. Der Vorfall löste eine Debatte über geschlechtergetrennte Bereiche in Badis aus.