Nach Eklat im Marzilibad
Stadtparlament zofft sich um Zutrittsregeln

Nach dem Vorfall im Marzilibad streitet man sich in Bern über das weitere Vorgehen. Die Meinungen könnten unterschiedlicher nicht sein.
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Der Vorfall im Berner «Paradiesli» beschäftigt die Schweiz.
Foto: Keystone

Darum gehts

KI-generiert, redaktionell geprüft
  • Im Berner Frauenbad «Paradiesli» musste eine trans Frau von Polizisten abgeführt
  • In Bern wird nun über die Zutrittsregeln und queerfreundliche Schutzräume in Freibädern diskutiert
  • Die Meinungen gehen stark auseinander
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Simone SteinerBundeshausredaktorin

Der Vorfall sorgte für Furore: Am vergangenen Sonntag hielt sich im Berner Frauenbad «Paradiesli» eine trans Frau auf. Weil sie männliche Körpermerkmale hatte, fühlten sich einige Badibesucherinnen gestört. In der Folge wurde sie in Handschellen von sechs Polizisten aus dem FKK-Bereich abgeführt.

Die Stadt Bern entschuldigte sich im Nachgang für den Vorfall. Denn gemäss den Hausregeln des Freibads hätte sich die trans Frau im FKK-Bereich aufhalten dürfen. Diese sehen vor, dass alle Personen Zutritt haben, die sich als Frau identifizieren.

Seither wird schweizweit darüber debattiert, wie künftig mit solchen Fällen umgegangen werden soll. Besonders hitzig wird die Frage in der Stadt Bern diskutiert. In der vergangenen Woche haben Parlamentarier von links bis rechts unterschiedliche Vorstösse zum Thema eingereicht. 

Kein Zutritt für Personen mit männlichen Geschlechtsorganen

Der SVP-Stadtrat Alexander Feuz (61) zeigt sich gegenüber Blick schockiert über den Vorfall im Marzilibad. Für ihn ist klar: Künftig müssen die Frauen im «Paradiesli» besser geschützt werden. Mit den heutigen Hausregeln sei ihre Sicherheit nicht mehr gewährleistet. Derzeit könne ein Mann sein Geschlecht im Pass für 75 Franken ändern. Danach habe er Zutritt zum FKK-Bereich. «So geht das einfach nicht!»

Seiner Ansicht nach müssen die Zutrittsregeln umgehend geändert werden. Deshalb hat Feuz eine Motion eingereicht, die Personen mit männlichen Geschlechtsorganen den Zutritt zum «Paradiesli» künftig verbieten will. Nur so bleibe der Platz an der Aare ein geschützter Rückzugsort für Frauen.

Separate Zeitfenster

Auch die FDP-Stadträtin Chantal Perriard (59) beschäftigte sich in den letzten Tagen intensiv mit dem Fall. Um sich ein Bild von der Stimmung unter den Nutzerinnen zu machen, besuchte Perriard das «Paradiesli» am Dienstag und führte eine Befragung durch. «Dabei ist deutlich geworden, dass das Schutzbedürfnis unter den Nutzerinnen ausgeprägt ist», erzählt sie Blick.

«Die Befragung ist weder repräsentativ noch offiziell», betont Perriard. Insgesamt habe sie mit 50 Badegästinnen gesprochen. 82 Prozent der Befragten hätten angegeben, dass eine nackte Person mit männlichen Geschlechtsmerkmalen ihre Intimsphäre stark oder teilweise beeinträchtige. 14 Prozent hätten dies nicht als Beeinträchtigung empfunden; 4 Prozent gaben keine eindeutige Antwort. 

Die FDP-Frau setzt sich dafür ein, dass das «Paradiesli» auch in Zukunft ein friedlicher und geschützter Rückzugsort für Frauen bleibt. Gleich wie Feuz fordert auch sie eine Überprüfung der Zutrittsregeln. Im Gegensatz zum Kollegen aus der SVP will sie trans Frauen jedoch nicht grundsätzlich aus dem FKK-Bereich verbannen. Stattdessen strebt Perriard nach einer Lösung, die den unterschiedlichen Bedürfnissen Rechnung trägt.

«Kurzfristig könnte ein klar angekündigtes Zeitfenster geprüft werden, in dem auch trans Frauen mit sichtbaren männlichen Geschlechtsmerkmalen das Paradiesli nutzen könnten», sagt sie. Langfristig könnten weitere Lösungen geprüft werden – etwa ein separater, geschützter Bereich für trans Frauen mit sichtbaren männlichen Geschlechtsmerkmalen.

Zusätzliche Schutzräume für queere Personen

Ganz anders beurteilt die linke Ratsseite den Fall. «Trans Frauen sind Frauen», sagt Anna Jegher von der Jungen Alternative (JA!) zu Blick. Entsprechend sollten sie auch künftig uneingeschränkt Zugang zum «Paradiesli» haben – so, wie es die heutigen Regeln vorsehen.

Für Jegher ist der Vorfall Ausdruck einer zunehmenden Transfeindlichkeit in der Schweiz. Statt den Zugang zu bestehenden Schutzräumen für Personen, die sich als Frauen identifizieren, einzuschränken, fordert sie mehr Verständnis für die Lebensrealität von trans Personen.

«Zudem haben auch andere queere Personengruppen ein legitimes Bedürfnis nach Räumen, in denen sie vor unerwünschten Blicken, Belästigungen und Übergriffen geschützt sind», sagt sie zu Blick. Die heutige Infrastruktur der städtischen Bäder biete für diese Personengruppen derzeit keine entsprechenden Schutzräume.

Deshalb hat sie gemeinsam mit Mitgliedern der SP und den Grünen eine Motion eingereicht, die zusätzlich zu den bestehenden Frauenbereichen die Schaffung von mindestens einem queeren Schutzraum in den städtischen Freibädern fordert.

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