Darum gehts
- Hitzewelle füllt Luzerner Badis, Politiker warnen vor Smart Glasses als Gefahr
- Grüne fordern Regeln gegen Hightech-Brillen, um Privatsphäre zu schützen
- In Deutschland bereits Fälle: Heimliche Aufnahmen erreichten Hunderttausende Aufrufe
Die bereits dritte Hitzewelle des Jahres sorgt in den Badis für Grossandrang. Dort schlummern jedoch auch Gefahren – etwa sogenannte «Smart Glasses». Sie sehen aus wie harmlose Sonnenbrillen, doch sie können filmen, Gespräche aufzeichnen und Daten direkt in die Cloud laden. Das Spanner-Tool ruft auch die Politik auf den Plan. In Luzern fordern die Grünen schärfere Regeln gegen die Hightech-Brillen.
Wie Zentralplus berichtet, will die Partei die Stadtregierung zum Handeln bewegen. Besonders in Freibädern, an öffentlichen Badeplätzen und bei städtischen Veranstaltungen müsse der Schutz der Privatsphäre sichergestellt werden, schreibt sie in einem Vorstoss.
Noch keine Fälle bekannt
«Smart Glasses machen aus jedem Menschen eine potenzielle Überwachungskamera», wird Stadtparlamentarier Adrian Häfliger in einer Mitteilung zitiert. Besonders heikel sei es an den öffentlichen Orten, wo Menschen oft leicht bekleidet sind. An Badeplätzen am Vierwaldstättersee und an der Reuss also.
Obwohl es in der Zentralschweizer Stadt laut Häfliger noch keine bekannten Vorfälle gibt, wollen die Grünen nicht abwarten, bis ein Skandal passiert. «Smart Glasses sind noch nicht sehr verbreitet – es ist aber nicht auszuschliessen, dass diese rasch Verbreitung finden. Dann sollte die Stadt bereits die Handlungsspielräume geprüft haben», so Häfliger gegenüber Zentralplus. Auch in Städten wie Wil SG und Basel wurden in den letzten Monaten ähnliche Vorstösse eingereicht.
Generelles Verbot kaum möglich
Wie dringend das Thema ist, zeigt ein Blick nach Deutschland. Dort sorgte eine Recherche von ARD und SWR für Aufsehen: Frauen wurden mit Smart Glasses heimlich gefilmt, die Videos landeten auf sozialen Medien und erreichten teils Hunderttausende Aufrufe.
In Luzern wäre ein generelles Verbot der Kamera-Brillen rechtlich schwierig umzusetzen. Doch die Grünen sehen Spielraum für Einschränkungen in städtischen Gebäuden, Badeanlagen und bei Veranstaltungen. Der Stadtrat soll entsprechende Massnahmen prüfen und dabei auch die kantonale Datenschutzbeauftragte sowie den Ethikbeirat Smart City konsultieren.
Ziel sei es, die Persönlichkeitsrechte der Bevölkerung zu schützen – gerade dort, wo Menschen sich in ihrer Privatsphäre besonders verletzlich fühlen könnten. «Die Politik kann dies nicht tatenlos hinnehmen», betont Häfliger gegenüber Zentralplus.