Darum gehts
- Wirtschaftswissenschaftler sieht junge Schweizer Männer gegenüber Ausländern benachteiligt – mit Folgen für Beruf und Studium
- Mögliche Lösungen: Man könne die Dienstpflicht ausweiten oder eine Steuer erheben
- Damit könne man auch «das Problem der grossen Zuwanderung mildern»
Die Militärdienstpflicht gilt nur für junge Schweizer, Ausländer und Frauen sind davon ausgenommen. «Im Vergleich zu Ausländern werden die jungen Schweizer Männer erheblich belastet», schreibt der bekannte Wirtschaftswissenschaftler und emeritierte Professor Bruno S. Frey (85) in einem Gastkommentar in der «Neuen Zürcher Zeitung» – und schlägt eine Ausweitung der Dienstpflicht vor. Damit könnte man auch «potenzielle Zuwanderer abschrecken».
Gemäss Verfassung ist jeder männliche Schweizer Staatsbürger militärdienstpflichtig. Die Dienstpflicht beginnt am Anfang des Jahres, in dem er 18 Jahre alt wird. Für einen Soldaten umfasst sie eine Rekrutenschule zu 18 Wochen und 6 Wiederholungskurse à 3 Wochen. Je höher der Grad, desto mehr Diensttage müssen geleistet werden.
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Neben dem Militärdienst kennt die Schweiz auch andere Dienstformen: den Zivildienst für junge Männer mit Gewissenskonflikten und den Zivilschutz bei einfacher medizinischer oder psychologischer Untauglichkeit. Wer dem Zivilschutz zugeteilt ist oder seine Wehrpflicht – etwa aufgrund einer doppelten Untauglichkeit – nicht erfüllt, bezahlt normalerweise eine Ersatzabgabe. Dies in der Regel vom 19. bis zum abgeschlossenen 30. Lebensjahr.
«Rein zeitliche Bürde»
Junge Männer, die keinen Schweizer Pass besitzen, müssen sich mit diesen Themen nicht auseinandersetzen. Bruno S. Frey sieht Schweizer Männer gegenüber Ausländern diesbezüglich benachteiligt. Dies sei relevant, «weil etwa 50 Prozent der entsprechenden Altersgruppe Ausländer sind».
Die Folgen seien handfest, schreibt er in seinem «NZZ»-Beitrag weiter: Neben der «rein zeitlichen Bürde» könne die lange Absenz am Arbeitsplatz oder beim Studium die Karriereaussichten einschränken, argumentiert Frey. Auch ein höherer militärischer Grad habe – anders als früher – kaum mehr eine positive Wirkung auf die Karriere. «Manche ausländische CEOs und Verwaltungsratsmitglieder wissen die Dienstpflicht der jungen Schweizer nicht zu schätzen, ja kennen sie nicht einmal.»
«Problem der grossen Zuwanderung mildern»
Frey sieht zwei Wege, um der «Benachteiligung der jungen Schweizer Männer» entgegenzuwirken. Man könnte etwa die männlichen Ausländer «unter zu definierenden Bedingungen» zum Dienst verpflichten. Dies wäre auch ein Gewinn für die Integration, argumentiert Frey in der «NZZ».
Zum anderen könnte man den männlichen Ausländern dieselbe Steuer auferlegen wie denjenigen, die keinen Militär- oder Zivildienst leisten. Die beiden Massnahmen wären auch eine Möglichkeit, «das Problem der grossen Zuwanderung zu mildern», so Frey. Die Steuer könnte einerseits «potenzielle Einwanderer abschrecken» und andererseits die «Akzeptanz der Zuwanderung erhöhen».