Darum gehts
- Basel kauft 600 Wohnungen für dreistelligen Millionenbetrag, sichert günstigen Wohnraum
- Zürich verwaltet über 10'000 Wohnungen, plant Anstieg auf 33 Prozent gemeinnützig
- Lausanne nutzte Vorkaufsrecht 15-mal seit 2020, jedoch unter grosser Kritik
Die Schweizer Städte kämpfen um ihren Wohnraum – und werden dabei immer wieder ausgebremst. Ende 2025 verwarf etwa die Stimmbevölkerung des Kantons Zürich das Vorkaufsrecht für die Gemeinden. Grosse Leidtragende: die Kantonshauptstadt und Winterthur. An beiden Orten setzten sich die Stadtregierungen für ein Ja ein.
Der staatliche Grundstückskauf gilt besonders in linken Kreisen als nötiges Instrument gegen die Wohnungsnot. Ob Kredite, Fonds oder Vorkaufsrechte: Die urbanen Zentren mischen im Immo-Markt immer stärker mit. Das passiert nicht ohne Kritik.
In Basel will die Stadt hoch hinaus
Der Kanton Basel-Stadt kauft 600 Wohnungen. Mitte Mai präsentierte die Regierung den Beschluss, in Kleinbasel die Areale «Im Surinam» und «Horburg» von einem Ableger der UBS-Anlagestiftung zu übernehmen – für einen dreistelligen Millionenbetrag.
Die Ansage ist klar: Der Staat soll bezahlbaren Wohnraum sicherstellen. In Basel gelten auch mit dem Zukauf nur 15 Prozent der Wohnungen als günstig. Das Parlament beauftragte die Regierung vor zwei Jahren, den Wert bis 2050 auf mindestens ein Viertel auszubauen.
Das passiert dennoch nicht ohne bürgerlichen Aufschrei: Der Eingriff in den Wohnungsmarkt verzerre den Markt. Die Stadt als mächtige Konkurrenz zu den Privaten? Längerfristig soll das in Basel nicht der Fall sein: Wie die Kantonsregierung mitteilt, sollen die gekauften Wohnungen an Genossenschaften übergeben werden – jedoch frühestens 2029.
Zürich ist Immo-Königin
Auch in Zürich schallt das Argument der Marktmacht durch die politische Diskussion um den Wohnraum – und war wohl im Rest des Kantons auch ein gewichtiger Faktor für das Nein zum Vorkaufsrecht.
In der grössten Stadt der Schweiz sind staatliche Immobilien bereits Big Business: Die Stadt verwaltet mittlerweile über 10'000 Wohnungen und besitzt zudem vier Wohnstiftungen mit 4500 weiteren. Sie ist damit mitunter wohl der grösste Immobilienbesitzer in öffentlicher Hand. Die Stadtzürcher Stimmbevölkerung entschied ausserdem bereits 2011, dass der Anteil an gemeinnützigen Wohnungen bis 2050 auf ein Drittel steigen soll – aktuell sind es rund 27 Prozent.
Auch in der zweitgrössten Stadt des Kantons ist der gemeinnützige Wohnungsbau im Brennpunkt: Wie die Stimmbevölkerung Ende 2024 entschied, soll die Stadt bis 2040 jährlich 120 gemeinnützige Wohnungen ermöglichen. Um das Anliegen umzusetzen, will die Regierung alsbald einen städtischen Wohnraumfonds einrichten.
Sowieso: Im Kanton Zürich dominiert das Mietthema aktuell die Abstimmungssonntage. Auch am 14. Juni landen gleich drei Vorlagen an der Urne. Neben einem kantonalen Mietzinsdeckel und einer Eigentumswohnungsquote fordern die Grünen mit einer Initiative, dass das Modell der Wohnraumstiftung auch auf Kantonsebene angewendet wird.
Lausanne hat viele Rechte – doch nützen sie?
Der Kanton Waadt hat das Vorkaufsrecht bereits seit 2020. Angewendet wurde es in der Hauptstadt Lausanne seither 15-mal. Etwas mehr als 700 Wohnungen sind aktuell im Besitz der Stadt – 330 davon durch das neu eingeräumte Recht. Wie in Basel sollen sie letztlich bei Genossenschaften landen.
Im Abstimmungskampf im Kanton Zürich wurde Lausanne sowohl als Musterbeispiel als auch Problemzone aufgezeigt. Die Westschweizer Stadt habe damit die Möglichkeit, günstigen Wohnraum effektiv zu schützen, indem sie ihn den privaten Investoren vor der Nase wegschnappt, argumentierten Befürworter.
Die Gegner sahen im Vorkaufsrecht dagegen einen Teufelskreis: Die Stadt habe grosse Mühe, die Wohnungen an Baugenossenschaften weiterzuverkaufen – viele Grundstücke sind für diese zu teuer. Wie die «NZZ» im November schrieb, sorge das dafür, dass die erworbenen Liegenschaften in Lausanne kaum renoviert oder saniert werden. Auch zusätzliche Wohnungen würden auf den Grundstücken dadurch nicht gebaut. Somit stiegen die Mietpreise trotz des Instruments weiter in die Höhe.
Versucht es nun Luzern?
Trotz der Kritik: Am 14. Juni könnte doch noch eine Deutschschweizer Stadt dem Modell Lausanne folgen. In Luzern kommt dann eine SP-Initiative an die Urne, die das Vorkaufsrecht bei Mehrfamilienhäusern und Überbauungen einführen will. Gelten soll das bei einer Leerstandsquote unter 1,5 Prozent – ein Wert, den die Stadt bereits seit mehr als zwei Jahrzehnten nicht mehr überschritten hat.
Dass die Wohnungsdebatte endgültig in allen urbanen Zentren der Schweiz angekommen ist, zeigt die zweite Vorlage, über die das Luzerner Stimmvolk entscheiden muss: Sie will eine Wohnraumstiftung einführen, die in der Stadt rund 500 bezahlbare Wohnungen errichten soll.