Darum gehts
- Im Bundeshaus liegt ein kaum bekannter Raum namens «320 Lampenhimmel»
- Der Raum über dem Nationalratssaal enthält 60 Scheinwerfer und 234 Milchglasfelder
- Die Milchglasdecke wird jährlich zweimal geputzt, es braucht viel Arbeit
Die weitherum sichtbare Kuppel? Kennen alle. Der Nationalratssaal mit seinem Wandbild? Klar. Der vornehme Ständeratssaal? Natürlich. Die Drei Eidgenossen in der Kuppelhalle? Ein beliebtes Fotosujet. Das Bundeshaus hat viele bekannte, auch prunkvolle Räume. Doch es hält auch Überraschungen bereit.
Einer der wohl geheimnisvollsten Räume befindet sich im dritten Stock. Er trägt einen fast poetischen Namen: «320 Lampenhimmel». Die Räte rücken ihn dieser Tage selbst etwas ins Rampenlicht – und lassen in Posts spektakuläre Fotos sprechen. Die Parlamentsdienste haben Blick die Aufnahmen zur Verfügung gestellt.
Was sich hinter dem Milchglas verbirgt
Der Lampenhimmel liegt direkt über dem Nationalratssaal. Den imposanten Raum dürfen nur wenige betreten – auch aus Sicherheitsgründen. Erreichbar ist er über eine breite Leiter im dritten Stock des Parlamentsgebäudes. Wer hinaufsteigt, landet in einer eigenen Welt: ein grosszügiger, fast industriell wirkender Raum. Selbst für Parlamentarier oder Bundesrätinnen dürfte sein Innenleben weitgehend unbekannt sein.
Metallstreben, Kabel, Scheinwerfer. Kein Prunk, nichts Repräsentatives. Der Raum selbst wird von einem Glasdach überspannt. Ein Gerüst zieht sich hindurch, dazwischen stehen dicht an dicht rund 60 Scheinwerfer, ausgerichtet auf die Decke mit ihren 234 verzierten Milchglasfeldern. Der Blick ist leicht getrübt – und doch liesse sich das Treiben im darunterliegenden Saal wohl nirgends besser erahnen.
Ohne den Lampenhimmel würde der Nationalratssaal anders wirken. Bei Bedarf liefern die Scheinwerfer durch die Glasdecke zusätzliches Licht – weich und ohne harte Schatten. «Taghell», so lautete einst das Ziel. Die Erbauer des Bundeshauses wünschten sich einen «für die damalige Zeit besonders hellen und modernen Raumeindruck», heisst es bei den Parlamentsdiensten.
Dort oben wurde es ganz schön heiss
Dahinter steckt viel Arbeit. Die Leuchtkörper werden im Schnitt einmal pro Jahr ersetzt. Und die Decke mit den Milchglasfeldern verlangt ebenfalls Aufmerksamkeit: Sie werden zweimal jährlich geputzt, damit kein Staub das Licht dämpft. Dafür muss sich die Putzequipe auf eine Art Brücke wagen.
Zuständig ist das Bundesamt für Bauten und Logistik. Gesteuert wird die Beleuchtung diskret. Im Saal selbst sind Schalter hinter einer Holzverkleidung versteckt. Zudem gibt es heute auch Fernbedienungen.
Viel ist über den Lampenhimmel ansonsten nicht dokumentiert. Was jedoch verbürgt ist: Früher wurde es dort oben ganz schön heiss – natürlich nicht wegen der emotionalen Debatten im Saal. Seit der Sanierung vor einigen Jahren hat sich die Situation dank moderner Belüftung deutlich verbessert.