Darum gehts
- Serbiens Präsident Vucic will die Diaspora in der Schweiz stärker einbinden
- 130'000 Serben in der Schweiz gelten als «Schatz» und wichtige Brücke
- Schweizer Firmen investierten in über 100 serbische Start-ups, 14'000 Jobs geschaffen
Serbiens Präsident Aleksandar Vucic (56) möchte die Serbinnen und Serben in der Schweiz enger an den Staat im Balkan binden. Das sagt Vucic in einem Podcast von «Blic», dem serbischen Pendant von Blick. Beide Portale gehören zum Verlagshaus Ringier. Das Gespräch wurde wenige Stunden, nachdem Bundespräsident Guy Parmelin (66) am Dienstag auf Staatsbesuch in Belgrad war, geführt. Mehrere Fragen wurden zur Schweiz gestellt.
Rund 130’000 Personen mit Wurzeln in Serbien leben in der Schweiz. «Sie sind ein Schatz für Serbien», sagte Vucic. Sie stellten nicht nur eine «Brücke» zwischen den beiden Ländern her. Sie hätten insbesondere handwerkliche Berufe gelernt, würden ernsthaft und verantwortungsvoll arbeiten und hätten in der Schweiz Erfahrung im Lehrlingswesen gesammelt.
«Wir sollten versuchen, einige von ihnen zurückzuholen», so Vucic. Serbien könne ihr Wissen und ihre Kontakte nutzen. Eine Schwierigkeit sei, dass die serbische Gemeinschaft in der Schweiz zersplittert sei. «Wir Serben neigen dazu, uns überall, wo wir leben, in fünf Gruppen, fünf Vereine und fünf Parteien aufzuteilen.» Hier müsse sein Land ansetzen.
Viele IT-Auslagerungen nach Serbien
Parmelins Besuch habe den Beziehungen einen «starken Impuls» gegeben, sagte Vucic. Viele Menschen seien sich dessen nicht bewusst, «aber wir verzeichnen einen enormen Austausch im Dienstleistungsbereich». Dabei geht es insbesondere um den IT-Sektor. «Sie schätzen unsere jungen, begabten Fachkräfte.» Schweizer Firmen hätten in über 100 Start-ups investiert. Inzwischen habe der Warenaustausch die Milliardengrenze überschritten. «Dort besteht ein deutlicher Überschuss auf Schweizer Seite.» Vucic erwähnt die 42 Stadler-Zugkompositionen im Land. Es seien «hervorragende Züge».
Wichtig sei aber, «dass die Schweizer Unternehmen rund 14'000 Menschen beschäftigen und mit etwa drei Milliarden Euro zu den grossen Investoren zählen». In den Bereichen Innovation, künstliche Intelligenz oder Landwirtschaft wolle man die Zusammenarbeit intensivieren und beschleunigen.
«Alles angesprochen»
Angesprochen worden seien alle Themen, sagt Vucic. Bis hin «zum Schutz der Rechte von LGBT-Personen». Man könne offen miteinander reden, der Dialog sei für ihn wichtig. «In dieser Delegation gab es auch Personen, die sich durch sehr klare, mitunter auch von der serbischen Politik abweichende Positionen ausgezeichnet haben.» Mit Parmelin habe er auch über Proteste in Serbien und die Kritik an ihm gesprochen, so Vucic.
Serbien war wegen seiner prorussischen Haltung mehrfach in die Kritik geraten. Vucic glaubt, dass die Schweiz dies nachvollziehen könne. Schliesslich sei die Schweiz ein rationales Land. «Sie achten auf ihre Neutralität und darauf, stets alle Kommunikationskanäle offenzuhalten.» Die Schweiz wäge für sich selbst auch ab, was ihr nütze und was ihr schade.