Darum gehts
- Die Schweizer Armee gibt jährlich 3,4 Millionen Franken für seine Pferde aus
- Jährliche Mehrkosten von 1,3 Millionen wegen gestiegener Preise und Löhne
- 2018 wurde der Bestand von 65 auf 55 Tiere reduziert, die Finanzkontrolle sieht Sparpotential
Ob Super-Drohnen oder die neuen F-35-Kampfjets: Die Schweizer Armee hat zahlreiche Probleme mit ihren hochmodernen Neuanschaffungen. Mal funktionieren sie nicht, mal wird alles viel teurer.
Ganz anders sieht das bei den 51 offiziellen Armeepferden aus, die die Schweizerische Eidgenossenschaft auch 140 Jahre nach Erfindung des Automobils noch besitzt. Sie leisten zuverlässig und geräuschlos Dienst. Jedenfalls bisher.
Doch jetzt hat die Armee mit ihren Dienst-Rössern das gleiche Problem wie beim F-35: Alles wird teurer.
1,3 Millionen mehr pro Jahr
Die Armee muss für die Jahre 2026 bis 2028 3,8 Millionen Franken für das Nationale Pferdezentrum in Bern nachschiessen. Dies geht aus einem Beschaffungsentscheid des Bundes hervor. Die Mehrkosten für die Rösser betragen somit rund 1,3 Millionen Franken pro Jahr. Insgesamt gibt der Bund nun 3,4 Millionen Franken jährlich für mehrere Dutzend Rösser in Militärdiensten aus. Sie werden im nationalen Zentrum in Bern ausgebildet und gehalten.
Futter, Streu, Hufeisen, Medikamente: Die Preise gingen rauf. «Auch die Löhne sind gestiegen, nicht zuletzt aufgrund höherer Anforderungen an das Fachpersonal», begründet das Bundesamt für Rüstung, Armasuisse, die Nachzahlungen auf Blick-Nachfrage. Die bisherigen Beiträge reichen bei weitem nicht mehr, 20 Jahre lang seien die Tarife nicht angepasst worden.
Es gibt Reitpferde und Trainbundespferde
Die Armee besitzt 51 einsatzfähige Reitpferde. Hinzu kommen 19 drei- und vierjährige Pferde, die sich noch in der Ausbildung befinden. Die Armeepferde werden für die Reitausbildung von Patrouillenreitern oder Armeekadern eingesetzt. Sind sie nicht im Dienst, werden sie täglich von Mitarbeitenden des Pferdezentrums geritten. Sie leisten aber auch Einsätze bei der Reitermusik, der Berner Polizei oder bei Offiziersvereinen.
Jährlich kauft die Armee zudem gegen 25 sogenannte Trainbundespferde sowie einige Maultiere. Sie werden bei den drei Trainkolonnen als Trag-, Reit- und Zugtiere eingesetzt. Zu ihren Aufgaben gehört etwa der Materialtransport im unwegsamen Gelände.
Diese Tiere werden zwar im Nationalen Pferdezentrum ausgebildet. Danach werden sie aber an Trainsoldaten oder an Pferdelieferanten verkauft. Diese unterstehen einer Haltepflicht und müssen die Tiere während neun Jahren für Kurse und Dienst zur Verfügung stellen.
Finanzkontrolle sah schon lange Sparpotenzial
Die Kosten für das Nationale Pferdezentrum standen bereits mehrfach in der Kritik. Ein Dorn im Auge waren die hohen Kosten etwa der Eidgenössischen Finanzkontrolle. Diese hatte 2015 – damals noch bei Kosten zwischen 2,15 und 2,7 Millionen Franken pro Jahr – kritisiert, dass die Pferde nur rund 70 Tage im Jahr im Einsatz sind. Die Aufseher waren überzeugt: Mit einer besseren Planung der Kurse und Schulungen kann der Bund auch mit deutlich weniger Pferden kutschieren.
2018 wollte Bundesrat Guy Parmelin (66, SVP), damals Verteidigungsminister, dann den Bestand von 65 auf 35 Tiere verringern. Doch der Sparplan stiess auf erheblichen Widerstand bei den Pferde- und Armeefreunden unter der Bundeshauskuppel. Schliesslich einigten sich National- und Ständerat auf einen Kompromiss von 55 Tieren.
Bund ist auch Pferdezüchter
Neben den Armeerössern im Nationalen Pferdezentrum in Bern hält der Bund auch noch im Nationalgestüt in Avenches eigene Pferde. Das Gestüt gehört allerdings nicht zur Armee, sondern zum Bundesamt für Landwirtschaft. Dort sind 60 Freiberger-Hengste untergebracht, was über 5 Millionen Franken pro Jahr kostet.
Das Ziel des Nationalgestüts: die einzige Pferderasse schweizerischen Ursprungs zu erhalten. So wird etwa Sperma an Züchter verkauft. Sparpläne, die das Gestüt auflösen wollten, kamen auf politischer Ebene nicht durch. Bis 2030 soll die Zahl der Tiere aber von 60 auf 45 sinken.