SP-Nationalrat Jon Pult ganz privat
«Mit 30 hatte ich eine Krise»

Als Kind wollte er Polizist werden, heute ist er Politiker. Wann der Bündner SP-Nationalrat Jon Pult (41) mit seiner Frau streitet und warum ihn seine Tochter zu Tränen rührt.
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Der dreisprachige Bündner politisiert seit sieben Jahren im Nationalrat, 2023 war Jon Pult (41) neben dem heutigen Bundesrat Beat Jans offizieller Kandidat für die Nachfolge von Alain Berset.
Foto: Kurt Reichenbach

Darum gehts

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Silvana Degonda
Schweizer Illustrierte

Welches Ereignis hat Ihr Leben verändert?
Jon Pult: Die Geburt meiner Tochter Lea Amal vor 15 Monaten. Sie kam fünf Wochen zu früh – völlig unerwartet. Von einer Minute auf die andere war alles anders. Emotional mit Abstand das Prägendste und Schönste, was ich je erlebt habe.

Was wären Sie als Kind gern geworden?
Sehr lange Polizist. Dann Astronaut oder irgendetwas mit Weltall und Wissenschaft. Dann Popstar! Am Ende wurde ich Politiker. Es gibt den Spruch, Politik sei Showbusiness für «ugly people», also hässliche Leute – ich hoffe sehr, das trifft nicht zu (lacht).

Für wen haben Sie als Teenager geschwärmt?
Für Jennifer Lopez. Ich fand sie cool und attraktiv – und hatte ein riesiges Poster von ihr im Zimmer.

Artikel aus der «Schweizer Illustrierten»

Dieser Artikel wurde erstmals in der «Schweizer Illustrierten» publiziert. Näher dran – an Stars, Royals und Menschen mit Geschichten. Hier gehts zum Abo!

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Was haben Sie für einen Spitznamen?
Mein Bruder hat irgendwann angefangen, mich Eduard zu nennen – ohne erkennbaren Grund. Sein bester Freund sagt bis heute Eddie zu mir.

Wann haben Sie zuletzt gebetet?
Ich bete nicht, weil ich kein religiöser Mensch bin.

«Eines der schönen Kinderbücher, die ich momentan mit meiner Tochter Lea Amal anschaue.»
Foto: ZVG

Wann haben Sie zuletzt geweint?
Ich bin nah am Wasser gebaut. Meine Frau und ich haben kürzlich, nachdem unsere Tochter eingeschlafen war, an ihre Geburt gedacht – und hatten Tränen des Glücks in den Augen.

Wovon haben Sie zuletzt geträumt?
Ein Traum, der mich seit meiner Kindheit begleitet: Ich renne über die Felder, die mich ans Piemont erinnern, wo meine Grossmutter lebte, und beginne zu schweben. Manchmal fühlt es sich leicht und grossartig an, manchmal auch ein bisschen unheimlich.

Was lernen Sie gerade, das Sie noch nicht so gut können?
Alles, was mit Technik zu tun hat. Da bin ich nicht besonders talentiert. Meine Frau ist mir da weit überlegen – und erinnert mich regelmässig daran.

Welche Eigenschaft hätten Sie lieber nicht?
Manche sagen, ich sei besserwisserisch. Das gefällt mir nicht. Darum versuche ich, bewusster zuzuhören und mich zu bessern.

Welches Kompliment haben Sie kürzlich erhalten?
Gerade jetzt am Abstimmungssonntag. Ich war in Chur, da hat mich eine ältere Frau, die ich nicht kannte, angehalten und sich mit leuchtenden Augen für meinen Einsatz gegen die 10-Millionen-Initiative bedankt. Sie sagte, es mache sie stolz, dass sogar Graubünden Nein gestimmt hat.

«Der Fürstenwald oberhalb von Chur, wo ich gern jogge, spaziere, den Kopf lüfte.»
Foto: ZVG

Wären Sie lieber sympathischer oder intelligenter?
Sympathischer. Für ein gutes Leben ist die Fähigkeit, mit anderen gut umzugehen, entscheidend.

Haben Sie schon einmal eine Therapie gemacht?
Mit 30 hatte ich eine Krise, die zu Angststörungen führte – vor allem stressbedingt. Ich machte eine Gesprächstherapie bei einem Psychiater, und das hat mir sehr geholfen. Es ging mir danach nicht nur besser, ich habe auch viel über mich selbst gelernt.

Wofür geben Sie am meisten Geld aus?
Für Miete. Weil meine Familie und ich sowohl in Chur als auch in Bern eine Wohnung haben.

Welches ist Ihr Lieblingsspiel?
«Ligretto». Es erzeugt maximalen Stress, aber einen lustigen. Meine Frau und ich streiten jedes Mal. Und spielen trotzdem immer wieder.

«Meine Frau Sara und ich vorletzten Sommer auf einer zweitägigen Wanderung im Unterengadin um den Piz Lischana.»
Foto: ZVG

Ihr absolutes Lieblingsessen und -getränk?
Eine richtig gute Pasta. Al dente, hochwertige Zutaten, frische Sauce – das macht mich glücklich. Und dazu ein gutes Bier, am liebsten ein IPA.

Wo möchten Sie leben?
Ich würde gern einmal in einer richtig grossen Stadt leben – New York oder Berlin zum Beispiel. Als Kind lebte ich drei Jahre in Mailand, später war ich wegen der Fernbeziehung zu meiner heutigen Frau oft in Paris. Aber wirklich dort gewohnt habe ich nie.

Was darf in Ihrem Haushalt nicht fehlen?
Sonne, die hereinfällt. Und gute Musik: von Klassik über Rock bis zu Jazz, Blues oder auch mal seichtem Pop.

Mit wem würden Sie gern im Lift steckenbleiben?
Mit niemandem. Ich habe leichte klaustrophobische Gefühle im Lift.

Zusammen nachtessen?
Mit dem Papst – ich bin zwar weder katholisch noch gläubig. Aber ich finde seinen Einsatz für die Grundrechte von Migrantinnen und Migranten oder seine Ansichten zur künstlichen Intelligenz sehr spannend.

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