Darum gehts
- Helene Budliger Artieda war Berns wichtigste Verhandlerin mit den USA
- Bundesrat Guy Parmelin und die Seco-Chefin waren ein loyales Gespann
- Doch jetzt kam es zum Bruch zwischen den beiden
Guy Parmelin (66) und Helene Budliger Artieda (61) galten als eingespieltes Dreamteam. Der Bundespräsident und seine Seco-Direktorin reisten für die Zollverhandlungen mit der Trump-Regierung mehrfach nach Washington. Ihre Mission: für die Schweiz das Beste herausholen – oder zumindest das Schlimmste verhindern.
Doch jetzt ist Schluss. Seit Wochen macht die Runde, dass Budliger geht. Blick-Recherchen bestätigen das. Die Seco-Chefin hat Wirtschaftsminister Guy Parmelin überraschend ihren Rücktritt mitgeteilt. Auf Anfrage will das Departement dies weder bestätigen noch kommentieren.
Ganz freiwillig scheint Budliger ihr Amt nicht abzugeben. Gut unterrichteten Quellen zufolge legte Parmelin ihr in einem Gespräch bereits vor einigen Wochen nahe, über einen vorzeitigen Abgang nachzudenken.
Sie zog die Fäden beim Zoll-Deal
Budliger leitet seit 2022 das Staatssekretariat für Wirtschaft (Seco). Zuvor arbeitete sie im Aussendepartement und war Botschafterin in zahlreichen Ländern rund um die Welt. Bekannt wurde sie aber vor allem in den Zollverhandlungen mit den USA.
Vor allem die Seco-Chefin verhandelte hinter den Kulissen mit ihren amerikanischen Gesprächspartnern über die Zolldetails. Zudem stand Budliger in engem Kontakt mit der Unternehmergruppe um Alfred Gantner (58). Die Milliardäre besuchten Trump im Oval Office und sorgten mit Versprechen und Geschenken – darunter eine Rolex und ein Goldbarren – für bessere Stimmung gegenüber der Schweiz.
Warum Parmelin ausgerechnet eine seiner derzeit wichtigsten Mitarbeiterinnen in einem der wichtigsten Dossiers zum Abgang ermutigt hat, ist unklar. Zumal die beiden lange als loyales Gespann waren – auch in Abgrenzung zu Finanzministerin Karin Keller-Sutter. Die Bundesrätin und die Seco-Chefin hatten das Heu oft nicht auf derselben Bühne.
Was steckt hinter der Trennung?
Der Zeitpunkt des Knalls in Parmelins Departement lässt Insider spekulieren. Einige vermuten, der SVP-Bundesrat wolle an der Seco-Spitze rechtzeitig eine ihm politisch nahestehende Person installieren – bevor er selbst zurücktritt und Budliger ohnehin das Pensionsalter erreicht.
Andere können einen Zusammenhang mit der laufenden Untersuchung der Geschäftsprüfungskommission des Nationalrats nicht ausschliessen. Sie klärt ab, ob beim Austausch zwischen dem Seco und den privaten Milliardären im Zolldossier sensible oder vertrauliche Informationen weitergegeben wurden. Dabei wird auch Budligers Rolle abgeklärt.
Sicher ist: Parmelins sanfter Druck auf Budliger hat gewirkt. Die Seco-Direktorin hat entschieden, das Wirtschaftsdepartement vorzeitig zu verlassen und sich frühpensionieren zu lassen.
Und wann geht Parmelin?
Budliger wird ihr Amt voraussichtlich Anfang 2027 abgeben. Der genaue Zeitpunkt ist noch offen.
Pikant: Nicht ausgeschlossen ist, dass Budligers Chef sein Büro sogar vor ihr räumt. Dann, wenn Parmelin selber bereits auf Ende Jahr seinen Rücktritt bekannt geben sollte. Nach elf Jahren im Bundesrat würde das in Bundesbern kaum jemanden überraschen. Auch sein Rückenleiden könnte den Entscheid beeinflussen.
Spätestens Ende der Legislatur im Dezember 2027 dürfte auch für Parmelin Schluss sein.