Schweizer Steuerzahler sollen für Moretti, Crans-Montana und das Wallis blechen
So einfach darf es Jans dem Wallis nicht machen

Bundesrat Beat Jans verspricht Millionen nach der Katastrophe von Crans-Montana. Hilfe ist nötig. Aber zuerst müssen sich die Verantwortlichen im Wallis bewegen. Sich nicht dreinreden lassen, aber das Geld nehmen – diese Rechnung geht nicht auf. Der Wochenkommentar.
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«Zämme goots besser.» Bundesrat Beat Jans will mit einem Millionen-Franken-Topf im Fall Crans-Montana helfen.
Foto: keystone-sda.ch
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Rolf CavalliChefredaktor Blick

Bundesrat Beat Jans (61) greift tief in die Tasche. 50'000 Franken für jede Opferfamilie von Crans-Montana VS. Dazu bis zu 20 Millionen Franken für aussergerichtliche Vergleiche. Ein runder Tisch soll jahrelange Prozesse verhindern.

Nicht die Hilfe steht zur Debatte – sondern die Verantwortung. Wer zahlt am Ende?

Zuerst zur Soforthilfe. 50'000 Franken pro Familie. Andere Opfer erhalten deutlich weniger. Doch 41 Tote und über 100 teils Schwerverletzte sprengen jeden Rahmen. Eine solche Katastrophe verlangt eine ausserordentliche Antwort. Wenn der Bund rasch hilft, zeigt er Solidarität. Das ist politisch vertretbar – und vielleicht auch als Signal ins Ausland sinnvoll.

Wer übernimmt endlich Verantwortung?

Heikler ist der 20-Millionen-Topf als «Anreiz» für Vergleiche. Natürlich: Zivilklagen dauern Jahre. Sie kosten viel und enden oft ungewiss. Selbst ein Sieg garantiert den Opfern kein Geld. Die Haftpflicht des Barbetreiberpaars Moretti dürfte kaum reichen. Staatshaftungsklagen gegen Gemeinde und Kanton wären kompliziert.

Ein runder Tisch mit dem Bund als Vermittler kann sinnvoll sein. Doch wer früh Geld zusichert, verändert die Ausgangslage. Der Bund nimmt Druck von jenen, die zuerst zahlen müssten.

Hier liegt der Kern.

Vom Barbetreiberpaar Moretti über die Kontrollinstanz Crans-Montana bis zum Kanton als Aufsichtsbehörde: In dieser Kette versagte mehr als ein Glied. Das führte zum Inferno in der Silvesternacht. Strafrechtlich ist vieles offen. Politisch ist die Frage aber fällig: Wer übernimmt Verantwortung – auch finanziell?

Der Kanton Wallis verfügt über ein Budget von über 4,7 Milliarden Franken. Er erhält aktuell 862 Millionen Franken aus dem Finanzausgleich und zusätzlich Geld von der Nationalbank. Gleichzeitig verzichtet er auf eine obligatorische Gebäudeversicherung mit systematischen Brandkontrollen, wie die meisten Kantone sie haben.

Warum soll der Bund in Vorleistung gehen, bevor das Wallis seinen Beitrag definiert?

Blatten und Crans-Montana: der kleine Unterschied

Bei Naturkatastrophen helfen alle. Doch Crans-Montana war kein Bergsturz. Hier steht mögliches Behördenversagen im Raum. Solidarität darf nicht zur Ersatzhaftung werden.

Der Vergleich mit Blatten zeigt den Unterschied. Nach dem Bergsturz bewilligte der Walliser Grosse Rat innert Wochen Millionen für den Wiederaufbau. In Blatten wütete die Natur. Im Fall Crans-Montana stehen Behörden und Menschen im Zentrum der Schuldfrage. Schweigt die Walliser Politik deshalb auch zwei Monate nach der Brandkatastrophe noch immer?

Die fatale Botschaft aus Bern

Das Motto von Bundesrat Jans lautet: «Zämme goots besser.» Das stimmt – wenn jeder seinen Teil trägt. Der Bund darf helfen. Aber er darf den Verantwortlichen vor Ort die Last nicht abnehmen: den Morettis, der Gemeinde, dem Kanton.

Das Wallis pocht auf Autonomie. Doch wenn Steuerzahler im ganzen Land zahlen, endet sie dort, wo Solidarität beginnt. Dann schuldet das Wallis eine klare Antwort – politisch und finanziell.

Sonst bleibt die Botschaft: Wenn es schiefgeht, zahlen die anderen, zahlt die Schweiz.

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