Darum gehts
- Hochgerechnet 92'400 Romands prüfen wegen hoher Wohnkosten Umzug nach Frankreich
- 30 Prozent der Befragten in Comparis-Studie erwägen Umzug
- Hauptgrund, dass Umzug geprüft wird: tiefere Wohnkosten in Frankreich
Au revoir, la Suisse? Die hohen Wohnkosten sind auch in der Romandie ein grosses Thema. Laut einer neuen Studie des Vergleichsdienstes Comparis treiben sie dort überraschend viele Personen dazu, einen Umzug ins benachbarte Frankreich zumindest in Betracht zu ziehen. Demnach suchen hochgerechnet 92'400 Personen (entsprechend 4,2 Prozent der Befragten) derzeit aktiv nach einer Wohnung oder einem Haus in Frankreich.
Insgesamt können sich laut der repräsentativen Umfrage rund 30 Prozent der Befragten einen Umzug ins Nachbarland vorstellen. Als Hauptgrund nennen sie die tieferen Wohnkosten. Rund sieben von zehn Befragten bezeichnen die Miete oder die Kaufpreise in ihrer Region als teuer. Jeder vierte Haushalt gibt nach eigenen Angaben mindestens 36 Prozent seines Einkommens für Wohnkosten aus, acht Prozent sogar mehr als die Hälfte.
Wohnfrage ist politisch aufgeladen
Die Ergebnisse fallen in aktuelle politische Debatten. «Während in der Schweiz über die Begrenzung der Zuwanderung diskutiert wird, denken viele Romands aus Kostengründen darüber nach, selbst die Grenze zu überschreiten», wird Comparis-Immobilienexperte Harry Büsser zitiert. Das zeige, wie stark die Wohnkosten inzwischen in den Alltag hineinwirkten.
Klar ist: Die Studie dürfte insbesondere in Genf auf Interesse stossen. Gerade dort ist die Wohnungsnot seit Jahren ein politisches Dauerthema – mit Debatten über Mieterschutz, Verdichtung und Baubeschleunigung.
Auffällig sind in Genf etwa die Lücken zwischen alten und neuen Mieten von Wohnungen, wie Blick berichtete. Laut Comparis bezeichnet dort rund die Hälfte der Befragten die Wohnkosten sogar als «sehr teuer».
Was vom Zügeln abhält
Allgemein scheitert das Zügeln aber für viele an praktischen Hürden, wie die Comparis-Erhebung weiter zeigt. Rund 41 Prozent der Befragten würden für günstigeren Wohnraum keine längere Pendelzeit akzeptieren, weitere 34 Prozent höchstens 30 Minuten mehr.
Als wichtigstes Hindernis nennen die Befragten die Distanz zu Familie und Freunden, gefolgt von Pendelzeit sowie Unsicherheiten bei Steuern und Krankenkasse.
Bereits heute leben nirgendwo mehr Auslandschweizerinnen und Auslandschweizer als im französischen Departement Haute-Savoie am Genfersee. Staatsangehörige der Eidgenossenschaft machen dort stattliche 6 Prozent der Bevölkerung aus. In absoluten Zahlen sind es rund 51'000. Doch auch in anderen französischen Grenzregionen – wie etwa in den Departementen Ain oder Haute-Rhin – wohnen viele Schweizerinnen und Schweizer.
Diese Durchmischung in den Grenzregionen führte aber auch bereits zu Konflikten zwischen Frankreich und der Schweiz. So hat der Kanton Genf etwa entschieden, ab 2026 keine Schülerinnen und Schüler mehr aus dem französischen Umfeld zu unterrichten. Oftmals handelt es sich dabei um Kinder von Grenzgängern, die aufgrund der Schweizer Wohnungsnot und der hiesigen hohen Lebenshaltungskosten in Frankreich leben.
Für die Studie befragte das Marktforschungsinstitut Innofact im Mai 2026 im Auftrag von Comparis 1001 Personen aus der Romandie (Genf, Jura, Neuenburg und Waadt sowie französischsprachige Teile der Kantone Bern, Freiburg und Wallis).