Darum gehts
- 22 Reden der Bundesräte am 1. August in der Schweiz
- Rösti thematisiert Neutralität
- Bundespräsident Parmelin betont Vielfalt und Gemeinschaft
Während die meisten Schweizerinnen und Schweizer den 1. August geniessen, vielleicht ausschlafen und später entspannt brunchen, sind unsere Bundesräte fleissig unterwegs. 22 Reden halten die sieben Mitglieder unserer Landesregierung. Am häufigsten spricht Bundesrat Albert Rösti (58) mit fünf Auftritten, je vier Termine haben Verteidigungsminister Martin Pfister (62) und Bundespräsident Guy Parmelin (66).
Häufig werden bei solchen Reden die Vorzüge der Schweiz betont, wie etwa die Neutralität. Die ist brandaktuell, schliesslich stimmen wir im September über die gleichnamige Initiative ab. Sie verlangt, dass die Verfassung festschreibt, dass die Neutralität immerwährend und bewaffnet ist. Die Schweiz soll keinem Militär- oder Verteidigungsbündnis beitreten und auch nicht mit einem solchen zusammenarbeiten – ausser wenn sie militärisch angegriffen wird oder ein solcher Angriff vorbereitet wird. Mitinitiiert wurde sie von SVP-Vordenker Christoph Blocher (85).
Der Bundesrat lehnt die Initiative ab. Diese Haltung müssen alle Bundesräte vertreten, selbst wenn sie persönlich womöglich anders denken.
Neutralität und Sprachen
Aussenminister Ignazio Cassis (65) nennt die Neutralität in Düdingen FR gemäss Redetext ein Mittel «im Dienste der Freiheit, unserer Sicherheit und unseres Wohlstands». Sie habe geholfen, «Brücken zu bauen». Neutralität bedeute aber nicht, wegzuschauen. «Neutralität bedeutet, hinzuschauen und frei zu bleiben, damit wir handeln können, wenn unser Land gebraucht wird.»
Auch Umweltminister Rösti kommt auf die Neutralität zu sprechen. Und macht dabei einige, im wörtlichen Sinne bemerkenswerte Aussagen. Ohne einen Verweis auf das Volksbegehren erinnert Rösti an den Beitritt der Schweiz zum Völkerbund 1920. «Dafür musste sie ihre Neutralität teilweise aufgeben.» Das habe sich als schwerer Fehler erwiesen, so Rösti. «Beinahe hätte das zu einem Krieg mit Italien geführt.» Unter dem Eindruck der Kriegsgefahr sei die Schweiz dann zur integralen Neutralität zurückgekehrt.
Innenministerin Elisabeth Baume-Schneider (62) blieb bei ihrer Rede in Luzern bei den Themen aus ihrem Departement. Die AHV-Finanzierung, über die im November entschieden wird, und die Mehrsprachigkeit. Diese gehöre zu den grössten Schätzen unseres Landes. «Deshalb betrachtet es der Bundesrat mit Besorgnis, wenn auch im Kanton Luzern Stimmen laut werden, die das Frühfranzösisch verschieben wollen.»
«Das geht wortwörtlich auf seine Kappe»
Derweil machte sich Beat Jans (62) auf die Suche nach Heimat und verband dies mit einem Hinweis an seinen Bundespräsidenten. «Heimat besteht aus unzähligen persönlichen Geschichten, und die Schweiz gibt all diesen Geschichten Platz. Auch das macht die Schweiz so grossartig. ‹Switzerland, great since 1291›, ist ein Zitat unseres Bundespräsidenten. Das geht wortwörtlich auf seine Kappe», sagte er in Therwil BL.
Pfister nannte in Rorschach SG verschiedene Dinge, die ihm trotz der Krisen Hoffnung geben: dass die Musikgesellschaft Blatten trotz Bergsturz einen Preis gewinnen konnte oder ihm ein Herr aus Zürich geschrieben habe, dass er seinem Nachbarn helfen würde, sollte dieser in Not geraten.
Bei Finanzministerin Karin Keller-Sutter (62) spielt die Neutralität bei der Rede in Kradolf-Schönenberg TG kaum eine Rolle – dafür die Musik. Ausführlich erinnert sie an die Geschichte des Schweizerpsalms und wie der Bundesrat diesen einführte. «1965 liess er sich während einer Sitzung sogar mehrere Kandidaten für die Nationalhymne auf Schallplatte vorspielen. Ich gebe zu, an dieser Sitzung wäre ich gerne dabei gewesen!»
Auch Parmelin benennt die Neutralität nur einmal kurz. Stattdessen spricht er am Bauernbrunch der Landwirtschaft seinen Dank aus und in Renens VD über die Vielfalt und Gemeinschaft.