Kurzer Gedanke zum 1. August
Sind wir genug (un-)schweizerisch?

An den heutigen 1.-August-Feiern wird wieder geschwärmt und beschworen: Helvetia, der Sonderfall, wir. Natürlich weiss jeder, was schweizerisch ist. Oder glaubt es zumindest.
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Schweizerisch oder unschweizerisch: Kampf um Begriffe.
Foto: Keystone
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Rolf CavalliChefredaktor Blick

Die SVP druckt das Schweizer Kreuz seit Jahren auf ihre Plakate. SP-Bundesrat Beat Jans nannte die 10-Millionen-Initiative «unschweizerisch». Gegensätzliche Parteien, derselbe Reflex: Schweizerisch sind wir. Unschweizerisch sind die anderen.

Doch was ist wirklich schweizerisch?

Fondue? Gibt es auch in Savoyen. Das Alphorn? In der Westukraine heisst es Trembita. Pünktliche Züge? In Japan würde man über unser Verständnis von Pünktlichkeit höflich lächeln.

Vielleicht ist das Schweizerische weniger Folklore als Wille. Vier Landessprachen, verschiedene Kulturen, ein Staat. Die Schweiz existiert, weil wir sie wollen. Das ist uns so selbstverständlich geworden, dass wir es kaum noch bemerken.

Aufruf: Seid unschweizerischer!

Auch «unschweizerisch» lässt sich positiv verstehen. Vor der Fussball-WM warb José Mourinho, einer der erfolgreichsten und umstrittensten Trainer der Welt, für eine Schweizer Sportbekleidungsfirma. Er lobte Verlässlichkeit, Fairness und Höflichkeit. Dann setzte er nach: Um noch erfolgreicher zu werden, müssten wir weniger nett sein. Etwas unschweizerischer.

Ganz unrecht hat er nicht. Doch wäre das wirklich unschweizerisch?

Vielleicht wäre es am schweizerischsten, weniger darüber zu reden, was schweizerisch ist.

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