Darum gehts
- EDK prüfte 2024 erstmals Zweitklässler in Hörverständnis, Lesen und Mathematik
- 87 Prozent der Kinder erreichten die nationalen Ziele im Hörverständnis
- Nur 68 Prozent der Luzerner Kinder besassen beim Rechnen genügende Kompetenzen
Die Kantone wollen dem harmonisierten Bildungssystem verstärkt den Puls fühlen. Letztes Jahr präsentierte die Konferenz der kantonalen Erziehungsdirektorinnen und -direktoren (EDK), wie es 2023 um die schulischen Grundkompetenzen im 11. Schuljahr – respektive der 9. Schulklasse – stand. Nun sind die Jüngeren dran: Das vom Walliser Staatsrat Christophe Darbellay (55, Mitte) präsidierte Gremium prüfte 2024 erstmals die Fähigkeiten der Schülerinnen und Schüler in der 2. Primarschulklasse, also im Alter von rund acht Jahren – und zwar im Hören und Lesen der Schulsprache sowie in der Mathematik.
Grundsätzlich: Die Bildungsziele wurden mehrheitlich erreicht, wie die EDK festhält. Doch ein Blick in die Kantone zeigt, dass es in einigen durchaus Grund gibt, die Schrauben anzuziehen – besonders, wenn es ums Rechnen geht.
Die Welschen hören schlechter zu
Im Schnitt präsentieren sich die Schülerinnen und Schüler beim Hörverständnis am besten: 87 Prozent erreichten die von der EDK festgelegten nationalen Bildungsziele. Dabei fällt auf: In der welschen Schweiz scheint die gesprochene Sprache doch noch etwas mehr Mühe zu bereiten. Unten heraus schwingen besonders die beiden Kantone Neuenburg und Genf – nur 81 respektive 80 Prozent erreichten die erforderliche Schwelle. Jedes fünfte Kind nicht.
In der Deutschschweiz brillierten dagegen ganze fünf Kantone mit einem Anteil von über 90 Prozent: In Uri, Obwalden, Schaffhausen, Appenzell Ausserrhoden und Graubünden scheinen die Primarschülerinnen und -schüler besonders gut zuzuhören.
Lesen scheint mühsamer
Im Gegensatz zum Hören liegt der Schnitt beim Lesen deutlich tiefer: 79 Prozent der Schülerinnen und Schüler erreichten die Ziele. Am prekärsten ist es mit bloss 70 Prozent im französischsprachigen Teil des Kantons Bern.
In der Deutschschweiz bereitet besonders Basel-Stadt Sorgen: Mit 73 Prozent lagen auch hier die Schulkinder deutlich unter dem Schnitt. Obenaus schwingen die Kantone Uri und Graubünden mit je 87 Prozent.
Luzerner scheitern öfters beim Rechnen
Was ist im Kanton Luzern los? Bloss 68 Prozent der Schulkinder zeigten in der Erhebung genügende Mathekenntnisse. Nur marginal besser ist es in Basel-Stadt, wo es immerhin 70 Prozent waren. Sowieso scheint das Rechnen in der Primarschule der Sprache grundsätzlich hinterherzuhinken: Der Schweizer Schnitt lag bei 76 Prozent.
Besonders vorbildlich zeigten sich dagegen die Schülerinnen und Schüler in Graubünden und im Jura: Ganze 88 Prozent erreichten die Ziele.
Welche Faktoren sind massgebend?
Nicht alle Kantone sind der interkantonalen Vereinbarung über die Harmonisierung der obligatorischen Schule, kurz Harmos, beigetreten – die meisten «Abtrünnigen» haben dennoch an der Erhebung teilgenommen. Nur die Kantone Nidwalden und Zug ersparten sich den Aufwand. Zugleich gilt jedoch: Der harmonisierte Schulunterricht ist sowieso in der Bundesverfassung festgeschrieben.
Massgebend für die Unterschiede sind laut der Erhebung besonders die soziale Herkunft und teilweise auch der Migrationshintergrund – letzterer insbesondere bei den Sprachkompetenzen. Zugleich gab es zwischen den Geschlechtern – anders als etwa noch bei der Erhebung von 2023 im 11. Schuljahr – keinen signifikanten Unterschied.
Wie geht es weiter?
Bei der Präsentation der Resultate sprach die EDK klar von einer «Nullmessung». Heisst: Der erhobene Schuljahrgang soll nun weiter verfolgt werden. Geplant sind weitere Erhebungen zum Ende der obligatorischen Schulzeit im Jahr 2028 (8. Schuljahr, respektive 6. Klasse) sowie im Jahr 2031 (11. Schuljahr, respektive 9. Klasse). So soll schlussendlich ein umfassendes Bild des Schweizer Bildungsweges entstehen.