Darum gehts
- Schweiz stimmt am 8. März über Verankerung von Bargeld ab
- Bargeld sichert Anonymität, digitale Zahlungen ermöglichen Nachverfolgung von Bewegungen
- Bankomaten werden abgebaut, immer mehr Banken nehmen kein Bargeld mehr an
Soll Bargeld in der Verfassung verankert werden? Darüber stimmt die Schweiz am 8. März ab. Die Bargeld-Initiative wirft grundsätzliche Fragen auf: Welche Rolle spielen Noten und Münzen noch in einer Welt von Kreditkarten, Apple Pay und Twint? Antworten liefert Mathias Binswanger (64). Der bekannte Ökonom ist Professor für Volkswirtschaftslehre an der Fachhochschule Nordwestschweiz. Er bezieht auch politisch klar Stellung.
Herr Binswanger, zahlen Sie bar oder mit Karte?
Mathias Binswanger: Karte und bar. Nicht «oder», sondern «und». Weil ich nicht überall mit Karte zahlen will. Denn alles, was mit Kartenzahlung zu tun hat, kann nachverfolgt werden. Die einzige Möglichkeit, wirklich anonym zu bleiben, ist Bargeld.
Ist die Angst, ein «gläserner Bürger» zu sein, berechtigt?
Absolut. Nicht nur wegen des Zahlungsverhaltens. Man kann das Zahlungsverhalten mit anderen Daten kombinieren, die verfügbar sind. Also beispielsweise mit Bewegungsdaten vom Handy. Es ist ein wichtiger Baustein auf dem Weg zum gläsernen Bürger. So lässt sich schnell herausfinden, wer was wo wann macht.
Muss es mich beängstigen, dass der Staat meine Daten hat?
Oft hört man den Satz: «Der Staat kann ruhig wissen, was ich mache.» Dahinter steckt wohl auch, dass wir uns in den vergangenen Jahren an politische Stabilität gewöhnt haben. Vielen fällt es schwer, sich vorzustellen, was es bedeuten würde, wenn man wegen bestimmter Handlungen oder Ansichten plötzlich ins Visier gerät oder zur Rechenschaft gezogen wird.
Warum besteht Interesse daran, das Bargeld abzuschaffen?
Es ist eine «unheilige Allianz» zwischen Staat, Banken und Unternehmen. Der Staat hat ein Interesse daran, Bargeld zurückzudrängen, weil sich Geldflüsse digital leichter kontrollieren und Steuern konsequenter einziehen lassen. Für Banken ist Bargeld vor allem mit Aufwand und Kosten verbunden, während sie an Kartenzahlungen mitverdienen. Und Unternehmen profitieren davon, wenn sich Konsumverhalten präzise nachverfolgen und auswerten lässt. Alle sind daran interessiert, uns das Bezahlen mit Bargeld möglichst zu verleiden.
Es gibt Banken, die kein Münz mehr entgegennehmen.
Die Verdrängung von Münzen und Noten geschieht schleichend. Der Zugang zu Bargeld wird eingeschränkt, Bankomaten werden abgebaut. Auch deshalb zahlen immer mehr Menschen mit Karte. Das wird dann als Beleg gewertet: Offenbar will die Bevölkerung gar nicht mehr bar bezahlen. In der Folge verschwinden weitere Bankomaten, erste Banken akzeptieren kein Bargeld mehr – und der Kreislauf setzt sich fort. Am Ende entsteht so eine sich selbst erfüllende Prophezeiung.
Was würde passieren, wenn es von morgen an keine Münzen und Noten mehr gäbe?
In der Schweiz wäre eine direkte Abschaffung vorerst gar nicht möglich. Bargeld ist das einzige gesetzliche Zahlungsmittel, dafür bräuchte es zunächst eine Gesetzesänderung. Doch wie Beispiele aus anderen Ländern zeigen, kann die Barzahlung Schritt für Schritt erschwert werden. Man muss das Bargeld nicht formell verbieten – es verliert dann von selbst nach und nach an Bedeutung.
Am 8. März stimmt die Schweiz über die Bargeldinitiative und den direkten Gegenvorschlag ab. Einen eigentlichen Cash-Befehl gäbe es damit nicht – Bargeld würde als Zahlungsmittel jedoch symbolisch gestärkt.
Was will die Initiative? Neu soll in der Verfassung stehen, dass der Bund genügend Münz und Banknoten zur Verfügung stellt. Bundesrat und Parlament unterstützen die Idee grundsätzlich. Doch die Initiative sei nicht präzise genug. Ihr Gegenvorschlag will in der Verfassung festschreiben, dass der Franken die Schweizer Währung bleibt und die Nationalbank die Bargeldversorgung sicherstellt. Damit soll in die Verfassung geschrieben werden, was heute auf Gesetzesstufe geregelt ist.
In manchen Kantonen geht man noch weiter: Restaurants und Co. sollen Cash annehmen müssen. Welche politischen Bestrebungen aktuell wo laufen, erfährst du hier.
Am 8. März stimmt die Schweiz über die Bargeldinitiative und den direkten Gegenvorschlag ab. Einen eigentlichen Cash-Befehl gäbe es damit nicht – Bargeld würde als Zahlungsmittel jedoch symbolisch gestärkt.
Was will die Initiative? Neu soll in der Verfassung stehen, dass der Bund genügend Münz und Banknoten zur Verfügung stellt. Bundesrat und Parlament unterstützen die Idee grundsätzlich. Doch die Initiative sei nicht präzise genug. Ihr Gegenvorschlag will in der Verfassung festschreiben, dass der Franken die Schweizer Währung bleibt und die Nationalbank die Bargeldversorgung sicherstellt. Damit soll in die Verfassung geschrieben werden, was heute auf Gesetzesstufe geregelt ist.
In manchen Kantonen geht man noch weiter: Restaurants und Co. sollen Cash annehmen müssen. Welche politischen Bestrebungen aktuell wo laufen, erfährst du hier.
Wäre es denkbar, dass ein Supermarkt entscheidet, kein Bargeld mehr entgegenzunehmen?
Derzeit noch nicht. Doch im Alltag wird es spürbar komplizierter. In vielen Supermärkten lässt sich an Self-Checkout-Kassen nicht mehr überall bar bezahlen. Gleichzeitig nimmt die Zahl der klassischen Kassen ab, an denen Noten und Münzen selbstverständlich akzeptiert werden. So wird Bargeld zwar nicht verboten – aber schrittweise an den Rand gedrängt.
Digitale Zahlungsmittel fördern das Schuldenmachen, sagt das Initiativkomitee.
Wer bar bezahlt, spürt den «Trennungsschmerz» unmittelbarer, als wenn der Betrag still im Hintergrund vom Konto abgebucht wird. Mit der Karte fällt es leichter, den Überblick zu verlieren – und Schulden zu machen. In den USA hat diese Entwicklung zu einer markanten Zunahme der Verschuldung privater Haushalte geführt. In der Schweiz ist die Konsumverschuldung vergleichsweise tief. Zwar sind die Haushalte wegen Hypotheken hoch verschuldet, doch das ist eine andere Kategorie.
Wie blicken Sie persönlich auf die Bargeld-Abstimmung vom 8. März?
Es ist gut, wenn es ein Ja gibt – egal ob für den Gegenvorschlag oder die Initiative selbst. Wichtig ist, dass es in der Verfassung steht. Was in der Verfassung niedergeschrieben ist, lässt sich schwer ändern. Das gibt eine gewisse Garantie, dass in der Schweiz auch in Zukunft mit Bargeld bezahlt werden kann.