Post-Revolution eingeläutet
Nimmt uns Rösti unseren Briefkasten weg?

Der Bundesrat will das Postgesetz umkrempeln: Die neuste Revision läutet das Ende des Briefkastens vor der Haustür ein. Künftig könnte es zentrale Anlagen für ganze Quartiere geben.
Kommentieren
1/5
Postminister Albert Rösti möchte künftig vermehrt zentrale Briefkastenanlagen schaffen lassen.
Foto: Keystone

Darum gehts

KI-generiert, redaktionell geprüft
  • Bund plant zentrale Briefkastenanlagen für Quartiere, Vernehmlassung bis 15. Oktober
  • Anwohner sollen Post an zentralen Stellen abholen, Bund will Umwelt entlasten
  • Kosten bleiben bei Hausbesitzern, genaue Entfernung zu Briefkästen noch unklar
Blickgruppe_Portrait_287.JPG
Daniel BallmerRedaktor Politik

Es wäre nicht weniger als eine Post-Revolution. Von der Öffentlichkeit bisher unbemerkt haben Postminister Albert Rösti (58) und seine Bundesratskollegen mit der neusten Revision des Postgesetzes eine Änderung angestossen, die direkte Folgen vor unserer Haustür haben könnte.

Neu soll die Regierung nicht nur Vorgaben zu den Briefkästen erlassen, sondern auch «betreffend Briefkastenanlagen im Bereich von Hauszugängen, an der Zufahrt zu einer Überbauung oder an einem zentralen Ort in einer Überbauung». So ist es im bundesrätlichen Vorschlag zu lesen.

Anwohner müssten Briefe an zentraler Stelle abholen

Das geltende Recht erlaubt heute Briefkastenanlagen bei Mehrfamilien- oder Geschäftshäusern. «Künftig soll es auch möglich sein, eine Briefkastenanlage für mehrere Häuser beziehungsweise für ein Quartier einzurichten», zitiert CH Media das zuständige Bundesamt für Kommunikation (Bakom).

Die Folge: So könne es auch eine einzige Briefkastenanlage für ein ganzes Quartier geben, bestätigt das Bakom. Das wäre ein erster Schritt weg vom Briefkasten wie man ihn kennt. Schliesslich sinkt die Zahl der Briefe ständig.

In Neuüberbauungen werde das teilweise schon heute für Pakete so gehandhabt, hält der Bund fest. Im Verlaufe des Freitags präzisierte das Bundesamt für Kommunikation: «Briefkästen bleiben unverändert bestehen», hiess es in der Stellungnahme. Bundesrat Rösti wolle keine Briefkästen abschaffen. Es sei lediglich vorgesehen, «dass Hauseigentümerinnen und Hauseigentümer freiwillig ihre Briefkastenanlage zusammenfassen können, wenn sie das wünschen».

Externe Inhalte
Möchtest du diesen und weitere externe Beiträge (z.B. Instagram, X und anderen Plattformen) sehen? Wenn du zustimmst, können Cookies gesetzt und Daten an externe Anbieter übermittelt werden. Dies ermöglicht die Anzeige externer Inhalte sowie von personalisierter Werbung. Deine Entscheidung gilt für die gesamte App und ist jederzeit in den Einstellungen widerrufbar.

Der Bund erkenne vorab Vorteile in der neuen Möglichkeit, schreibt CH Media weiter: Erstens werde die bestellte Ware an einem sicheren Ort gelagert, solange die Empfängerin oder der Empfänger nicht zu Hause ist. Zweitens könne sich «die Konzentration der Zustellung positiv auf die Umwelt auswirken». Das Verkehrsaufkommen werde reduziert, und die Verkehrsbelastung in den Wohngebieten sinke.

Weniger Lärm und Verkehr

Das Bakom weist denn auch darauf hin, dass der Anstoss für diese Anpassung ursprünglich von den Städten kam.

Auch bei einer freiwilligen Aufgabe des Briefkastens sollen die Quartieranlagen zudem «innert angemessener Distanz erreichbar» sein. Noch allerdings sei unklar, was der Bund unter «angemessen» versteht.

Die Post selber wollte sich zu den Plänen gegenüber CH Media noch nicht äussern. Die Ausgestaltung der Vorgaben liege aber allein in der Verantwortung des Bundes.

Wie die Pläne ankommen, werde sich erstmals in der öffentlichen Vernehmlassung zeigen. Diese dauert noch bis am 15. Oktober. Die Post bleibe aber auf jeden Fall «zur Hauszustellung verpflichtet», betone das Bakom. Offen sei nur, wie weit die Hauszustellung künftig vom Haus entfernt ist.

Was sagst du dazu?
Heiss diskutiert
    Meistgelesen