Legal, aber seltsam
Die Post zahlt zu viel Mehrwertsteuer

Die Post will das Porto erhöhen – dabei könnte sie intern sparen. Briefe unter 50 Gramm sind von der Mehrwertsteuer befreit, die Post zahlt sie trotzdem.
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Post-CEO Pascal Grieder kassiert jährlich 825'000 Franken. Er greift den Kunden gerne in die Tasche.
Foto: keystone-sda.ch

Darum gehts

KI-generiert, redaktionell geprüft
  • Post erzielt 2025 Gewinn von 315 Millionen Fr.
  • Seit 2009 erhebt Post freiwillig Mehrwertsteuer auf steuerfreie Briefe
  • CEO-Einkommen: Pascal Grieder kostet Post jährlich knapp 1 Million Fr.
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Raphael RauchBundeshausredaktor

Der Staatskonzern Post greift den Menschen gerne in die Tasche. Letztes Jahr machte die Post einen fetten Konzerngewinn von 315 Millionen Franken. Post-CEO Pascal Grieder (49) hat ein Jahressalär von 825'000 Franken. Rechnet man Sozialversicherungen und Vorsorge hinzu, kostet Grieder knapp 1 Million Franken pro Jahr.

Grieder hat angekündigt, das Porto zu erhöhen. Weil weniger Briefe versendet werden, gehen dem Staatsbetrieb jährlich 85 Millionen Franken flöten. Doch während über höhere Briefpreise diskutiert wird, bleibt ein heikler Punkt weitgehend unter dem Radar: Für viele Sendungen zahlt die Post Mehrwertsteuer – obwohl diese gesetzlich gar nicht geschuldet wäre. Inlandbriefe unter 50 Gramm fallen unter das Briefmonopol – und sind laut Gesetz von der Mehrwertsteuer befreit. Trotzdem erhebt die Post seit 2009 genau diese Steuer. Möglich macht das eine freiwillige Regelung, die sogenannte Optierung.

Karin Keller-Sutter schwimmt im Geld

Was technisch klingt, hat konkrete Folgen: Die Post zahlt eine Steuer, die sie gar nicht zahlen müsste. Bei einem 1.20-Franken-Brief führt die Post 8,1 Prozent Mehrwertsteuer freiwillig ab, konkret: neun Rappen. «Die Post handelt gemäss Gesetz: Im Mehrwertsteuergesetz ist die Möglichkeit der sogenannten Optierung explizit vorgesehen», teilt der gelbe Riese mit. Aus Sicht der Post war das jahrelang «die sinnvollste Gesamtlösung» – vor allem für Geschäftskunden, die vom Vorsteuerabzug profitieren.

Intern hingegen wird geprüft, ob das Modell noch zeitgemäss ist. Die Briefmengen sind eingebrochen, die Prozesse moderner geworden. Was 2009 als pragmatische Lösung galt, wirkt heute wie ein Relikt aus einer anderen Zeit. Zumal Finanzministerin Karin Keller-Sutter (62, FDP) jedes Jahr im Geld schwimmt – die Steuereinnahmen fallen stets höher aus als im Voraus prognostiziert.

Künftig keine Mehrwertsteuer mehr?

Mitte 2026 soll die Vernehmlassung für ein revidiertes Postgesetz gestartet werden. Gut möglich, dass die Post dann gezwungen wird, keine Mehrwertsteuer mehr zu erheben.

Die Post behauptet, Herr und Frau Schweizer würden durch die freiwillige Mehrwertsteuer nicht unnötig zur Kasse gebeten: «Die Kosten bezahlt weder direkt noch indirekt einer unserer Kundinnen oder Kunden. Im Gegenteil. Ohne diesen Meccano hätte die Post die Preise wahrscheinlich sehr viel früher anheben müssen.» Tatsache ist aber auch: Für jeden Brief zahlen Herr und Frau Schweizer mehrere Rappen, die nicht anfallen müssten.

«Eine operative Angelegenheit der Post»

Was sagt Bundesrat Albert Rösti (58, SVP)? Sprecherin Franziska Ingold: «Das Uvek hat Kenntnis, dass die Post die freiwillige Mehrwertsteuer-Unterstellung für Monopolsendungen überprüft. Es handelt sich um eine operative Angelegenheit der Post. Das Uvek geht davon aus, dass die Post die gesetzlichen Vorgaben jederzeit einhält.»

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