Darum gehts
- Sabrina Eggimann scheitert 2026 beim Paketversand in Zürich mehrfach
- Kein Handy-Empfang, teure Zusatzkosten und Barzahlung erschweren den Prozess
- Post-Chef Pascal Grieder entschuldigt sich persönlich für die Probleme
Sabrina Eggimann* wollte noch schnell zwei Päckli nach Deutschland schicken. Reine Routine, das ist rasch erledigt, dachte sie sich. Doch es sollte anders kommen, wie die Marketing-Verantwortliche eines Zürcher Finanzdienstleisters in einer Post-Filiale erfahren musste. Die eigentlich simple Aufgabe verkam zu einem «analogen Hindernislauf», so die Beschreibung von Eggimann. Sie hat ihre Erfahrung auf der Netzwerkplattform Linkedin festgehalten – und nun sogar von höchster Post-Ebene eine Entschuldigung erhalten.
Aber zurück zum Mehrfach-Fail beim Paketversand: Das erste Problem taucht bei der Zolldeklaration auf. Diese kann man entweder gratis online selbst vornehmen. Oder dann gegen eine Gebühr von 5 Franken pro Päckli am Schalter. «Ich entscheide mich natürlich für digital», schreibt Eggimann. Nur: In der Filiale hat es keinen Handyempfang. «Also stehe ich im Regen vor der Tür und tippe alles mühsam ins Handy: Adresse, Inhalt, Wert.» Als sie das Empfängerland auswählen will, stehen ihr bloss zwei Optionen zur Verfügung: Schweiz oder Liechtenstein. Deutschland, wohin die Pakete eigentlich sollen, ist laut Eggimanns Angaben nicht aufgeführt.
Erzwungenermassen wendet sie sich also an den Schalter. Dort hilft man ihr freundlich, nur kostet der Dienst eben 10 Franken. «Für eine technische Lücke, die ich als User nicht schliessen kann», kommentiert die Mitte-30-Jährige. Ihr fällt in der Filiale ein anderer Kunde auf. Dieser will eine einzelne Seite kopieren. Der Drucker streikt. Trotzdem muss er eine Gebühr von 5 Franken für die manuelle Hilfe durch einen Post-Mitarbeitenden bezahlen. «Der Obolus für den Stillstand scheint obligatorisch zu sein», so Eggimann.
Selbst das Zahlen wird zum Hindernis
Beim Bezahlen des Paketversands gibt es ein neues Problem. Wegen des fehlenden Empfangs funktioniert die Bezahl-App Twint nicht. Und Kreditkarten akzeptiert die Post aus regulatorischen Gründen nicht. Bleibt nur noch Barzahlung übrig. Nur hat Eggimann kein Bargeld zur Hand. Also geht es für sie nochmals hinaus in den Regen zum nächsten Bankomaten.
Ihr Erlebnis fasst die Frau so zusammen: «Wir in der Schweiz halten uns gern für ultrafortschrittlich. Aber diese User Journey fühlt sich eher wie ein analoger Hindernislauf an.» Im Zeitalter von KI dürfe eine simple Adresserkennung oder ein stabiler digitaler Prozess wirklich kein Endgegner mehr sein. «Das ist schlichtweg nicht mehr der Standard, den wir 2026 erwarten dürfen.»
Post-Chef entschuldigt sich persönlich
Am Ende ihrer Linkedin-Nachricht wendet sich Eggimann direkt an Post-Chef Pascal Grieder (48). Und dieser antwortet ihr prompt: «Die schlechte Erfahrung entspricht definitiv nicht unserem Anspruch, und ich möchte mich dafür entschuldigen», schreibt Grieder in einem Kommentar unter dem Linkedin-Post. Er bedankt sich dann für «die offene Einschätzung». Und weiter: «Nur so können wir besser werden. Wir bleiben dran.»
Eine persönliche Entschuldigung gleich von höchster Stelle? Das kommt in der Wirtschaftswelt nicht oft vor. Und ist deshalb aussergewöhnlich. Auf Anfrage von Blick teilt die Post mit: «Unser Konzernleiter hört den Menschen zu und interessiert sich für deren Ideen, sei es im Dialog mit Mitarbeitenden oder auch mit Kundinnen oder Kunden.» Bei Gelegenheit nehme CEO Grieder deshalb auch die Möglichkeit wahr, persönlich Stellung zu nehmen. Und weiter: «Wir bedauern, dass unser Service für die Kundin nicht zufriedenstellend war. Selbstverständlich wollen wir uns stetig verbessern und nehmen Kundenrückmeldungen jeglicher Art ernst.»
* Name geändert