Darum gehts
- Die Schweizer Armee testet Ricola-Kräuterbonbons als neues Produkt für den Proviant
- Aktuell umfasst der Armeeproviant 110 Produkte, 90 davon Lebensmittel
- Zu den Klassikern gehören Militärbiskuits und Armeeschokolade
Im Verteidigungsdepartement lässt man keine Zweifel aufkommen: Es geht ums grosse Ganze. «Der Armeeproviant garantiert die Durchhaltefähigkeit der Schweizer Armee in ausserordentlichen Lagen», heisst es aus Bern. Was zum Sortiment gehört, muss verlässlich sein: einfach zu transportieren, unkompliziert zu lagern, auch ohne grosse Gerätschaften nutzbar.
Ohne Mampf kein Kampf? Die Feinheiten des Armeeproviants sind im Reglement 51.003 geregelt. Das Militär hat eine eigene «Bevorratungsstrategie». Die Lebensmittel sind so gewählt, dass sie mindestens ein halbes Jahr ohne Kühlung auskommen. Zentral beschafft, gelangen sie möglichst günstig zur Truppe – für den Ernstfall, aber auch als Verpflegung in der RS oder im WK.
Entsprechend reicht das Sortiment von einfachen Grundzutaten über Konserven und isotonische Getränke bis hin zu Trockenlagerware. «Müscheli tricolore» und «Rösti fixfertig» gehören ebenso dazu wie das «Feldgericht salzig» im Beutel. Und dazwischen finden sich Produkte, die längst Kultstatus haben – etwa die Militärbiskuits oder die Armeeschokolade.
Doch nun könnte noch ein Schweizer Klassiker dazukommen. Die Truppe testet derzeit, ob ein weiteres Produkt ins Sortiment aufgenommen wird: Neuerdings gehören auch Kräuterbonbons von Ricola zum Armeeproviant. Die Armee bestätigt entsprechende Informationen von Blick.
«Kräuterbonbons sind auch eine Abwechslung»
Abgegeben werden die Kräuterzucker in Minipäckli mit je zwei Stück. Die Milizformationen und Waffenplatzküchen können sie als Gebinde mit 200 Päckli à 5 Gramm beim Armeeverteilcenter Brenzikofen BE bestellen. Interner Stückpreis: 10 Rappen. Bestellt werden muss über das Formular 16.006 – hier hat alles seine Ordnung.
Was steckt hinter der Ricola-Offensive? Sollen unsere Soldaten die Zückerli lutschen, damit ihnen beim Appell die Stimme nicht versagt? Oder soll die «Chrüterchraft» – mit diesem Begriff warb die Traditionsfirma aus Laufen BL jahrelang für die Produkte – ihnen im Dienst zusätzlichen Schub verleihen?
«Seitens Truppe wurde eine entsprechende Nachfrage festgestellt», sagt Armeesprecher Stefan Hofer. «Diese Kräuterbonbons – ein Schweizer Produkt – sind auch eine Abwechslung zum vorhandenen Kaugummi oder Traubenzucker.» Der Test mit den Ricola-Bonbons werde etwa zwei Jahre dauern.
Der Armeeproviant umfasst derzeit 110 Produkte, darunter 90 Lebensmittel und 20 Non-Food-Artikel. Die Liste werde laufend überprüft und «an die Bedürfnisse der Truppe respektive die Bevorratung angepasst», erklärt Hofer. Weitere Neuaufnahmen seien derzeit nicht vorgesehen.
Hat der Ricola-Versuch auch einen Hauch von Heimatschutz? Für das Unternehmen dürfte es zumindest gelegen kommen, dass die Armee nun testweise auf ihre Bonbons setzt. Ricola bemühte sich zuletzt darum, auch bei jüngeren Konsumenten stärker anzukommen.