Darum gehts
- In Buch SH lebten seit 1994 durchschnittlich 18,4 Asylsuchende pro 100 Einwohner
- 98 Gemeinden in Bern, in der Waadt und im Wallis nahmen keine Asylsuchenden auf
- Oberwil-Lieli AG zahlte 2016 lieber Abgaben, als Asylsuchende aufzunehmen
Die Schweiz hat die 10-Millionen-Initiative abgelehnt. Doch die Diskussion über die Zuwanderung und das Asylwesen geht weiter. Jetzt zeigen erstmals Zahlen, welche Gemeinden in den letzten 32 Jahren wie viele asylsuchende Personen aufgenommen haben. Dabei zeigt sich: Es gibt grosse Unterschiede.
An der Spitze aller Gemeinden steht Buch im Kanton Schaffhausen, schreibt das investigative Rechercheteam Reflekt, das den sogenannten Asyl-Atlas aufgeschaltet hat. Reflekt hat die Recherche mit Daten des Bundesamtes für Migration durchgeführt.
Buch SH ist Spitzenreiter
In Buch SH lebten pro 100 Einwohner im Schnitt 18,4 Personen im Asylprozess. Zeitweise waren das fast 40 Prozent. Dahinter folgen Balm bei Günsberg SO und Saint-Gingolph VS. Die hohen Werte lassen sich teilweise mit Asylzentren in kleinen Gemeinden erklären.
In ganzen 98 Gemeinden gibt es seit 1994 keine einzige asylsuchende Person. Es sind Gemeinden wie Willadingen BE oder Pierrafortsch VS. Fast alle Gemeinden sind in Bern, in der Waadt oder im Wallis. Anders als Kantone wie Zürich, St. Gallen oder Aargau, die die Asylsuchenden proportional auf die Gemeinden verteilen, wählt der Kanton dort die Gemeinden selbst aus.
Schlusslicht der grösseren Gemeinden: Oberwil-Lieli AG
2016 machte zudem Oberwil-Lieli schweizweit Schlagzeilen: Unter dem damaligen Gemeindeammann Andreas Glarner (63) – er sitzt auch für die SVP im Nationalrat – zahlte die Gemeinde lieber an den Kanton, als Asylsuchende aufzunehmen.
Von allen Gemeinden mit mehr als 2000 Einwohnern weist die Gemeinde die tiefste Langzeitquote aus. In fast der Hälfte der 32 untersuchten Jahre habe dort keine Person im Asylprozess gelebt. 2016 gründete die Gemeinde einen Asylverbund und bezahlte die Nachbargemeinde dafür, dass sie mehr Leute aufnimmt.
Gegenüber dem Verbund sagte die Gemeinde, man habe die Aufnahmepflicht vollständig erfüllt und seit der Gründung keine Ersatzabgabe bezahlt. Die tiefe Quote erklärt man damit, dass der Kanton keinen Druck gemacht habe und die Abgabe tief sei.