Darum gehts
- Mathias Reynard spricht über die Brandkatastrophe von Crans-Montana und persönliche Belastungen
- Alain Berset unterstützte Reynard direkt nach dem Inferno
- Drei psychologische Sitzungen halfen Reynard, mit Stress und Erschöpfung umzugehen
Die Brandkatastrophe von Crans-Montana erschütterte die ganze Schweiz. Mathias Reynard (38, SP) stand seit den ersten Stunden mitten im Geschehen. Als Regierungspräsident repräsentierte er das Wallis und war unmittelbar in die Krisenbewältigung eingebunden. Dafür koordinierte er sich mit Opferfamilien, Spitälern und Medien.
Im Podcast «Wir sind Heimat» von Radio Rottu Oberwallis spricht Reynard darüber, wie ihn die Zeit nicht nur politisch, sondern auch menschlich an seine Grenzen brachte.
Besonders spannend: Reynards grösste Hilfe in dieser Zeit war alt Bundesrat Alain Berset (54). Dass der Staatsrat erst jetzt darüber spricht, liegt daran, dass Berset dies bislang nicht wollte. Jetzt verrät Reynard aber: «Berset hat mich in den ersten Stunden kontaktiert. Bereits am 2. Januar war er bei mir zu Hause, um mich zu unterstützen.» Aufgrund der Corona-Pandemie verfügt Berset über fundierte Erfahrung im Umgang mit Krisen.
«Bersets Rat und sein Beistand waren enorm wichtig für mich», erzählt Reynard. Der alt Bundesrat habe ihn während der gesamten Zeit begleitet. Auch heute stünden sie noch wöchentlich in Kontakt. Der Freiburger sei ein echter Freund, der ihm sowohl menschlich als auch beruflich zur Seite stehe.
Reynard: «Konnte kaum ruhig schlafen»
Zusammen mit dem Bergsturz in Blatten musste Reynard im letzten Jahr gleich zwei grosse Krisen bewältigen. «Ich bin erschöpft – es war eine sehr schwierige Zeit», sagt er. Besonders der Besuch in der Bar Le Constellation nach der Katastrophe habe ihn geprägt. Es sei ein Moment gewesen, den er nie wieder erleben möchte. «Die Bilder kamen immer wieder hoch.» Wochenlang habe er kaum ruhig schlafen können.
Zur Unterstützung nahm der Staatsrat auch psychologische Hilfe in Anspruch. «Das war absolut notwendig, um in dieser Zeit als Staatsrat bestehen zu können», sagt er. Insgesamt besuchte er drei Sitzungen. Zudem fand er Entlastung in Spaziergängen während der Mittagspause. Die Bewegung habe ihm geholfen, den Kopf freizubekommen und Stress abzubauen.
Zudem habe er «unschöne Artikel» über sich nicht selbst gelesen, erzählt Reynard. Er sei sich bewusst, dass es Kritik an ihm und am Wallis gegeben habe. «Natürlich gibt es bei uns Probleme», sagt er. Gerade deshalb mache er Politik: um Dinge zu verändern. Pauschale Vorwürfe, wonach im Wallis alles schiefgelaufen sei und eine solche Katastrophe anderswo nicht hätte passieren können, weist er jedoch zurück: «Ein solches Drama kann überall passieren.»