Darum gehts
- Ruag zahlte nach Hackerangriff in den USA Lösegeld, Pfister verärgert
- Florian Schütz soll Ruag in Cybersicherheit schulen
- Ex-CEO verdiente 572'290 Fr., neuer Chef wird noch gesucht
VBS-Chef Martin Pfister (63, Mitte) ist sauer auf die Ruag. Mehrmals betonte er in Sitzungen, er wolle nicht überrascht werden. Und dann gabs doch eine dicke Überraschung. Ruag-Präsident Jürg Rötheli (63) plauderte gegenüber SRF aus, dass der Rüstungskonzern nach einem Hackerangriff in den USA Lösegeld gezahlt habe. Zwar verstiess die Ruag damit gegen kein Gesetz, da es eine Ruag-Tochter im Ausland betraf. Der Bund will jedoch nicht, dass bei Erpressung bezahlt wird. Der politische Schaden war angerichtet. Was Pfister besonders störte: Dass die Ruag es nicht für nötig hielt, ihn vorgängig zu informieren.
Recherchen von SonntagsBlick zeigen: Die Ruag muss nun Nachhilfestunden bei Florian Schütz (44), dem Direktor des Bundesamtes für Cybersicherheit (Bacs) nehmen. Schütz war früher selbst bei der Ruag tätig, kennt die Schwachstellen des Konzerns und sieht die Ruag kritisch.
Wird Peter Spirig neuer Ruag-CEO?
Derweil läuft die Suche nach einem neuen Ruag-CEO auf Hochtouren. Der interimistische Ruag-Chef Oliver Müller (53), der von der Credit Suisse kam, hat keine Chance, den Posten dauerhaft zu übernehmen – zu gross ist die Kritik an ihm, wie er den Cybervorfall gemanagt hat. Müller arbeitet bei der Ruag nur in Teilzeit – zu 30 Prozent ist er für die Schweizer Armee tätig, wie der «Tages-Anzeiger» schrieb. Wie viel Müller verdient, will die Ruag nicht verraten. Sein Vorgänger kassierte 572’290 Franken.
Das Mandat für die Nachfolgesuche ging an den Personalvermittler Russell Reynolds. Zwei Kandidaten haben es nach SonntagsBlick-Informationen in die Endrunde geschafft, darunter Peter Spirig (53), der frühere CEO des Haushaltsgeräteherstellers V-Zug war.
Absage von Rheinmetall-Manager
Gleichzeitig hagelt es prominente Absagen. Oliver Dürr (55), scheidender CEO von Rheinmetall Air Defence, sagt im Gespräch mit SonntagsBlick, er habe sich nicht für die Stelle beworben: «Ein CEO muss gestalten können und braucht freie Hand. Bei der Ruag redet aber jeder mit – von links bis rechts, vom Parlament bis zur Bundesverwaltung. Das macht die Stelle nicht attraktiv.» Dürr warnt davor, einen rüstungsfremden Manager auf den Ruag-Chefposten zu hieven: «Hier braucht es Fachexpertise aus dem Defence-Bereich. Wenn die nicht im Verwaltungsrat gegeben ist, muss sie umso mehr beim CEO vorhanden sein.»
Insider attestieren Ruag-Präsident Rötheli solides Arbeiten, aber auch politische Naivität: Ein Ruag-Präsident muss damit rechnen, dass alles gegen ihn verwendet wird – und entsprechend wenig Angriffsfläche bieten. Ein anonymes Schreiben wirft Rötheli hingegen vor, «sich mit einem Privatchauffeur in der Schweiz herumfahren» zu lassen und in teuren Hotels zu nächtigen. Ausserdem: «Der Präsident hat seinen eigenen Kommunikationsberater mitgebracht bei Amtsübernahme (Dominique Reber von Hirzel Neef Schmid, der wiederum noch einen Kollegen einsetzt, der auch abrechnet). Die Ruag bezahlt jeden Monat deutlich über 10'000 Franken an diese Berater.» Die Ruag dementiert dies nicht, betont aber, dass das Spesenreglement von der Berner Steuerverwaltung genehmigt wurde.